Lisa Olesch

Die geheime Weihnachtsgeschichte

"Ho, ho, ho" , hörte man es weit und breit schallen. Und das, sollte schon was heißen, denn es ging sehr geschäftig zu. Überall wuselten sie herum. Es raschelte und knisterte. Es klimperte und klingelte. Sie quiekten und kicherten. Kurz um, es war ein heilloses Durcheinander, denn jeder Wichtel hatte was zu tun, am letzten Tag vor Weihnachten. Die Weihnachtsstadt am Nordpol, war, wie jedes Jahr, zu einem lustigen, bunten, zauberhaften Ort der Wunder geworden. 
"Ho, ho, ho" , schallte es wieder, "Es wird langsam Zeit, meine kleinen Wichtelfreunde. Die Geschenke müssen verladen werden. " Das war der Weihnachtsmann. Schließlich stand er unter Zeitdruck. Schon morgen sollte jedes Kind auf der Welt, ein Geschenk unter dem Baum finden. Und so wuselten die kleinen Wichtel,  in Windeseile, von hier nach dort, um auch noch die letzten Fahrräder, Teddybären, Modelleisenbahnen und Porzelanpüppchen zu verpacken und zu verstauen. 
Und dann war es soweit. Nicht einer, nein, hunderte von Schlitten, standen vollgepackt bis oben hin, bereit um los zu fliegen. In jedem davon, saß ein Wichtel und schnappte sich die Zügel. "Gleich geht es los! " "Ja, sie sind bereit. " "Oh, ich bin schon so aufgeregt!" , hörte man es rundherum flüstern. Denn,  wie jedes Jahr, war es ein wundervolles Spektakel, zu sehen, wie sich die hundert Schlitten, mit ihren bunten Ladungen, gezogen von stattlich geschmückten Rentieren, in die Lüfte erhoben und sich auf die Reise um die Welt machten. 
Auch der Weihnachtsmann saß in einem Schlitten. Allerdings im letzten. Ganz hinten. "Wie wir es gewohnt sind. " , kicherte ein Wichtel zum anderen, "Natürlich hat der Herr es sich nicht nehmen lassen, seinen Schlitten selbst zu packen und beaufsichtigt die Prozedur von ganz hinten. " "Aber wie soll er denn auch sonst sehen, ob beim Start nichts schief läuft und ob alle auch die richtige Abzweigung nehmen?" "Ja, da hast du recht. Er ist eben sehr gewissenhaft was das angeht. Zum Glück. Sonst gäbe es noch eine Katastrophe, wenn einer der Schlitten nicht ankommen würde. " "Ho, ho, ho... Es ist soweit! ", übertönte die Stimme des Weihnachtsmannes das aufgeregte Treiben. "Ihr wisst alle was ihr zu tun habt. Denkt daran, die Milch zu trinken und die Kekse zu essen, die euch angeboten werden. Sonst sind die Kinder noch enttäuscht oder denken es wäre gar keiner da gewesen. Ich danke euch für die viele Arbeit die ihr geleistet habt und hoffe das ich auch nächstes Jahr auf euch zählen kann. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten! "
"Juhuu!", schrien alle im Chor und sahen klatschend dabei zu, wie die vielen Schlitten sich in Bewegung setzten. Es war ein unheimliches Gepolter und Gestampfe, welches von den vielen Hufen der Rentiere zu hören war. Etwas Anlauf brauchten sie schließlich, bevor sich die ersten in die Luft erhoben und leuchtend, schillernd am Horizont immer kleiner wurden. Begleitet von den Jubelrufen der verbliebenden Wichtel, war nun auch der Schlitten des Weihnachtsmannes abgehoben und auf den Weg in die sternenklare Nacht. 
"Ho, ho, ho", hörten die Wichtel in den Schlitten das wohlbekannte Zeichen dafür, sich zu zerstreuen und den üblichen Kurs in die vielen Länder und ihre Städte aufzunehmen. "Macht mir keine Schande! ", rief der Weihnachtsmann noch den letzten Schlitten nach, als auch diese aus seinem Blick verschwanden. 
"Endlich! ", stöhnte er, zog am rechten Zügel und lenkte seinen Schlitten Richtung Boden. Seine Rentiere kannten den Weg. Nicht weit war es, zu der kleinen Hütte am Waldrand. Von Weitem, sah man schon Licht und Rauch aus dem Schornstein. Er hatte es ja auch so vorbereitet. 
Keuchend und stampfend landeten seine Rentiere neben dem Haus aus Holz. Der Weihnachtsmann zäumte seine Rentiere ab und führte sie in den geräumigen Stall um die Ecke. Hier war es warm und gemütlich. Weiches Stroh und frische Äpfel warteten schon auf sie. Voll freudiger Erregung, drängten sich die Tiere aneinander vorbei. "Immer mit der Ruhe, Jungs. Es ist genug für alle da! ", brummte der Weihnachtsmann und grinste in seinen dichten, weißen Bart. 
Nachdem er seine Rentiere versorgt wusste, lenkte er seine Aufmerksamkeit auf den großen Sack im Schlitten. Wohlwissend was ihn erwartete, griff er sich den Sack und machte sich auf den Weg in die Hütte. Kaum öffnete er die Tür, da wurde er auch schon mit lautem Hallo begrüßt. "Wir warten schon eine Ewigkeit! ", grinste Väterchen Zeit. "Ich wollte schon einen Schneesturm losschicken, der dich anschiebt. ", lachte Jack Frost. "Und ich wollte eine Blumenwiese erblühen lassen, damit du den Weg findest. ", schmunzelte Mutter Natur. "Na, na, na. Jetzt seit mal nicht so ungeduldig. ", neckte der Weihnachtsmann seine Freunde, "Es ist schließlich nicht immer leicht für mich, den kleinen Wichteln zu entkommen. Wenn sie wüssten, dass wir hier, jedes Jahr an Weihnachten, eine Party feiern und ich nicht um die Welt fliege, um Geschenke zu verteilen, hätten wir nie im Leben auch nur eine freie Minute für uns. "
Mit diesen Worten, griff er in seinen Sack und holte den eigens eingepackten Eierpunch heraus, schenkte jedem ein ordentliches Glas ein und rief, 
"Frohe Weihnachten euch allen! "

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.12.2021. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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