Angelika Güth

Serafins Ausbildung zum Schutzengel, Ein Märchen ?

Serafin und sein Lehrer Uriel sitzen auf einer wunderschönen golden schimmernden Wolke und schauen auf die Welt des 21. Jahrhunderts.

Serafin wippt aufgeregt auf der Wolke hin und her und sieht erstaunt, dass alles so ganz anders aussieht als in anderen Jahrhunderten. Aber dann stellt er seinen neu erworbenen Zoom ein, und sieht das 17. und 21. Jahrhundert nebeneinander. Aber nicht nur das ! „Uriel“, stuppst er seinen Lehrer an, „das verschiebt sich ja alles ineinander und entsteht immer wieder neu.“ „Genau“, sagt Uriel, „das hast du gut erkannt. Es gibt keine Jahrhunderte, nacheinander, das denken nur die Menschen. In Wirklichkeit sind alle Jahrhunderte simultan. Aber das können sich die Menschen nicht so gut vorstellen, und deshalb denken sie, dass alle Jahrhunderte nacheinander sind, verstehst du ?“ Oh Gott, ist das schwer.“ Serafin stöhnte. „Serafin“, Uriel drohte liebevoll mit dem Zeigefinger, „lass Gott aus dem Spiel, wie oft soll ich dir das noch sagen“. „OK, sagt Serafin, „aber dann muss ich ja Elfriede, für die ich Schutzengel werden soll, in all den Jahrhunderten schützen, in denen sie gerade gleichzeitig lebt“.

„Genau“, sagt Uriel, „das ist jetzt deine neue Lektion. Du musst also darauf achten, dass Elfriede im 21. Jahrhundert gerade geboren wird und im 17. Jahrhundert eine Mutter mit drei Kindern ist, die sich und ihre Kinder mehr schlecht als recht ernähren kann. Also zwei verschiedene Leben in unterschiedlichen Jahrhunderten“. Serafin sieht seinen Lehrer unsicher an. „Ach komm Serafin, das ist doch nicht so schwer. Ich habe dir extra Elfriede ausgesucht, die gerade nur 2 Leben lebt.“

Da Serafin in seiner Ausbildung zum Schutzengel inzwischen auch gelernt hat, sich in andere Gestalten zu verwandeln, zeigt er sich jetzt als kleiner Junge. Seine blauen Augen werden immer blauer und immer grösser und seine dunklen Haare sind auf einmal goldblond und locken sich um sein neu entstandenes Kindergesicht. Er hat einen Finger in seinen Mund geschoben und schaut Uriel bittend an. Uriel lacht, schüttelt langsam den Kopf und nimmt die Gestalt eines weißhaarigen Lehrers an, mit langem Bart und gütigen Augen.

„Gut verwandelt, Serafin, du hast viel gelernt in der letzten Zeit und siehst wirklich ganz hilflos aus. Aber das macht mir in Augenblick keinen Eindruck. Ich weiß, du schaffst das mit Elfriedes zwei Leben in verschiedenen Jahrhunderten.

Und vergiss nicht, ich bin in deiner Nähe und helfe, wenn es nötig ist.“ Ehe Serafin sich versah, war Uriel verschwunden. Nur ein golden schimmernder Sternenschweif war noch in den Wolken zu sehen.

Serafin zuckte die Achseln und verwandelte sich wieder in seine Schutzengel-Serafin-Gestalt, setzte sich auf seiner Wolke in eine günstige Position und überlegte die nächsten Schritte. Genau, er musste erst seinen Zoom einstellen, vergrößern und beide Leben nebeneinander sehen.

Und schon wurde seine Hilfe dringend gebraucht. Elfriede im 21. Jahrhundert wurde gerade geboren und hatte es ziemlich schwer, durch den engen Geburtskanal zu kommen. Außerdem war sie mit einer Schulter stecken geblieben. „Hei, was ist denn das für eine Scheiße, ich krieg ja kaum noch Luft“. Serafin lächelte, als er Elfriedes Gedanken hörte. Typisch Elfriede, immer noch die alte Revoluzzer-Seele. „Ich bin ja schon da, Elfriede, keine Sorge“, sagte er in ihren Kopf hinein. Auch Elfriedes Mutter war mit ihren Kräften ziemlich am Ende. Serafin sah alles.

Elfriede hatte bestimmt, dass sie zusätzlich auch im 21. Jahrhundert geboren werden wollte, weil in ihrem Leben im 17. Jahrhundert der drei0jährige Krieg tobte und drei ihrer Kinder gestorben waren. Inzwischen hatte sie aber Panik, ob alles gut werden würde, und die Enge im Geburtskanal war auch kaum noch auszuhalten.

„Jetzt tu endlich was, Serafin“, schickte sie die Worte als Gedanken, denn ihre, für dieses Leben gewählte Mutter musste ebenfalls am Leben bleiben. Serafin zögerte nicht einen Augenblick und schickte dem Arzt gedanklich den Befehl, sofort eine Geburtszange vorzubereiten und anzubringen. Der Mutter schickte er in eine kurze Traummeditation, damit sie sich wieder erholen konnte. Alles klappte wie am Schnürchen. Elfriede wurde gerade ohne Probleme aus dem Geburtskanal gezogen und ihre Mutter sah zum ersten Mal lächelnd ihre krebsrote, schreiende kleine Tochter. Elfriedes Seele schickt Serafin ein DANKE und dehnte ihr Bewusstsein immer weiter aus, bis es die Erde, die Luft, das Meer, die Berge und all die neuen Energien erreichte.

Uriel schimmerte kurz in den Wolken vor Serafin auf „Super Serafin, ich wusste doch, dass du das richtig machst“ Serafin freute sich. Einmal mehr wurde ihm klar, wie wichtig seine Schutzengel-Funktion war. Und schon fühlte er, wie er von der anderen Elfriede-Persönlichkeit im 17. Jahrhundert angezogen wurde. Er veränderte seinen Fokus, wie er es bei Uriel gelernt hatte und erschrak.

Auf der Erde des 17. Jahrhunderts sah er rauchende Trümmer, wohin er blickte. Söldnertruppen ermordeten Bauern, hungernd, blindwütend auf den seit drei0 Jahren andauernden Krieg. Er sah verwilderte Reiter und Landsknechte zu Fuß, schwitzend, fluchend, in pludrigen Landsknechthosen und Federhüten. Am Gürtel hingen Pulverflaschen, Kugelbeutel und Dolche. Im einem gerade ankommenden Heereszug knarrten schwere Wagen, beladen mit Pulverfässern, Beutegut und Kanonen. Staubwolken bedeckten alles.

Ohnmächtig sahen die Bauern mit an, wie ihr Vieh davongetrieben wurde. Die Bäuerinnen und ihre Kinder leisteten Schwerstarbeit, um zu überleben.

Putzen, Kochen, Spinnen, Feuer machen, Gemüsegarten versorgen, Getreide einbringen und vieles mehr waren ihre Arbeiten. Die Frauen trieben mit letzter Kraft die die Ochsen für die Feldarbeit an.

Kurz blitzte Elfriede mit den drei Kindern in ihrer Holzkate vor ihm auf. Serafin war schockiert von all dem Furchbaren, das er von seiner Wolke aus sah. Entsetzt, was Menschen sich antun können, wollte er schon seinen Zoom wieder in das 21. Jahrhundert richten, als er Uriels donnernde Stimme von irgendwoher hörte.

„Serafin, das geht nicht. Du hast auch hier eine Aufgabe. Du musst jetzt im 17. Jahrhundert bleiben. Schau genau hin. Da ist Elfriede als Bäuerin mit ihren Kindern. Gerade ist ihr die letzte Kuh verhungert und ihre älteste Tochter hat hohes Fieber. Drei Kinder sind an der Ruhr gestorben, und drei Kinder hat sie noch. Und noch etwas Serafin: Dass sie in diesen Leben kein weiteres ihrer Kinder verlieren wird, hat ihre Seele aus Angst und Sorge vergessen. Ihre Seele hat auch vergessen, dass dieser Krieg eine Prüfung ist, die sie selbst gewählt hat und dass sie mit ihren Kindern in anderen Zukünften bessere Zeiten erleben wird Aber jetzt hat sie keinen Mut mehr. Und auch an uns Schutzengel glaubt sie schon lange nicht mehr. Sie hat nur Angst, Angst, dass es sie alle mit Typhus erwischt. Ich weiß, du wirst schon die richtigen Hilfen für sie finden, ich bin in deiner Nähe“.

Ein wunderschöner, rötlich schimmernder Stern erschien vor Serafins Auge und gab ihm Sicherheit. „Danke Uriel, ich werde mein Bestes geben“. Er gab sich einen himmlischen Schubs, so, wie er es bei Uriel gelernt hatte, und schon stand er in der ärmlichen Kate hinter dem Bett von Elfriedes krankem Kind. Ein kurzer Blick in die traurigen Augen Elfriedes, die ängstlichen Augen der Kinder, und schon aktivierte sich in ihm die Energie, die wirklich göttlich war und hüllte alle ein.

Elfriede spürte etwas von der neuen samtigen Geborgenheit im Raum. Das gab ihr irgendwie Mut. „Vielleicht wird ja doch alles gut“, dachte sie. Dann stand sie von Stuhl auf und holte Wasser und Lappen für ihr fieberndes Kind. Serafin war glücklich, dass ihm diese kleine Energieübertragung gelungen war. Er sprang kurz in Elfriedes Gedanken und sagte ihr, dass das Kind nicht sterben würde. Elfriede seufzte und er wusste, sie hatte seine Worte in ihrem Kopf gehört. Gerade wollte sich Serafin kurz ausruhen, als er plötzlich aus irgendeiner Nähe oder Ferne Uriels Stimme hörte. „Serafin, vergiss das kranke Mädchen nicht, gib dein Bestes“. „Ja, ja“, rief er in Gedanken zurück, „ich weiß schon was hier nötig ist“. Wieder erschien kurz der rötlich schimmernde Stern vor Serafins Augen, und Serafin fühlte sich jetzt wieder ganz bei sich.

Auf einem Bettpfosten sitzend schaute er auf das kranke Mädchen. Er entschied, sie sollte ihn sehen, wenn sie die Augen öffnete, und sie sollte ihn als Engel sehen, so, wie sich die Menschen Engel vorstellten. Er überlegte noch kurz, dann imaginierte er einen silbern schimmernden, sternenbestickten langen Umhang und aktivierte besonders große schneeweiße Engelsflügel. Er schaute kurz an sich herunter, ja, jetzt fand er sich engelgleich. Als das Mädchen die Augen öffnete, sah sie einen wunderschönen Engel mit schimmernden Engelflügel, direkt vor ihr auf einem Bettpfosten sitzen. Er schwebte zu ihr, umarmte sie und sie merkte, dass sie gar keine Angst hatte. Eine nach Veilchen duftende Wolke hüllte sie ein und sie hörte ganz nah an ihrem Ohr „Keine Angst, du wirst gesund, du bist es schon“.

Serafin und sein Lehrer Uriel sitzen wieder auf ihrer schimmernden Wolke. Uriel lächelt Serafin stolz an und lässt 1000de kleine Sterne auf ihn hinabregnen. „Du hast deine erste Prüfung als Schutzengel mit Bravour bestanden, mein lieber Serafin. Ich bin so stolz auf dich“. Serafin strahlt vor lauter Freude in den verschiedensten Farben des Regenbogens und wird immer größer. Die Wolke schwankt bedenklich „Na, na, Serafin, sei nicht so übermütig. Du weißt doch, die nächste Prüfung kommt bestimmt“. „Ich weiß ja, Uriel, aber ich freu mich doch so“.

 

 

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