lePoete Nelia

Ein ganz neues Leben

Das Leben schlägt manchmal Haken und man landet plötzlich in einer ganz anderen Welt. Ich lebte mit meinem damaligen Mann und den drei Kindern in der Großstadt. Ich selbst bin eine Großstadtpflanze gewesen, zwar mit viel Liebe zur Natur und Tieren aber eben immer gelebt zwischen hohen Häusern und Autolärm. In meinem damaligen Beruf war ich erfolgreich, die Firma lief und eigentlich gab es keinen Grund unzufrieden zu sein wenn da nicht die Tatsache gewesen wäre, das ich mit unserer Wohnungssituation nicht zufrieden war. Wir hatten eine wunderschöne Wohnung und die Kinder kurze Wege zur Schule und Kita, aber ich konnte mich einfach nicht mit dem Gedanken anfreunden das unsere Kinder zwischen Autos, Strassen und Beton aufwachsen sollten. Also beschlossen wir ein Haus auf dem Land zu suchen.
Nach kurzer Zeit fanden wir ein Bauernhaus mit Stallungen und viel Nebengelass auf einem riesigen Grundstück in Alleinlage, am Waldrand, gesäumt von Wiesen und Felder. Wir sanierten, renovierten, ich war Malerin, Maurerin, „Archäologin“ und voll von Ideen. Mein Mann war bereits in seinem Job und ich tobte mich mit den Kindern in unserem Haus aus. Dann zogen wir um und fühlten uns wie im Dauerurlaub.
Die Kinder kamen dann natürlich mit ihren Wünschen nach Hund und Katze, Kaninchen und Meerschweinchen, wie Kinder nun mal sind. Die Möglichkeit war da und ich willigte ein. Immer wieder kreisten meine Gedanken um die Stallungen und ich suchte eine sinnvolle Nutzung dafür. Immer wieder kam die Idee die Gebäude mit Leben zu füllen. Kleine Tiere, nicht zu viel, alles überschaubar. Also wurden als nächstes Hühner angeschafft, es folgten Enten und Gänse.
Ja und dann, dann fuhr eines Tages ein Traktor mit Viehhänger vor. Mein Mann stieg aus, rief mir zu das ich stroh in den Stall einstreuen soll und öffnete den Hänger. Ich fiel fast vom Glauben, aus dem Hänger stieg eine Milchkuh. Wie vom Blitz getroffen stand ich da...eine Kuh, eine richtige Kuh, so gross das ich ihr nicht über den Rücken sehen konnte. Auf den Hof kam ein Auto gerast und gute Freunde stiegen lachend aus. Naja, zum lachen war mir da gerade nicht. Sie brachten das notwendige Futter, stallten das Tier ein und ich bekam meine Anweisungen, Heu geben und Wasser in den Trog füllen. Husch waren die Männer wieder weg. Da stand ich nun, als Innendesignerin mit einer Kuh und hatte, außer das ich wusste das sie Milch gibt überhaupt keine Ahnung. Vorsichtig schob ich ihr das Heu vor die Nase, oh man wie die mich angesehen hat. Mir ging alles mögliche im Kopf rum, ob Kühe beißen, was mach ich wenn sie sich losreißt, sie sieht aus als ob sie mich nicht leiden kann. Jetzt muht sie auch noch so laut, das gefällt ihr bestimmt nicht bei uns, vielleicht will sie aber auch gestreichelt werden und warum hat denn diese Kuh überhaupt kein richtiges Euter. Seltsam, Fragen über Fragen. Todesmutig berührte ich das große Tier mit den Fingern, ganz vorsichtig, man konnte ja nie wissen. Das schien ihr zu gefallen, denn sie schaute mich mit ihren großen Augen friedlich an. Ich setzte mich auf den Rand vom Futtertrog und sprach mit ihr, ich kam mir zwar bischen doof vor, denn wer bitte redet schon mit einer Kuh, aber ihr schien auch das zu gefallen denn plötzlich hatte ich eine große Rinderzunge quer über dem Gesicht und es haute mich vom Trog. Bäääh, ich rappelte mich auf und von der Tür kam ein lautes Lachen, der Tierarzt, mit dem Auftrag mir unsere neue Mitbewohnerin vorzustellen, denn sie hatte ja auch keine Betriebsanleitung mitbekommen. Das Tierchen hatte kein richtiges Euter weil sie noch keine Milch gab, denn erst drei Monate später sollte sie ihr erstes Kälbchen bekommen. Tolle Überraschung und ich musste melken lernen. Ich ging zu einem Bauern in die „Lehre“. Lernte alles was ich wissen und können musste über Tiere, Ackerbau, Gemüse und Obstanbau und war mit meiner Familie glücklich. Ich schwebte zwischen meiner Firma und den immer grösser werdenden Minibauerhof. Zu guter Letzt lebten bei uns 120 Hühner, 50 Enten und Gänse, 7 Schweine, 2 Milchkühe, 2 Mastbullen, Liebhaberschafe einschließlich Schafbock Herbert und 12 Streichelziegen, 8 Kaninchen und Meerschweinchen. Dazu drei Hunde und vier Katzen, ein Reitpferd und Esel Ali. Ein Teil der Tiere waren bei uns um ihre letzten Jahre behütet zu leben.

13 Jahre gab es unseren Minibauerhof und dann begann eine neues Kapitel in meinem Leben, wieder in der Großstadt, mit Studium in Sozialwissenschaft, erwachsenen Kindern und einem anderen Ehemann. Ob ich es heute auch so machen würde ? Ja, aber mit anderem Wissen und Erfahrung, ob dann aber noch dieser Spaß dabei wäre ?

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