Reiner Mayr

Das schwarze Schaf

Papa ging mit seinem kleinen Töchterlein spazieren, da trafen sie auf eine Schafherde,
er hob sie auf seine Schulter und sagte, die kannst du jetzt einmal zählen,
98, 99, 100, dann hörte .Lena auf. 
Papa meinte dann aber, also Lenchen, du kannst doch schon über 100 zählen,
warum hörst du auf,, das sind doch viel, viel mehr Schafe.
Ach Papa, sagte dann diese, schau doch einmal, in der Mitte ist ein schwarzes Schaf,
alle anderen sind weiß, wieso ist das so?,
Papa meinte dann, das weiß ich auch nicht, aber wir fragen jetzt einfach den Schäfer.

Der sagte dann ganz einfach lapidar, ich erkläre es euch gleich, wie es war:
Ein befreundeter Schäfer hat auch eine große Schafherde, die sind aber alle schwarz
und gerade dieses eine vertrug sich nicht mit den anderen, da fragte er mich, ob ich es
nehmen würde. Und wie ihr seht, das schwarze Schaf verträgt sich wunderbar mit den
weißen und sogar meine Hunde lieben es und das will schon etwas heißen.

Lena hatte bald daraufhin Geburtstag, da kam die ganze Verwandschaft zusammen,
auch Onkel Paul war diesmal dabei, er war ja schließlich ihr Taufpate, ihn hat sie
besonders lieb, weil er immer so lustig ist und mit ihr immer spielt. 
Leider wird er von der Verwandschaft immer geschnitten, sie sagen nämlich,
er ist das schwarze Schaf der Familie und jetzt will ich einmal wissen, warum das so ist.
Lena fragte also, warum sagt ihr immer, Onkel Paul ist das schwarze Schaf der Familie?

Es folgte daraufhin nur ein betretenes Schweigen aller, manche hüstelten verlegen,
viele dachten sich, diese freche Göre soll Ruhe geben, diese Frage kommt uns ungelegen.

Da stand Onkel Paul auf und sein Blick ging souverän über die bucklige Verwandschaft hinweg
und er sagte zu Lenchen, weißt du, die meisten sind neidisch auf mich, sie ertragen es halt 
nicht, dass ich in der Weltgeschichte herumreise, ich arbeite halt nur soviel, das ich es mir 
leisten kann. Dann bin ich auch nicht verheiratet, das passt gerade deinen alten Tanten 
überhaupt nicht, ....weiter zu reden kam dann aber Onkel Paul nicht.

Wie eine Furie sprang da Tante Hilde auf, du bekommst doch gar keine Frau, wer will denn 
schon dich und wenn du einmal eine hast, verlässt sie dich sofort wieder sicherlich.

Empört sagte dann Lena, das ist ja unerhört, Tante Hilde, was du da sagst, wenn ich größer 
wäre würde ich Onkel Paul sofort heiraten, ich habe ihn nämlich ganz, ganz lieb, im Gegensatz 
zu dir, du bist manchmal ein Schäusal und eine Schreclschraube und viele sagen über dich,
du bist eine verhärmte alte Jungfer, obwohl ich nicht weiß, was das genau heißt.

Wieder erfolgte ein betretenes Schweigen und hüsteln, da ergriff Lenchens Papa das Wort:

Onkel Paul hat mir gerade mitgeteilt, das er bald heiratet, er war ja wie ihr wisst, wieder auf
Weltreise und vier Wochen auch in einem Dorf in Kenia. Da lernte er eine Frau kennen und
lieben, ein Seelchen von einem Menschen und das schönste war noch, alle Dorfbewohner
meinten, er sei kein schwarzes Schaf, sondern das einzige weiße und daher im ganzen
Dorf und der Familie hochwillkommen.

Und daher, liebe Verwandschaft, lasst mich es so sagen, ich bin stolz auf mein so weises
Mädchen, sie macht halt keinen Unterschied zwischen schwarz und weiß, wenn es also bei
den Schafen geht, dann geht es doch erst recht bei den Menschen, denn Menschen können
doch angeblich denken. Und wenn die Nacht hereinbricht, da hören sogar die Schafe auf zu
Blöcken und die Menschen schlafen dann hoffentlich auch selig ein und lassen 
schwarz und weiß einfach die Farben sein!

Copyright Reiner Mayr
Januar 2022


PS: Technisch gesehen werden Schwarz und Weiß als unbunte Farben gesehen, auch als Abwenheit von Farbe.




















 





 






 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.01.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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