Inge Hoppe-Grabinger

Am Mühlenberg - ein Spaziergang in Berlin


Rom soll auf sieben Hügeln erbaut worden sein, von denen keiner höher als 65
Meter ist. Lächerlich! Berlin kann von sechs Bergen herabblicken, die höher sind
als 100 Meter! (Vier davon sind allerdings "künstlicher" " Natur" - falls man das so
sagen kann - egal). Aber es gibt da noch die unendlich vielen kleinen Hügel, die
früher mal vielleicht Standorte für Mühlen waren.
Durch Zufall habe ich eine kurze Straße entdeckt, nicht weit vom Schöneberger
Rathaus: "Am Mühlenberg", auch ganz in der Nähe des Volksparks. Wenn eine
Straße so heisst, wird da mit Sicherheit eine Mühle gestanden haben. Der Hügel
ist sehr sanft, vermutlich der kleinste Hügel von ganz Berlin? Ringsherum nur
gesichtslose Häuser aus den 50er Jahren, einfallslos, eintönig, Farbe undefinier-
bar. Ich wäge ab, wo genau der höchste Punkt sein könnte? Nein, es ist gott-
seidank nicht der benachbarte Parkplatz, es ist ein winziger Park, wobei der Aus-
druck "Park" völlig daneben gegriffen ist. Da steht ein Baum, ringsherum niedriges
Gebüsch und drei Bänke oder so. Kein Hinweisschild, dass hier mal eine Mühle
geklappert haben könnte. An einem der Bänke steht ein Kinderwagen, jemand beugt
sich über das nicht sichtbare Kleinkind. Ist es die Mama? Wegen der Kälte in einen
dunklen Mantel mit Kapuze gehüllt. Sonst ist niemand zu sehen. Ich habe die Idee,
die Mama zu fragen, ob sie vielleicht etwas über die nicht mehr vorhandene Mühle
weiß. Obwohl das doch eher unwahrscheinlich ist. Aber ein kleiner small talk kann ja
 nicht schaden. Hinter meiner Corona-Maske setze ich mein schönstes Lächeln auf
und sage: "Hallo", natürlich im Abstand von 1,5 mtr.  Die Kapuzengestalt dreht sich
zu mir um: Mich schaut ein Chinese an, männlichen Geschlechts, das nur noch mal
zur Verdeutlichung,. Ich bin so verblüfft, so entgeistert, sprachlos, dass ich nichts
anderes als  ein dürres "sorry" über die Lippen bringe und sofort den Mühlenberg
hinabsteige, falls dieses Wort überhaupt anwendbar ist bei der geringen "Steigung".
Wie unsagbar blöd von mir! Vielleicht hätte ich mit dem chinesischen Papa ein
interessantes Gespräch über Mühlen am anderen Ende der Welt führen können?
Und was heisst "Es klappert die Mühle ..." auf chinesisch??? 

l2. Dez. 202l - ihg -

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Die Autorin, geboren 1960, wohnt im Dreiländereck Nordrhein-Westfalen/Hessen/Rheinland-Pfalz. Erst spät hat sie ihr Talent zum Dichten entdeckt und ihre Gedanken und Erfahrungen zusammengetragen. So entstand eine Gedichtsammlung, an der die Autorin gerne andere Menschen teilhaben lassen möchte, und daher wurde der vorliegende Band zusammengestellt.

Das Leben ist zu kurz, um es mit Nichtigkeiten zu vergeuden oder um sich über die Schlechtigkeit der Welt allzu viele Gedanken zu machen. Wichtig ist, dass man sich selbst nicht vergiften lässt und so lebt, dass man jederzeit in den Spiegel schauen kann.

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