Heinz Werner

Corona hautnah

Plötzlich waren wir mittendrin – in einer Pandemie, wie wir sie bisher nicht
kannten und uns nicht vorstellen konnten. Corona veränderte nicht nur unsere
Gewohnheiten , sondern weitgehend unser Leben. Wirtschaftliche Auswirkungen
waren enorm (Rückgang des BIP 2020 um 4,9% ), unterbrochene Lieferketten, eine
Jahrhundertkrise lt. IMF. Es kam zu einem Boom des Onlinehandels und zu
existentiellen Krisen im stationären Handel. Verwaltungen, Schulen und viele
Unternehmen wurden zu vermehrter Digitalisierung gezwungen. Arbeitswelten wurden
auf den Kopf gestellt, Homeoffice war der neue Arbeitsplatz.Vor allem aber
war/ist es eine medizinische Katastrophe epochalen Ausmaßes. Covid 19 wirkte als
Ungleichverstärker (zwischen arm und reich) und Entsolidarisierungstreiber.
Inkonsistente Lockdown-Regeln, Managementfehler und eine überforderte Verwaltung
verstärken ohnehin bestehende Vertrauensverluste. Sich laufend ändernde und
nicht mehr zu überblickende Vorschriften sorgen für Mangel an Glaubwürdigkeit.
Geschlossene Grenzen und erhebliche Bewegungseinschränkungen wirkten als
Mobilitätsbreme, spalteten die Gesellschaft und frustrierten alle. Darunter litt
ich am stärksten. Immer wenn ich eins der seltenen Flugzeug am Himmel sah,
wünschte ich, dort oben dabei zu sein. Kontakte drohten verloren zu gehen,
Freunde und Bekannte konnte ich nicht besuchen. Schade, denn gerade diese
schreckliche Pandemie verlangte geradezu menschliche Nähe, Gespräche, Zuneigung
und das Gefühl, nicht alleine zu sein.

Ich beobachtete mit Erschrecken, wie wenig leidensfähig wir waren, wie sehr
plötzlich Rechte beansprucht wurden, für die die größten Schreihälse bisher
nichts getan hatten. Wenn sie Freiheit brüllten, meinten sie immer nur ihre
eigene, nie die der Anderen. Verantwortung, Rücksicht und Gemeinwohl waren und
sind für eine Minderheit Verführter, Verblendeter oder schlicht Unbedarfter
Fremdwörter. Keine Behauptung ist dumm genug, um nicht akzeptiert zu werden. Ein
Armutszeugnis und angstmachend, da es offensichtlich nicht mehr um Corona geht,
sondern um gewaltsame Systemveränderung.
Ich beobachtete aber auch, dass die Pandemie in vielen Mitbürgern das Gute,
echte Menschlichkeit und ungeahnte Solidarität hervorbrachte. Kreativität,
Empathie und Hilfsbereitschaft waren allgegenwärtig. Fremde boten Hilfe an,
Jugendliche gingen für ältere Mitbürger einkaufen – man war einfach da, half, wo
es nötig war. Großartig und Grund zur Hoffnung – wir werden es schaffen und in
Notlagen zusammenstehen (wenn es auch manchmal nicht so scheint)
Esta es la luz – dies ist das Licht.

Jetzt, im Nov. 2021 ist das Licht wieder weg. Wir dachten, wir hätten es
geschafft. Aber nein, das Virus ist noch da und infiziert mehr Menschen als je
zuvor. Es scheint, als hätten wir nichts gelernt – wir sind wieder mittendrin.
Es ist sogar schlimmer als zuvor, wir haben tatsächlich nichts gelernt.
Unglaublich, wie die maßgebenden Akteure, allen voran alle unsere Politiker,
vorhersehbare Maßnahmen unterließen und das Ganze so an die Wand fahren konnten.

Heinz Werner

Beitrag zur Anthologie 2022 „Als Covid 19 in unser Leben trat“ der Frankfurter
Verlagsgruppe.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.01.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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