Christa Astl

So a Lederhosn

 

 

In früherer Zeit, auch noch in meiner Generation, war die Lederhose  d a s  Kleidungsstück für Buben. Anfangs wohl groß genug gekauft, oder schon vom größeren Bruder oder noch weiter her übernommen, hielt sie auch noch einen Buben aus. Je abgewetzter, speckiger sie war, umso lieber trug man sie. Wohlgemerkt, natürlich nur die Buben. Erst viel später kamen auch Lederhosen für Mädchen, besonders für Urlauberkinder, in Mode, mit Herztaschen, Herzchen auch am Latz und an den Trägern. Rot eingefasst, während die Ränder echten Bubenhosen grün, grau oder braun waren. Meist war von Farbe ohnehin nicht mehr viel zu sehen. Gewaschen wurden diese Kleidungsstücke ja nicht, sie wurden abgewetzt und dadurch poliert, wenn Buben auf Bäume kletterten, einen Grashang, oft sogar eine Schotterrinne wie bei uns hinab sausten, natürlich auf dem Hosenboden. Das musste sie aushalten!

Da ich Wert auf Heimatpflege und Trachtenkultur legte, bekamen meine Buben natürlich auch Lederhosen. Der Größere bekam zum dritten Geburtstag eine „teufelhautene“, ein Stoff, den man waschen konnte, und das braucht ein kleiner Bub doch noch hin und wieder. Für den Kleineren fand sich dann irgendwo von irgendwem eine echte Lederne. Für Sonntag, oder für bessere Anlässe, hatten beide eine Kniebundhose. Für den Einen kaufte ich eine dunkelbraune mit hübscher Stickerei, der andere bekam eine dicke Hirschlederhose geschenkt, allerdings noch zum Hineinwachsen. Und die war sein ganzer Stolz. Bei einem Kindertheater (Peter und der Wolf) durfte er sie als „Großvater“ das erste Mal tragen. Dazu eine weiße „Pfoad“ aus echtem selbst gewebten Leinen und einen bereits etwas abgegriffen Hut mit Hahnenfeder. Noch einen Bart aus roher Schafwolle ums Kinn, aus einem gebogenen Ast eine Pfeife mit Watterauch, und fertig war der Großvater. Auch den Gang richtete er danach und betrat gemessenen Schrittes die Bühne. Würdevoll ermahnte er den kleinen Peter, die Gartentür immer geschlossen zu halten.

Für Berti gab es von nun ab keinen Sonntag ohne diese Lederhose. Irgendwann strickte ich ihm dazu auch einen Trachtenjanker. Die Mädchen trugen Dirndlkleider mit weißen Blusen, meist von mir selber genäht. In der Stadt drehten sich die Leute nach den hübschen Pärchen um.

Bertis Lederhose sollte natürlich auch ins Urlaubsgepäck. Es bedurfte vieler Erklärungen meinerseits, ihm dies auszureden. Erstens war es dort, wo wir hin wollten, warm und da war eine Badehose passender, zweitens wäre er dort zu sehr, vielleicht sogar unangenehm aufgefallen und als Exot bestaunt oder auch ausgelacht worden, und drittens brauchte dieses Stück einfach zu viel Platz im ohnehin schon prall gestopften Rucksack. Das letzte Argument zählte. Gegen das Ausgelachtwerden hätte er sein Prachtstück schon mit Fäusten verteidigt!

Doch als wir nach drei erholsamen Wochen wieder nach Hause kamen, führte sein erster Weg ins Kinderzimmer zum Kleiderschrank. Mit der kurzen Lederhose kam er stolz und glücklich herunter: „Jetzt bin i wirklich dahoam!“

 

 

ChA 24.01.2022

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