Gisela Welzenbach

Hochzeit in den 70er Jahren

Im Sommer nach unserer besonderen Faschingssaison heirateten Herbert und ich.
Dieses Ereignis veränderte mein Leben. Der Termin war zufällig der 01.07.1977, als das neue Scheidungsrecht eingeführt wurde. Manchmal wurden wir sogar darauf angesprochen. Aber wer denkt schon an Scheidung wenn er heiraten will! Es war lediglich ein reiner Zufall und kein Hintergedanke.
Standesamtlich haben wir in der Mandlstraße geheiratet, dem schönsten Standesamt von München. Dieses hat nun einmal Flair. Damals musste man noch ein Aufgebot bestellen, welches dann drei Wochen bis zur Hochzeit ausgehängt wurde.

Man brauchte auch jede Menge Papiere und Nachweise, dass man z.B. auch wirklich deutscher Abstammung ist. Da half auch mein eindeutiger bayerischer Dialekt nichts mehr! Man musste bis zu seinen Großeltern zurückgehen und mein Mann Herbert, der aus Würzburg stammt, musste zusehen, dass er die Unterlagen herbrachte.

Mein älterer Cousin Werner sagte damals scherzhaft zu mir: „Hast Du denn gar keinen Hiesigen gefunden?“ Er war halt der Meinung, es sollte ein Münchner sein. Aber wo die Liebe hinfällt und ich hatte wohl schon immer eine Schwäche für die Franken.Schließlich habe ich das Frankenland viele Jahre lang besucht. Aber klar, natürlich war das reiner Zufall!

Herbert ist deshalb in München gelandet, weil er nach der Bundeswehr, wo er vier Jahre lang gedient hat, aus beruflichen Gründen hergezogen ist. In Würzburg gab es bei der Zeitung, als er damals in den 60er Jahren als Chemiegraph ausgebildet wurde, weniger Möglichkeiten hatte unterzukommen. Wir beide sind uns 1976 in der Tanzschule Richter am Stachus, der ältesten Tanzschule in München, begegnet. Es war tatsächlich eine großer Zufall, dass Herbert dort „gelandet“ ist. Er fuhr öfters mit der Straßenbahn dort vorbei und sah vom Fenster aus Leute im zweiten Stock des Gebäudes, wo die Tanzschule übrigens heute immer noch ist, an den Fenstern vorbei tanzen. So entschloss er sich, auch mal hinein zu schauen. Es gibt einen Film mit dem Schauspieler Richard Gere der heißt: „Darf ich bitten“. Wenn wir diesen zauberhaften Film sehen, ist natürlich sofort die Erinnerung da, wie alles bei uns begann. Denn auch er sieht ja vom Zugfenster aus die Tanzschule und entschließt sich einzutreten. Tja und so fing alles an!

Nun zu den Formalitäten. Die Beschaffung der angeforderten Unterlagen gestaltete sich etwas schwierig, denn es fehlte bei einem zweiten Besuch beim Standesamt, um die Heirat zu beantragen, noch ein Nachweis und Herbert war darüber gar nicht „amüsiert“, was sich in einem gehörigen Poltern seinerseits bemerkbar machte.

Er ließ mich zusammen mit dem etwas konsternierten Standesbeamten sitzen. Ich murmelte eine Entschuldigung (innerlich schäumte ich), verabschiedete mich und verließ dann ziemlich wütend das Standesamt. Herbert war schon ein ganzes Stück weiter weg, wartete aber dennoch auf mich. Sauer rief ich ihm zu, dass er sich gefälligst selber heiraten könne! War natürlich nicht ernst gemeint. Fing schon recht turbulent an. Als schließlich alle Formalitäten überstanden war, konnte das „Projekt“ Hochzeit starten.

Bei der standesamtlichen Trauung hatten wir einen sehr salbungsvollen Standesbeamten, der alles sehr feierlich gestalten wollte. Ist ja auch schön gewesen, damit es nicht gar so amtlich klang. Aber, da ich gerade erst 20 Jahre alt war und das Lachen – oder auch Kichern – noch etwas locker saß, wurde ich durch die etwas herunterhängenden Backen des Standesbeamten, die bei jeder Bewegung zu wackeln anfingen, irritiert und mich überkam trotz der feierlichen Handlung ein schrecklicher Lachanfall, den ich mühsam zu unterdrücken versuchte. Meine ein Jahr ältere Schwägerin Birgit kicherte hinter mir genau so verhalten und das war beinahe mein Untergang. Krampfhaft hielt ich meinen Brautstrauß vor mein Gesicht, um die Heiterkeit zu verbergen so gut es ging. Zum Glück ging der „Anfall“ vorbei und ich konnte wieder ganz gefasst der Zeremonie folgen, die ja schließlich mein Leben komplett veränderte.

Leider haben wir von unserer standesamtlichen Trauung kein einziges Foto, weil der Fotoapparat von meinem Schwager Alfred, der ja eifrig fotografierte, bedauerlicherweise den Film nicht weiter transportierte. Das hat er erst viel später gemerkt, als er den Film entwickeln lassen wollte. Und so habe ich leider auch kein Bild von meiner Kleidung, die ich zur Trauung getragen hatte. Ich war so stolz auf mein sommerliches zweiteiliges Kleid. Denn dies war vom Modeschöpfer Valentino. Herbert kaufte es mir, nachdem ich es als Mannequin im Hilton Hotel vorgeführt hatte.

Einen Tag nach dem Standesamt im Jahr 1977 haben wir dann in der Klosterkirche St. Anna kirchlich geheiratet. Vorher mussten wir aber auch ein Gespräch mit dem Priester führen, der uns trauen wollte bzw. den wir auch gefragt haben ob er dies tun wollte. Er war noch ein recht junger Priester und vermutlich deswegen sehr aufgeschlossen. Man wurde auf seine Ehetauglichkeit getestet. Dies hieß z.B., ob wir auch Kinder haben wollten – sofern uns welche beschert werden - und diese auch im Glauben erziehen wollten.

Der 2. Juli, der Tag unserer kirchlichen Trauung, war ein wunderschöner sonniger Sommertag. Familie, Verwandtschaft, Freunde und gute Bekannte waren alle dabei.

Es war eine feierliche Trauung. Nur kurz unterbrochen von unserem jungen Priester, der sich während der Zeremonie einmal verhaspelte. Das empfand ich als komisch und ich versteckte mich wieder hinter meinem Brautstrauß. Aber auch Herbert und der Priester mussten leise lachen. Den Ring, den ich Herbert überstreifen musste, war etwas eng und so habe ich ihn wie einen Schraubverschluss auf den Ringfinger von ihm – sozusagen mit „Schmackes“ - raufgedreht. Nun kam er mir sozusagen nicht mehr aus!

Es kam auch der Journalist der Abendzeitung, welcher bereits während unserer Faschingszeit als König Ludwig II. und Sissi schon Fotos von uns gemacht hat. Weil auch mein Chef, Ernst Maria Lang bei unserer Hochzeit war, hatte er uns zusammen für die Abendzeitung fotografiert so nach dem Motto: „König Ludwig heiratet seine Sissi“. Nach der kirchlichen Trauung fuhren wir alle zu unserem Stammlokal Hammerschmiede und das Feiern konnte beginnen.

Natürlich wurde auch der alte Brauch der „Brautentführung“ zelebriert. Der junge Ehemann wurde ins Klo abgeschoben und einige von den Hochzeitsgästen zerrten mich mit samt dem Brautstrauß (der ist sehr wichtig wegen des Auslösens) aus der Wirtschaft und wir fuhren mit zwei Autos – es waren glaub ich acht „Entführer“ - zur „Deutschen Eiche“. Es dauerte eine ganze Weile, bis Herbert mich fand. Sein Bruder Alfred war mit ihm unterwegs (der natürlich eingeweiht war, wohin es gehen soll) und die Leute amüsierten sich in den Lokalen, als sie merkten, dass da ein Bräutigam seine Braut sucht. Ich dachte schon, er findet mich gar nicht mehr, als er dann glücklich auftauchte. Einige meiner „Entführer“ waren mittlerweile schon ganz lustig beieinander!! Wir blieben dann dort noch eine Weile und mein Mann musste die ganze Gesellschaft (nicht nur mich) auslösen. Am Abend nach einem leckeren Buffet gab es dann Musik und Tanz. Natürlich ließ es sich mein Vater nicht nehmen, auch mit seiner „Diatonischen“ aufzuspielen. Später kam sogar noch unser junger Pfarrer, der uns getraut hatte und spielte uns einige lustige Gstanzl' vor.

Unser Fotograf, Hilmar Jöhnke, der uns auch in unserer Faschingszeit quasi als Hoffotograf begleitete und alle Bilder machte, übernahm auch das fotografieren unserer Hochzeitsfotos. Da das Wetter so schön war, gingen wir in den nahe gelegenen Englischen Garten und es wurden wirklich schöne Fotos.

Bis in der früh um 4.00 Uhr wurde gelacht, getanzt und gesungen.

Alles in allem eine gelungene Hochzeit!


Eine kleine Hochzeitsreise

Nach einer Hochzeit folgt in der Regel eine Hochzeitsreise. Die unsrige war ein bisserl anders als man es von Hochzeitsreisen sonst so kennt.
Als damalige Schulsekretärin konnte ich nur in den großen Ferien meinen Urlaub nehmen. Und so starteten wir erst eine Weile später unsere 14-tägige Hochzeitsreise. Nein, wir flogen nicht auf die Bahamas oder sonst in eine weiter entfernte Region, wie es ja oft der Fall war und ist. Hätten wir uns auch gar nicht leisten können. Wir fuhren mit dem geliehenen neuen Auto meines Vaters (weil wir noch keines hatten) in den Bayerischen Wald in einen kleinen Ort nahe bei Spiegelau. Hut ab vor meinem Vater, dass er uns sein gerade erst gekauftes Auto auch anvertraut hat.

Wie es bei einer Hochzeitsreise eigentlich weniger üblich ist, war auch ein Teil meiner Verwandtschaft in der ersten Woche mit dabei. Kaum zu glauben würde man vielleicht jetzt sagen. Wir waren dort in einer Pension, deren Besitzer, ein sehr nettes Ehepaar, mit meinem Onkel Walter und Tante Anni bekannt waren, weil sie schon einige Male dort waren. Irgendwie sah der Mann meinem Onkel sowohl in Statur als auch Aussehen ziemlich ähnlich. Waren aber nicht verwandt. Die gstandenen Waidler halt. Schließlich stammt mein Onkel ja auch aus dem Bayerischen Wald.

In der Pension war das Bad und Toilette noch auf dem Gang und in den Zimmern gab es Waschbecken. War alles einfach aber sauber, nett und ordentlich. Wir hatten Vollpension und kostete 20,-- Mark pro Tag im Doppelzimmer. Das waren noch Zeiten!

Außer Tante Anni und Onkel Walter mit ihren beiden Söhnen Jürgen und Walter, damals noch Kinder, waren auch Tante Friedl und Onkel Wiggerl mit dabei. Ich kann nur sagen wir hatten ganz viel Spaß zusammen und hatten eine lustige Zeit. Wir machten natürlich auch Ausflüge in die schöne Umgebung u.a. auch zur alten Wohnstätte in Bettmannsäge, wo einst Onkel Walter und Tante Friedl samt der anderen Geschwister aufgewachsen sind.

Das Haus wurde noch viele Jahre bewohnt. Seit den letzten Jahren allerdings wohnt niemand mehr drin und es scheint langsam zu verfallen. Es ist von viel Wildwuchs umgeben und ich weiß nicht, ob es mal abgerissen und vielleicht was neues gebaut wird. Auch hier verändert nun mal die Zeit den Ort. Den bayerischen Nationalpark haben wir natürlich auch besucht.

An eine nette Begebenheit denke ich gerne zurück. Wir machten zusammen u.a. auch einen Fahrt nach Spiegelau. Da war einiges los und es marschierte eine ganze Kompanie von einem Verein – ob es ein Schützenverein war, kann ich nicht mehr sagen – auf der Straße. Ich stand mit meiner Tante auf der linken Straßenseite ganz vorne etwas separat und schauten zu. Da sah mich der Kommandant der Truppe und ordnete im Kommandoton an: „Auuuugen links“! Und es wurde sofort Folge geleistet. Am liebsten hätte ich mich hinter meiner Tante Friedl verkrümelt. Aber da sie viel kleiner als ich war, klappte das überhaupt nicht. Meine Leute und auch Herbert auf der anderen Straßenseite haben sich, die das ja mit ansahen, prächtig amüsiert. Später musste ich dann auch darüber lachen. Offenbar musste ich dem Kommandanten ja wohl gefallen haben. Aber so was vergisst man natürlich auch nicht, schon deshalb nicht, weil es immer wieder mal bei den Beteiligten auf den Tisch kam.

Als Herbert und ich die zweite Woche unserer so besonderen Hochzeitsreise allein zu zweit waren, kam es uns beinah zu ruhig vor. Aber als Jungverheiratete ist man sich schließlich auch selbst genug.

Jedenfalls denken wir auch heute noch gerne an unsere lustige Hochzeitsreise in den Bayerischen Wald zurück.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.01.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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