lePoete Nelia

Verlorene Zeit

Seit fast drei Jahren sind diese Gedanken und Gefühle da und ich kann sie nicht wirklich einordnen. Sie quälen mich und ich finde keine Antwort.

Sie beginnen mit dem woran ich mich erinnern kann.

Meine Freunde besuchten mich und wir wollten einen gemeinsamen, lustigen Nachmittag miteinander verbringen und abends zusammen kochen. Wir lachten und alberten rum, ich deckte nebenbei den Tisch, als ich plötzlich keine Luft mehr bekam, mir wurde schwarz vor Augen und dann nur noch ein wahnsinniger Schmerz als ob das Herz explodierte.

Stille.

Über mir war eine graue dicke Masse, sie senkte sich über meinen Körper und hüllte mich ein, es war nur Stille, nichts war um mich. Leises rascheln in der Masse, klappern, zischen, ich wurde berührt.

Stille, Dämmerlicht, dort hinein eine leise Stimme, ich wollte rufen, ich wollte mich bewegen, ich fühlte mich verloren. Meine Augen konnten sich nicht öffnen und lange war um mich nur ein seltsames Rauschen zu hören, die graue Masse wurde dunkler, sie wurde schwerer und mir war kalt.

Stille. Lange Stille, immer wieder wollte ich rufen, mich bewegen, Tränen rollten über mein Gesicht. Wieder sprach jemand, ich kannte die Stimme, sie sprach mit mir, ich wollte schreien, wieder konnte ich es nicht. Schweigen und die Masse wurde immer schwerer auf meinem Körper, ich konnte nicht atmen. Aus der Masse drang ein Geräusch als ob jemand neben mir atmet, Hände berührten meinen Körper, meine Beine wurden bewegt, meine Arme festgehalten, ich spürte einen heftigen Stich, eine beruhigende Stimme und dann wieder nur diese unheimliche Stille nur unterbrochen von dem Rauschen.

In meinem Kopf hämmerte es immer und immer wieder. Nur dieser eine Satz „Helft mir, ich will zurück“

Niemand schien da zu sein, ich war gefangen in dieser immer schwerer werdenden Masse. Sie verhinderte das ich mich bewegen konnte, sie floss langsam in meinem Körper. Die Angst wurde immer grösser, warum wurde ich allein gelassen. Warum diese Stille. Schrie ich ? Weinte ich ? Rief ich um Hilfe ? Helft mir, ich will aufstehen. Auf meinem Gesicht spürte ich ein bekanntes Gefühl, es war warm, es war feucht, es fühlte sich schön an und dann war es auch schon wieder fort und nur ein Flüstern blieb, ich verstand die Worte nicht. Meine Hand wurde festgehalten und bis auf leise Worte war nichts zu hören. Ich kannte die Stimme, ich konnte mich nicht erinnern, ich hörte und wußte nicht was. Jeden Moment drohte die dicke Masse mich zu ersticken.

Ich will da raus !

Ich will hören !

Ich will sehen !

Ich will reden !

Ich will zurück !

Ich will wieder da sein !

Die Masse um mich wurde heller, ich hörte aufgeregte Stimmen, sie wurden lauter, sie riefen, Schritte die es eilig hatten. Alles war anders, die Masse ließ mich los. Hände streichelten über mein Gesicht, ich konnte Worte hören, verstand sie aber nicht. Langsam wurde ich bewegt und ich hatte noch immer eine furchtbare Angst. Was passierte? Die Stimmen wurden leiser, es wurde ruhiger um mich, wieder rollten Tränen über mein Gesicht. Noch immer war diese unheimliche Masse über mir, nicht mehr so dick und heller, aber sie war noch da. Es klappert irgendwo, mein Arm schmerzte und ich wollte ihn bewegen, es ging nicht.

Ganz bewußt spürte ich plötzlich das ich zitterte und in meinem Hals schmerzte es, ich musste husten. Plötzlich wurde es hell und laut um mich rum und ich sah fremde Gesichter über mir. Panik machte sich breit und ich schrie und schrie, wie ich wohl noch nie in meinem Leben geschrien hatte, ich war so in meiner Angst gefangen das ich nur mit Medikamenten wieder beruhigt werden konnte.

Wieviel Stunden ich geschlafen hatte, ich weiß es nicht. Als ich aufwachte hatte ich jedes Zeitgefühl verloren. Mein Mann saß an meinem Bett und sah übernächtigt aus, an der Tür stand mein allerbester Freund mit Tränen in den Augen und ich, ich fühlte nichts, nur eine unheimliche Leere und im Kopf Chaos. Als ich reden wollte konnte ich die Worte nicht finden, im Kopf waren sie, nur raus konnten sie nicht und zum ersten Mal nahm ich wahr an wieviel Maschinen ich angeschlossen war und in dem Moment hörte ich die Geräusche der letzten Stunden. Wieder kam Panik hoch und ich wußte nicht wirklich warum. Es waren doch nur ein paar Stunden gewesen, in denen es mir nicht gut ging.

Doch wie sehr ich mich irrte wurde mir dann vorsichtig von einem der vielen Ärzte erklärt. Es waren keine Stunden, es waren keine Tage, es waren fünf Wochen die ich in einer anderen Welt war, ich lag auf der Komastation. Mein Herz hatte aufgegeben, meine Organe drohten zu versagen und ich war einmal auf der anderen Seite. Nur gefallen hatte es mir dort nicht und ich habe es zurück geschafft. Es war schwer, ich musste kämpfen und ich kämpfe heute noch und ich habe gelernt das, das Leben endlich ist. Kein Tag davon sollte verschwendet werden, sondern eingesetzt werden, für alles das was wichtig und gut ist, für das was Spaß macht und auch den Blick nach links und rechts offen lassen.

Ich bin wieder zurück und ich musste lernen ein anderes Leben zu führen, mit einer minimalen Herzleistung, hoffen das es vielleicht ein anderes für mich gibt und trotzdem keinen Tag ohne Lachen zu beenden. Es gibt immer etwas um leben zu wollen und genau das suche ich jeden Tag.

Die Wochen im Nichts habe ich geschafft und ich denke darüber nur nach wenn diese Gedanken kommen, von denen ich nicht genau weiß wieviel davon Einbildung, Erlebtes oder einfach nur eine Mischung aus allem ist. Wie oft dieser Gedanke oder diese Erinnerung auch auftaucht er ist immer unverändert und er macht mir jedesmal eine Gänsehaut.

©le poète Nelia

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (lePoete Nelia).
Der Beitrag wurde von lePoete Nelia auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.01.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  • Autorensteckbrief
  • neliasstoriesgmx.de (Spam-Schutz - Bitte eMail-Adresse per Hand eintippen!)

  lePoete Nelia als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Die Gereimtheiten des ganz normalen Lebens von Petra Mönter



Ein kleiner Kurzurlaub vom Ernst des Lebens.

Petra Mönter's Gedichte beschreiben das Leben - auf humorvolle Art und Weise. Herzerfrischend und mit dem Sinn für Pointen. Es ist es ein Genuss Ihre Gedichte, welche alle mit schönen Zeichnungen unterlegt sind, zu lesen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Wahre Geschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von lePoete Nelia

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Therapie von lePoete Nelia (Romantisches)
eine sehr kurze Geschichte...autobiographisch von Rüdiger Nazar (Wahre Geschichten)
Im Irrenhaus von Margit Kvarda (Humor)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen