Jürgen Malodisdach

Teufelei zum 2.

Zweite Teufelei

 

 

Mit Mühe und Not schleppte ich die Fuhre des Einkaufs die Treppen hoch. Wobei die Funktionalität des Fahrstuhls für mich von größter Bedeutung war.

Und dann war er da. Der Tag, oder bessere gesagt der Abend des gemütlichen Beisammenseins. Wie schon gedacht, waren wir dann vier Persönchen, die glaubten, eine paar unterhaltsame Stunden erleben zu können. Da ahnte ja noch niemand dieser Runde, was da kommen sollte.

So hatten wir uns um den schön gedeckten Tisch gesetzt und alles das bewundert, was da an Speisen und Getränken angeboten war. Für mich natürlich die wunderschön anzusehende große Carpaccioplatte und der dunkelrote trockene Wein aus dem Süden Spaniens. Gekeltert aus Tempranillotrauben.

Der Clou war aber die wundervoll geformte Flasche mit klarer Spirituose und dem Teufelsetikett. Darüber amüsierten wir uns alle. Der Inhalt mußte natürlich probiert werden.

War er wirklich das Geld wert und in der Wirkung einem Teufelstrunk angemessen? Die erste Probe fand allgemeine Zustimmung. Es wurde viel über die Qualität des Getränks diskutiert und nach dem zweiten Glas auch fabuliert.

Einer nahm die Flasche in die Hand und betrachtete die oben schön geformten Glashörner, die geöffnet zum Befüllen der Gläser dienten. Er drehte und wendete die Flasche nach allen Seiten und Himmelrichtungen. Lachte dabei und sagte dann laut in die Runde, seid mal alle froh, das diese Flasche so sauber ist. Offenbar nicht aus dem Meer kommt und der Inhalt wirklich gut schmeckt. Sonst könnte jemand denken das da drinnen ein Dschinn oder ein Flaschengeist steckt, vielleicht sogar ein Teufel oder seine Großmutter schwimmt.

Es ist Gottseidank nichts Besonderes zu sehen ,was uns den Geschmack und die jetzige gemütliche Stunde verleiden könnte. Deshalb mache ich die Flasche wieder zu, gieße vorher noch einmal die Gläser unserer Runde voll und werde dem Teufel einen herzhaften Schmatz auf die Hörner drücken. Sagte er. Machte es auch gleich.

Guckte dann aber etwas pikiert in unsere Runde, nachdem ein Ruckeln und Zucken seines Kopfes vorbei war. Was ist los sagte er dann zu seinem Sitznachbarn. Gönnst du mir diesen Spaß nicht , daß du mir jetzt eine Backpfeife gibst? Wieso das. Ich habe dir keine Ohrfeige verpaßt, stimmts Leute ? Na wer denn sonst. Sieh dir mal das Bild auf dem Etikett an.

Na bitte, meinte der Nachbar, der Teufel hat plötzlich eine ganz lange Zunge und die streckt er dir jetzt so lang wie sie ist auch raus. Alles lachte und jemand sagte, Leute daß mir nicht noch einmal jemand den Teufel küßt. Er verteilt Ohrfeigen. Aua aua sagte er dann, warum tritts du mir ans Schienbein, habe ich etwas Falsches gesagt ? Ich habe damit nichts zu tun.

Na Hallo sagte ich, gebt mir mal die Flasche, muß mir das nochmal angucken. Hielt meine Nase deshalb ganz nah an den Teufelskopf und hatte plötzlich das Gefühl, daß ich richtig derb an meiner Nase gezogen wurde. Aber richtig doll. Zog meinen Kopf zurück, das heißt , ich wollte ihn zurück ziehen. Ging aber nicht.

Stattdessen hörte ich eine ekelhaft metallisch und kreischende Stimme, komm doch mal rein zu mir, wir können uns schön unterhalten. Ich helfe dir, wenn du allein nicht dazu in der Lage bist. Dann ließ der Druck nach, nicht bevor ich noch eine nette Kopfnuß bekam. Ich federte bis an die Rückenlehne des Stuhles zurück.

Das ist ja verrückt, dachte ich noch. Na warte mal. Mit dir gehörnten Schnösel auf dem Bild möchte ich doch einmal ein ernstes Wörtchen reden. Dazu nehme ich nur mal den Verschluß von einem der Glashörner ab um da hinein zu sehen.

Hätte ich so nicht plötzlich machen sollen. Denn ehe ich mich versah kommt aus dem Inneren der Flasche eine ekelhaft anzuschauende Hand heraus. Dieses Ding war keine Hand sondern ein stark behaartes und schmieriges und schmutziges Greiforgan.

Statt Fingernägel waren an den Fingerspitzen scharfe gebogene Krallen zu sehen. Die hätten einem großen Raubvogel zur Ehre gereicht.

Damit wurde ich am Kopf, besser gesagt an meinen wenigen Haaren so gepackt, daß ich vor Schmerz schreien wollte. Ging aber nicht, denn die ziehende Gewalt war so stark, daß ich immer dünner und weicher wurde und somit auch keine Stimme mehr hatte. Flog oder rutschte deshalb in die Tiefe. Landete schließlich in einer klaren Flüssigkeit, die ich schlucken mußte und widerlich fand.

Meine Versuche mich in irgend einer Weise gegen diese Gewalttätigkeiten zu wehren waren einfach sinnlos und deshalb ohne sichtbaren Erfolg zum Scheitern verurteilt. Nachdem die Wogen meiner Wut und Erregung sich langsam gelegt hatten stellte ich fest, daß ich in einem großen Becken herum strampelte.

Umgeben von einer gläsernen , teilweise runden Glashalle. Das kam mir irgendwie bekannt vor. Und dann kam sie wieder, die Erinnerung und die Vernunft. Ich war gefangen in einem gläsernen Behälter, einer bauchigen Flasche.

 

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Fortsetzung folgt

 

 

 

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