Sabine Brauer

Die bange Frage Eine Nikolausgeschichte

Die bange Frage
Eine Nikolausgeschichte

Der Nikolaustag naht beängstigend schnell. In der Schule gibt es heftige Diskussionen, ob es den bärtigen Rotrock wirklich gibt. Bienchen ist den Tränen nahe. Sie hat ihn doch letztes Jahr selber gesehen, als er auf einem grauen Schimmel vor ihrem Haus stand und Süßigkeiten an sie und ihre Geschwister verteilte. Schade, dass Rolfi nicht dabei war, ihr neun Jahre älterer Bruder. Immer musste der sich irgendwo herum treiben und verpasste dadurch das Beste. Und Süßigkeiten für ihn hatte sie auch nicht erbetteln können, auch mit den allerschönsten Gedichten nicht. Der Nikolaus sagte, und hob mahnend den Finger dabei: „DAS wird ihm eine Lehre sein. Nächstes Jahr beeilt er sich sicher, dann bekommt auch er seinen Stiefel.“

Das Pferd sah genauso aus, wie ihr Grisello, den der Papa vorletzten Sommer verkauft hatte, weil ein Trecker an seine Stelle getreten war. Wie hatten die Kinder da geweint. Zum Glück hatte ihn ein Bauer gekauft, der seine Wiese direkt bei der Schule hatte. So konnten die Kleinen ihren treuen Freund jeden Tag besuchen.

Papa sagte eben, sie solle einen Eimer Wasser und Brot für den Schimmel bereit stellen, damit das Tier sich stärken könne. Doch das Mädchen meinte keck: „Och, das mache ich nicht. Ist doch alles Quatsch. Den Nikolaus gibt es nämlich gar nicht. Das haben mir die großen Schüler erzählt.“

Langsam wird es dunkel und die Zweifel kommen in ihr hoch, ob denn das auch wirklich wahr ist, was die anderen da erzählen. Aber Brot und Wasser will sie nicht hinstellen. Dann lacht der Papa sie bestimmt aus. Hier ist guter Rat teuer.

Am Abend hört man Hufe klappern und ein fröhliches Wiehern. Jemand klopft an die Tür und dann steht er wieder vor ihr. Der Nikolaus in voller Größe. Das Herz pocht Sabine bis zum Halse, weil sie sich schämt auf die nichtsnutzigen Reden gehört zu haben. Ein winzig kleines Schmunzeln, für den Graubart nicht ersichtlich, umspielt ihre Lippen...

Nur gut, dass ihr Nachbar Onkel Hinni Grünkohl im Garten hatte.

© Sabine Brauer

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