Reiner Mayr

Der gute Rotwein



Der arme bretonische Fischer Simon fährt jeden Tag hinaus auf das Meer,
mit seinem alten Boot fängt er halt gerade so viel, wie es gibt Fische gerade her,
sein Leben verläuft bisher wie die Wellen des Atlantik, mal sanft, mal stürmisch,
aber er verzagt nie, er ist eben ein Bretone und die gehen nie vor etwas auf die Knie.

Das schönste am Tag ist manchmal halt nur, wenn die Sonne auf und untergeht.
aber wenn er seinen Fang verkauft hat, da weiß er, wo er abends geht hin,
zu seinen Fischerfreunden in ihr Lokal, erst da bekommt der Tag seinen Sinn,
da gibt es nämlich eine Baguette, würzigen Käse, Schinken und Oliven dazu
und vor allem einen guten roten Wein und wenn die Fischer dann gehen heim,
singen sie fröhlich, ach lieber Herrgott, lass uns doch noch länger auf dieser Erde sein.

Einmal kam ein älterer Herr in das Lokal, er fragte den Wirt, ist da ein Simon,
ja sagte dieser, ganz da hinten am Stammtisch der Fischer, da sitzt er.
Hallo Simon begrüßte der Herr ihn, kennst du mich noch, ich bin Pierre,
dein alter Schulfreund, möchte dich einmal wiedersehen nach über 40 Jahren.
Na klar, meinte da Simon, erkenn ich dich, ich bin halt arm geblieben und du bist reich,
aber jetzt sag einmal, was willst du von mir, wir sind doch nicht mehr so wie damals gleich.

Ach weiß du Simon, sagte dieser, ich bin zwar sehr reich, aber mich ödet dies alles an,
dieses reiche Getue, diese Schickimickis, mehr sein als schein, das will ich nicht mehr sein,
können wir nicht wieder über alte Zeiten reden, ich lade dich dazu ein.
Ach Pierre meinte dann Simon, kommt doch einmal morgen wieder zu uns her,
trinkst mit uns einen guten roten Wein, dann fällt uns zum Reden schon etwas ein.

Am nächsten Abend also, es blieb nicht bei einem Gläschen, da meinte Pierre,
du Simon, der rote Wein ist aber gut, so eine guten habe ich ja noch nie getrunken,
wo hat der Wirt den denn her? Ja weißt du, alter Freund, eigentlich wundert es mich,
du verkehrst doch wahrscheinlich nur in 5 Sterne Lokalen und wirst dich doch sicherlich
nur an guten Weinen laben. Na ja, lieber Simon, meinte dann Pierre, aber dieser rote Wein, 
hat halt ein bestimmtes Aroma, eine besondere Note und schmeckt halt mir besonders fein.

Na gut, Pierre, ich verrate es dir, du hast halt auch einen guten Geschmack wie wir,
den roten Wein haben wir von einem kleinen Weinbauern, der hat aber nur so viele Reben,
das er für uns gerade das ganze Jahr reicht, aber du siehst ja, er ist für uns ein Segen.
Das Aroma, also diese besondere Note, kommt wahrscheinlich daher, das die salzige
Atlantikluft die Reben umschmeichelt, aber der Hauptgrund wird sein für diesen Bio-Wein,
das die Wildschweine ihre Arbeit tun. Pierre war total perplex, wie soll ich dies verstehn.
Simon sagte aber nur, der Weinbauer legt an seine Reben immer Obst und Gemüse hin,
dann kommen nachts die Wildschweine, lockern mit ihren Rüsseln den Boden auf
und manchmal kommt als Dünger noch etwas dazu von ihnen hinten darauf.

Wer jetzt gemeint hat, Pierre wendet sich ab mit Grausen, der hat sich getäuscht,
Er kaufte sich ein kleines Haus am Hafen, durfte immer öfters mit Simon hinausfahren,
half auch den anderen Fischern mit und fand dadurch endlich das einfache Glück.
Wichtig war jetzt für ihn, bei Kameraden zu sein, nicht nachzulaufen dem goldenen Schein,
abends zusammensitzen, nicht reden intellektuell über den Mammon und das Geld, 
nein, sondern nur über Gott und die Welt, Und wenn dann der Wirt die noch etwas warme 
Baguette bringt, würzigen Käse, Schinken und Oliven dazu und immer nachfüllt den guten
roten Wein, ja dann prosten sich die Fischer zu und beten wieder zum Herrgott,
lass uns noch lange genießen diesen guten roten Wein der wächst so gut an den Bio-Reben
und wir wünschen uns und den Wildschweinen daher noch ein langes, langes Leben!

Copyright Reiner Mayr
Januar 2022
 







 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.01.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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