Francois Loeb

ZAPFEN AB

 

IN MEINER NEUSTEN WOCHENGESCHICHTE WANDERN!
ZAPFEN AB!
„Zapfen ab, Zapfen ab!“, höre ich Rufe als ich durch den dunklen Tannenwald im Neuschnee der diese Nacht reichlich gefallen ist, stapfe. Die Schneekristalle glitzern, erinnern mich an die Märchen die meine Grossmutter mir, auf der Ofenbank sitzend erzählte und ich ihr gebannt zuhörte. Ja, solche Kindheitserinnerungen stellen warmes Leben dar, ich verspüre sie so stark mitten in dieser kalten Schneewelt in der meine jungfräulichen, oder doch eher jungmännlichen Spuren lege. Blicke zurück auf den von mir gestampften zurückgelegten Weg und gleichzeitig denjenigen meines langen Lebenswegs. Bewegt war das im Gegensatz zu den festen Fussstapfen im Schnee die bald verweht sein werden, oder von neuen Schneeflocken eingeebnet. Doch auch mein bewegtes Leben wird demnächst nur noch in toten Köpfen hausen, dort sein Unwesen treiben. Und da wieder diese verstörenden Rufe: „Zapfen ab, Zapfen ab!“, in hellen Tönen durch den Wald gerufen.
Eine Party in der Winterdämmerung? Im eiskalten Schnee. Ein Wintersonnenwendefest nach uraltem heidnischem Brauch? Oder einfach nur eine nach Alkohol zum Wärmen dürstend junge Seele die sich verlassen und einsam fühlt? Gar Waldgeister die mich zu sich rufen, mich vom Heimweg abbringen wollen. ‚Es reitet geschwind, es ist der Vater mit seinem Kind‘, eilt ein Gedanken durch meinen Kopf, entfernt sich rasend schnell, flüchtet aus dem linken Trommelfell, nimmt mit sich, das durch Schnee gedämpfte Hufgetrappel. Schatten huschen vor mir durch. Beginnen eine Quadrille zu tanzen. Rufen mich ihnen zu folgen. Versprechen Wärme. Warme Füsse. Kaminfeuer. Einen heissen Punsch. Glühwein. Kommen von ihnen die Rufe? Wollen sie den Zapfen ab? Den Zapfen meines Lebens? Ich wehre mich dagegen. Heftig. Richte den Blick geradeaus.
Da! Lautes Geprassel. Es regnet Tannzapfen! 'Zapfen ab' ruft jetzt der Chor der Tannen. Reisst mich zu Boden, um im kommenden Frühjahr mit diesen zusammen erneut der spriessenden Fruchtbarkeit, gleich in welcher Form, mich zu widmen, die Rufe ‚Zapfen ab‘ werden dann einzig noch ein dunkler Erinnerungsschatten längst verflossener Lebensjahre sein …!
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Jahre wo seid ihr geblieben
Nach dem Schalten und Walten
Langsam sie erkalten.
Tanzen als Wanzen
Ziehen an den Haaren
Ja einst wir waren
Die wahren Jahre.
Bewandet mit Perücken
Tanzen die verflossen Jahre
Heben ihre Lanzen
Stechen in die
Unvergossen Tränen
Damit diese endlich fliessen.
Herzlichst
François Loeb
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.01.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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