Nicole Habegger

Mexico, ein Land zum Verlieben

Es war Freitagabend, am nächsten Morgen würde mein
Flugzeug ins Paradies fliegen. Ich war nervös, denn seit
einem halben Jahr hatte ich meine grosse Ferienliebe
Levin nicht mehr gesehen. Wir hatten eine
unvergesslich schöne Zeit zusammen und ich malte mir
schon seit langem aus, wie schön es wieder werden
könnte.
Als ich aus der Boeing 747 stieg, knallte mir die
tropische Hitze ins Gesicht. In wenigen Minuten würde
ich ihn wiedersehen. Ich nahm ein Taxi und liess mich
durch Mexico City zum Hotel bringen. Als ich in die, mit
Blumen geschmückte Hotellobby trat, wurden meine
Hände feucht und die Knie fingen an zu zittern. Da sah
ich ihn, braun gebrannt, mit seinen himmelblauen
Augen und dem gut trainierten Body. Er schenkte mir ein
flüchtiges Lächeln und bat mich, mich zu setzen. Der
Glanz in seinen sonst strahlenden Augen war
verschwunden. Sein Blick wirkte nachdenklich, nicht so
verspielt wie noch vor einem halben Jahr. Was war
geschehen? "Esmeralda, heisst sie.", sagte er plötzlich
und starrte zu Boden. "Sie erwartet ein Kind von mir, wir
werden zusammenziehen." Nun wurde mir übel. Diese
Worte trafen mich wie ein Stich, mitten in mein Herz. Er
hatte eine andere, dieses Schwein. Dies war zuviel für
mich! Obwohl sich meine Beine wie Wackelpudding
anfühlten, stand ich auf und fing an zu laufen. Während
ich lief, stiegen mir langsam Tränen in die Augen.
Wieso habe ich nur daran geglaubt, es könnte wieder
so schön werden? Alle meine Träume und Erwartungen
waren geplatzt, einfach so, von einem Moment auf den
anderen.

Meine Beine trugen mich so weit sie konnten. Als ich
den nächsten klaren Gedanken fassen konnte, befand
ich mich am Strand. Es schien mir als wäre ich die
Einzige unter vielen tausend Menschen, die unglücklich
war. Was sollte ich jetzt tun? Der Mann, den ich liebte,
wurde mir weggenommen und mir blieben zwei viel zu
lange Wochen, alleine in Mexiko. Ich setzte mich auf
eine Bank an der Küste. Ich weiss nicht, wie lang ich da
sass und einfach über mein Leben nachdachte. Mir
schossen tausend Gedanken und Fragen durch Kopf.
Wieso habe ich mich nur darauf eingelassen, alleine
nach Mexiko zu gehen? Wieso bin ich nicht zusammen
mit meiner Freundin Larissa hierher gekommen? Das
hatte ich jetzt davon! Mein Bedürfnis mit jemandem zu
sprechen wurde immer grösser. Die einzige Person, die
mich in einer solchen Situation wohl verstehen könnte,
war Larissa. Kurzerhand entschloss ich mich die
nächste Telephonkabine aufzusuchen und sie
anzurufen. Das Suchen dieser Kabine gestaltete sich
jedoch schwieriger, als ich anfangs gedacht hatte. Als
ich endlich die gesuchte Kabine gefunden hatte, war sie
auch noch besetzt! Ein wild gestikulierender, doch von
hinten ganz gut aussehender Mexikaner telefonierte. Ich
wartete einige Minuten, bis ich ungeduldig anfing gegen
die Türe zu hämmern. Überrascht, drehte sich der
schwarzhaarige Latino um und gab mir ein
Handzeichen, dass es nicht mehr so lange dauern
würde. Mindestens eine halbe Stunde später öffnete er
die Türe. Ich entschuldigte mich etwas beschämt, dass
ich so ungeduldig war. Doch er lächelte nur und lud
mich überraschenderweise auf ein Eis ein. Für einen
Moment vergass ich meine missliche Lage. Wir redeten
sehr lange und ausführlich über Gott und die Welt. Es
war so, als hätten wir uns schon lange gekannt. Die Zeit
verging wie im Flug. Doch so gegen Mitternacht,
trennten sich unsere Wege wieder und ich lief zurück in
mein Hotel.
Auf dem Weg zurück, fühlte ich mich wieder ein wenig
besser. Doch die Gedanken in meinem Kopf schwirrten
immer noch wie wild umher.

Mein letzter Gedanke bevor ich einschlief, waren die
Augen von Cristian Javier. Am liebsten hätte ich mich in
seinen starken Armen gewiegt und mit ihm die Sterne
bewundert. An Levin verschwendete ich keinen
Gedanken mehr. Kurz bevor ich einschlief, piepste noch
mein Mobiltelefon. Eine spanische Nachricht erreichte
mich. Überglücklich antwortete ich und wünschte
Cristian Jaiver ebenfalls eine gute Nacht.

Die nächsten zwei Wochen gingen vorbei wie im Flug.
Jeden Tag traf ich mich mit Cristian Javier, er zeigte mir
viele Sehenwürdigkeiten und wir unterhielten uns lange
und ausgiebig über meine Beziehung zu Levin. Mit ihm
konnte ich meine Sorgen und Ängste besprechen und
er hörte mir einfach zu. Am Ende der Ferien hatte ich
Levin und Esmeralda schon beinahe vergessen.
Cristian Javier begleitete mich zum Flughafen, zum
Abschied schenkte er mir ein gelb-orange Dahlie als
Zeichen der Freundschaft. Ob es für ihn wirklich nur
Freundschaft war? Ich war mir nicht ganz sicher, aber
ich wusste mit einer grossen Gewissheit, dass er für
mich mehr als nur ein guter Freund war. Ich konnte nicht
sagen, was ich genau für ihn empfand, aber ich wusste,
dass ich ihn nicht einfach vergessen könnte. Ob ich ihn
wohl jemals wiedersehen würde?


Kommentar:

Geschrieben von Veronica Nunez, Nicole Habegger und Nicole Schirmer

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.10.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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