Norbert Wittke

Treppen gehen

 


Nach meiner Covid 19 Erkrankung muss ich vieles wieder
neu lernen. Ein Therapeut kommt 2 mal  die Woche und
übt mit mir. Dazu massiert er meinen Rücken und die
Schultern, die vom Gehen mit dem Rollator stark bean-
sprucht werden. Auch muss ich wieder lernen Treppen
zu begehen. Wir üben das auch wieder zusammen.
Dabei dachte ich zurück an die Zeit wo ich 8 Jahre
alt war.

Meine Eltern, mein Bruder (war 5 Jahre älter) und ich
waren 1952 im Dezember nach  Baden-Baden umgezogen.
Vorher lebten wir (wohnen konnte man es nicht nennen)
nach der Flucht ab 1946 in einem Dorf namens Rönne
bei Kiel.Wir hatten bei einem Bauern ein Zimmer von
12 m2 für uns vier. Das Zimmer hatte 1 Bett für meine
Eltern und 1 Bett für mich und meinen Bruder. Eine
Hexe (Kleiner Kohleherd) war zum Heizen und Kochen
da. Ein Tisch und vier Stühle war auch da und ein alter
Küchenschrank. Vor der Tür war eine Pumpe mit kaltem
Wasser. Wollten wir einmal die Woche baden, musste das
Wasser erst auf dem Ofen aufgewärmt werden. Über uns
hatte der Bauer seine Kornkammer. Die Mäuse liefen an
den Wänden rauf und runter und im Zimmer natürlich
auch. Mit Mäusfallen versuchten wir das einigermaßen
einzuschränken.Mangels Schrank hatte mein Vater 3 Hosen
auf einem Bügel an der Wand auf einem Nagel aufgehängt.
Diese Hosen waren dann von den Mäusen zerfressen, als
er sie für eine Bewerbung benutzen wollte. Keine Hosen
keine Anstelung in einem Eisenwarengeschäft
Nach 2 Jahren bekamen wir ein größeres Zimmer
von 20 m2. Mein Vater hatte 17 verschiedene Berrufe,
um die Familie ernähren zu können. Nach einem schweren
Unfall wurde er arbeitslos und bekam 40 DM im Monat
Arbeitslosengeld. Davon gingen 10 DM an den Bauer und
rd. 10 DM für Strom ab. In dieser Zeit haben wir keine
Unterstützung bekommen. Die Carepakete rissen sich
reichen Bauern unter den Nagel. Von der Kirche kam
auch keine Hilfe, aber man kam von dort und wollte bei
uns noch Spenden sammeln. Meine Mutter hat sie über den
Hof gejagt..

Dann bekam mein Vater eine Stelle bei der Post als Post-
facharbeiter und wurde nach Baden-Baden einberufen.
Zuvor hatte er dort 10 Monate alleine gewohnt, dann hatte
er sich eine Wohnung besorgt. Wir zogen dann dort hin.
Die Wohnung hatte 3 Zimmer und eine Küche, das Bade-
zimmer teilten wir uns mit einem Mann, der bei den  Franzosen
arbeitete und neben uns ein Einzelzimmer hatte.
Die Wohnung lag im Zweiten Stock. Ich sah solche
Treppen zum ersten  Mal. Wusste nicht wie man sie
begehen konnte. Auf dem Dorf gab es keine Treppen
zum üben. So hatte ich Angst und bin auf allen Vieren
hinauf gekrochen
Heute bin ich wieder auf diesem Stand und komme
allein keine Treppe hinauf oder herunter.


Norbert Wittke
 

 

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