lePoete Nelia

Emma und Michi

Es war Sommer, Emma war vier Jahre alt und kam in den Kindergarten. Trotz ihres schweren Asthmas war sie ein fröhliches und sehr lebhaftes Kind, mit vielen Ideen in ihrem kleinen Köpfchen. Sie war der Hauptgrund das ich mit meinem Mann und den drei Kindern von der Stadt aufs Land gezogen bin. Wir bezogen ein großes altes Bauernhaus auf einem Hof in Alleinlage, 2 Kilometer vom eigentlichen Dorf entfernt, zwischen Wäldern, Wiesen und Feldern. Unser Nesthäkchen war gerademal ein Jahr alt als wir unser neues Anwesen bezogen. Seit Emma auf der Welt war hatte ich eine Auszeit von meinem Job da sie durch ihre Erkrankung meine ganze Aufmerksamkeit brauchte. Sie war die Jüngste und ihre beiden Geschwister waren einige Jahre älter. Sie beschäftigten sich zwar viel mit der kleinen Schwester, aber gleichaltrige Kinder konnten sie natürlich nicht ersetzen. Also beschloss die Familie, das Emma in einen Kindergarten gehen sollte, damit sie soziale Kontakte mit gleichaltrigen aufbauen kann und lernt in der Gemeinschaft zu leben.

Die tägliche Medikamentengabe musste auch im Kindergarten erfolgen und Emma wusste damit sehr gut Bescheid. Sie wurde in der Gruppe gut aufgenommen und kam sofort mit den anderen Kindern klar. Besonders ein Junge hat sich sofort um sie gekümmert und war rührend besorgt darum das es ihr gut geht. Sie saßen bei den Mahlzeiten nebeneinander, ihre Schlafliegen standen zusammen, bei den Spaziergängen gingen sie Hand in Hand. Mit einem Wort, unzertrennlich.

Emmas liebstes Thema zu hause war Michael, ihre allererste große Liebe. An manchen Tagen hielten sich ihre großen Geschwister schon die Ohren zu, sie mochten es nicht mehr hören. Michi hier, Michi da und wenn Michi mal einen Tag nicht im Kindergarten war, drohte die Welt von Emma zusammen zu brechen.

Es war an einem Freitagabend und wie jeden Abend gegen 22 Uhr, schaute ich in die Zimmer der Kinder damit ich wusste das alles in Ordnung war. Emmas Zimmer lag unten, gegenüber des Wohnzimmers und neben unserem Schlafzimmer, damit wir immer schnell bei ihr sein können wenn sie ein Asthmaanfall hat. Ich öffnete die Tür zu ihrem Zimmer und schaute in ihr Bett. Da lag aber nur Teddy, keine Emma. Schnell schaltete ich das Licht an, nichts, kein Kind zu sehen. Wie eine aufgeschreckte Henne die ihr Küken sucht, rannte ich durch die sieben Zimmer, einschließlich Keller und Vorratskammern, in den Schränken, unter den Betten, überall, aber keine Emma zu sehen. Mein Mann und die Geschwister durchsuchten sämtliche Gebäude draußen und den Garten. Wir waren ratlos, es war dunkel und Emma würde nie allein in die Dunkelheit gehen. Alle dachten laut nach und jeder hatte die unmöglichsten Ideen, bis das Zauberwort Michi fiel. Sie wird doch nicht …?
Plötzlich fiel uns auf, das ihre Jacke und ihre Schuhe fehlten, daran hatten wir vorher in der Aufregung nicht gedacht. Mein Mann und ich rannten zum Auto, sprangen rein und fuhren los. Langsam fuhr ich die Straße lang und unsere Augen suchten den Waldrand ab, immer in der Hoffnung das ein kleines blondes Mädchen zu sehen ist. Es waren immerhin 2 Kilometer, die diese kurzen Beinchen laufen müssten bis sie im Dorf sind.
Nichts, nirgendwo ein Kind zu sehen, es war überhaupt niemand zu sehen, das Dorf war bereits im Tiefschlaf, denn es war mittlerweile 23 Uhr. Unsere Suche führte uns zu dem Haus in dem Michi wohnte, unsere einzige Hoffnung die wir hatten. Das Haus lag in völliger Dunkelheit und wir hielten es für unmöglich das Emma dort ist. Wir schauten uns leise auf dem Hof um und hofften das nirgendwo eine wachsamer Hund rumläuft. Alles still, keine Bewegung, nichts. Beim verlassen des Grundstücks fiel uns ein kleines Gebäude auf dessen Tür ein Stückchen geöffnet war. Eine innere Stimme redete mit mir und ich schaute in das kleine Häuschen. Es war eine Waschküche, in der noch ein großer alter Waschzuber stand und hinter dem Zuber schaute ein mir bekannter Jackenärmel vor. Auf Zehenspitzen schlich ich mich dort hin und da lag sie, eingerollt wie ein Igelchen, im Schlafanzug und Jacke falsch geknöpft, ihr Püppchen Penni im Arm und schlief auf einer Decke die nicht wirklich sauber aussah. Mehr konnte ich in dem dunklen Raum nicht sehen denn es fiel nur ein Lichtstrahl der Hofbeleuchtung rein, also sah ich auch nicht das noch jemand dort war.
Erst als ich Emma hoch nehmen wollte hörte ich ihn, den großen schwarzen Hund Marke Irgendwas. Leise knurrte er und zeigte mir sein wunderschönes strahlend weißes Gebiss. Schnell hatte ich begriffen, anschauen ja, anfassen nein. Leise rief ich Emma, doch Emma schlief so fest, sie merkte nichts, sie hörte nichts. Rückwärts ging ich zur Tür, denn draußen saß mein Mann und wartete im Auto. Ich brauchte Verstärkung, also holte ich ihn und er beschäftigte sich mit dem tollen Gebiss + Hund. Immer wieder knurrte das Flohtaxi wenn wir auch nur einen Schritt auf unser Kind zu gingen. Immer und immer wieder versuchten wir es und plötzlich merkte der aufmerksame Hund wohl das wir nichts böses wollen und hörte auf uns die Zähne zu zeigen. Mein Mann lenkte ihn ab, ich nahm schnell das schlafende Kind hoch und wir liefen so schnell wir konnten zum Auto. Kind auf den Rücksitz, angeschnallt und nichts wie los, wir fühlten uns wie Einbrecher und waren froh als wir endlich das Abenteuer zu hause beenden konnten.
Als wir unsere kleine Nachteule aus dem Auto trugen flüsterte sie leise „Michi komm morgen in den Kindergarten“. Da war uns klar warum sie diesen Ausflug unternommen hatte. Ihr Freund Michi war den Tag nicht im Kindergarten und Emma hatte ihn einfach ganz doll vermisst. Schimpfen konnten wir mit der kleinen Nachtwandlerin nicht, nur ihr sagen das sie uns Bescheid geben soll wenn sie Michi besuchen möchte.

Liebe ist doch schön und so eine Kinderliebe ist noch so unbeschwert und ehrlich.
Schade das es nicht immer so bleibt.

©le poète Nelia

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.01.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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