Karin Keutel

Ein unvergesslicher Abend

Ein unvergesslicher Abend

Nach einem arbeitsreichen Tag sitze ich vor dem Fernseher, kein Programm kann heute meine Aufmerksamkeit erringen.

Mir fällt die Decke auf den Kopf, ich bin innerlich so aufgewühlt, vieles geht mir durch den Sinn und wieder einmal

macht mir die Einsamkeit zu schaffen.

Raus aus dem Alltagstrott und unter Menschen sein, das Leben spüren.

In der nahen Großstadt hat vor kurzem ein neues Lokal eröffnet. Vielleicht sollte ich dort mal reinschauen, aber allein?

Spontan rufe ich meine Freundin Brigitte an und frage, ob sie Lust hat mitzukommen.

Leider, sagt sie mir, sie sitze in der Badewanne, bei einem Glas Rotwein und verteibe so die trübe Stimmung.

Ein anderes Mal gern.

So beschließe ich, mir allein einen schönen Abend zu machen. Ich ziehe mich an, ein letzter Blick in den Spiegel,

ich bin zufrieden. Nach einer kurzen Fahrt komme ich ans Ziel. Etwas abseits vom Zentrum parke ich mein Auto,

denn ich gehe gern ein paar Schritte zu Fuß.

Sehe mir die Schaufenster an und lasse die Lichter der Großstadt auf mich wirken.

Um diese Zeit ist kaum noch Betrieb, nur wenige Menschen sind noch unterwegs. Mein Herz klopft, aber die

schöne Musik, die leise aus dem Lokal zu hören ist, verlockt mich zum Eintreten.

Ich setze mich gleich an die Bar und bestelle mir einen Drink. Die Bardame sieht mich merkwürdig an, sicher

weil ich allein bin, aber nach einigen Minuten können wir uns ganz gut unterhalten.

Nach dem zweiten Glas und meinen fortgeführten Beobachtungen, steht plötzlich ein großer, gutaussehender

Mann mit verschmitztem Lächeln vor mir und bittet mich zum Tanz. Ich gehe mit ihm, fühle gut in diesem Augenblick.

Als wir dann wieder an der Bar sitzen, erzählt er mir von sich. Er heißt Rolf, ist  Angestellter einer großen Bank,

alles wäre gut, wenn seine Frau sich nicht in den Kopf gesetzt hätte, wieder zu arbeiten.

Die zwei Kinder sind in der Pubertät und machen auch so einigen Stress, da gerät die Ehe leicht ais den Fugen.

 Bei mir läuten die Alarmglocken. Das ist das Letzte was ich jetzt gebrauchen kann.

Nach einer Weile und einen Glas Wein, wünsche ihm alles Gute und verabschiede mich.

Ich muss nach Hause, eine kleine Notlüge. Er sieht mir traurig nach, vielleicht hat er meine Unsicherheit. gespürt.

Die leise Musik klingt hinter mir her.

Die Nachtluft ist kühl und die Sterne funkeln vom Himmel.

Ich atme tief durch und beschließe noch einen keinen Bummel durch die Stadt zu machen.

Viele kleinen Läden locken mit ihren schönen Auslagen, in den Schaufenstern.

Ich habe aber noch ein ganz bestimmtes Ziel.

Es zieht mich wie magisch hin, zu dem kleinen Juweliergeschäft, in der Bachstraße. Dorthin, wo ich viele Male,

mir das kleine goldene Kreuz angesehen habe, dass mich so fasziniert, mit den hellgrünen Peridot Steinen und dem

dunkelgrünen, russischen Chromdiopsid. Ich liebe schöne Schmuckstücke und bald wird das Kreuz mir gehören.

Ganz vertieft bin ich ins Träumen geraten, als plötzlich hinter mir auf der Straße Reifen quietschen.

Ich sehe mich um, zwei Autos geben sich eine Verfolgungsjagd. Entsetzt schaue ich hinterher in Richtung

Marktplatz, da fallen Schüsse, laut schallt es durch die Nacht, Glas splittert.

Ein Auto prallt vor einen Laternenmast und auf der Straße liegt ein Mann. Ist er tot?

Gänsehaut erfasst meinen Körper, ich stehe wie versteinert.

Viele Menschen laufen zu dem Unfallort. Wo kommen die alle her?

Eben war doch fast die ganze Straße noch menschenleer.

Mir wird übel, verflogen ist die gute Stimmung. Ich will nur noch nach Hause, weg von hier.

Ohne zu überlegen sitze ich kurze Zeit später in meinem Auto und fahre über die Landstraße.

Ich will nur noch nach Hause. In meinem Kopf ist ein wüstes Ducheinander. Ich kann das alles nicht fassen.

Müde und bleiern schlafe ich endlich ein.

Als ich am nächsten Morgen aufwache, sind sie wieder da, die Gedanken um die Geschehnisse des Abends.

Ich bin froh, dass heute Samstag ist und ich nicht ins Büro muss. Schnell hole ich mir die Zeitung und

schlage sie hastig auf, um nachzusehen, was es mit der Schießerei und dem eventuellen Toten auf sich hat.

Mit großen Augen starre ich auf den Artikel, sogar ein Bild ist dabei.

Doch da muss ich auch schon schmunzeln und ein Stein fällt mir vom Herzen.

An so etwas hätte ich nicht gedacht.

Ein Filmteam hat einige Szenen für einen neuen Fernsehkrimi in der Stadt gedreht

und der gestrige Abend gehörte dazu.

 

Bild & Text ©Karin Keutel

Die kleine Geschichte ist erfunden, aber das

goldene Kreuz mit dem Chromdiopsid gehört

seit vielen Jahren mir.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.01.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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