Gisela Segieth

Pieps das Sternenkind und sein Ausflug zur Erde

Es war einmal, in einer sternenklaren Nacht, als sich ein kleines Sternenkind auf die Erde verirrte.
Wie wild hatte es zuvor auf der Mondsichel geschaukelt. Dabei war es dann „plumps" von dort aus mitten in eine wunderschöne Blumenwiese gefallen.
„Au", schrie es auf, denn es war ziemlich unsanft gelandet „wo bin ich denn nun gelandet? Und warum ist es hier so furchtbar dunkel?"
Die Blümchen, die das Sternenkind so unsanft aufweckte, reckten ihre Köpfchen und meinten gaaanz schlaftrunken zueinander „Was war denn das jetzt? Gääähn! Wer hat uns denn da so unsanft geweckt?"
Denn normalerweise verirrte sich zu ihnen niemand einfach so mitten in der Nacht.
„Verzeihung", piepste das Sternenkind ganz erschrocken „das wollte ich nicht."
„Wer bist du denn", meinte die Mohnblume, die sich den Blütenstaub aus den Blättern schüttelte. Denn von dem Aufprall des Sternenkindes hatte sie von ihrem Blütenstaub eine ganze Menge verloren, der es sich nun auf ihren Blättern gemütlich machte.
„Ich bin Pieps und bekam meinen Namen, weil ich ein so hohes Stimmchen habe", erklärte das Sternenkind sogleich.
„Und was bist du Pieps? Denn wie ein Tier oder eine Pflanze siehst du einfach nicht aus." wollte nun die Kornblume wissen.
„Ich bin ein Sternchen", meinte dazu das Sternenkind Pieps.
„Du sagst du bist ein Sternenkind und heißt Pieps?" fragte ziemlich verwirrt nun die Butterblume.
„Ja, das sagte ich doch", erwiderte Pieps daraufhin.
„Das ist aber ein sehr, sehr seltsamer Name für ein Sternenkind. Du willst uns doch nicht etwa verschaukeln?" erkundigte sich nun das Kleeblatt bei dem Sternenkind.
„Nein, nein, es ist schon so wie ich Euch es sage", erläuterte das Sternenkind daraufhin „doch apropos verschaukeln. Ich bin bei Euch gelandet, weil ich zu wild auf der Mondsichel schaukelte. Dabei bin ich zu Euch herunter gefallen."
„So, so", entfuhr es sogleich dem Grashalm „aber so gaaanz wirklich glaube ich dir das noch nicht. Wie willst du uns denn beweisen, dass das was du uns hier glauben machen willst auch stimmt? Denn du kannst uns ja viel erzählen..."
„Das weiß ich auch nicht, wie ich Euch das erklären und beweisen soll", kam es nun sehr kleinlaut von Pieps, dessen Stimmchen sich dabei vor Aufregung überschlug „ich fürchte, Ihr müsst mir das schon glauben. Aber wer seid Ihr eigentlich? Und was macht Ihr hier?"
Die Wiesenbewohner wurden daraufhin sehr verlegen, denn es war schon ziemlich unhöflich, dass sie sich bisher nicht vorgestellt sondern das kleine Sternenkind nur ausgefragt hatten.
Und so etwas machte man ja schließlich nicht, wenn man gut erzogen war.
Deshalb holten sie nun die Vorstellung auch ganz schnell nach.
Fast wie im Chor klang es auf einmal von allen Seiten.
„Hallo, ich bin...", riefen sie nun alle durcheinander, so dass dem kleinen Sternchen dabei ganz schwindelig wurde.
„Ok, ok, ich verstehe", meinte es deshalb auch in die Runde, um gleich danach zu fragen „wo bin ich denn hier überhaupt und was macht ihr hier mitten in der Nacht?"
Daraufhin mussten die Blumen gaaanz laut lachen, denn eine derartige Frage hatte ihnen nun wirklich noch niemand gestellt.
Pieps, das Sternenkind, war darüber ziemlich perplex, deshalb fragte es auch sogleich "Warum lacht ihr nun über mich? Was hab ich denn falsches gesagt?"
Erschrocken hielten die Wiesenbewohner inne, um sogleich zu erwidern „Nein, nein, wir lachen dich nicht aus, obwohl deine Frage für uns schon etwas merkwürdig ist! Denn du bist hier auf der Erde gelandet und wir alle sind Bewohner dieser Wiese, auf der du gelandet bist. Wir leben hier, seit wir auf dieser Welt sind."
„Was ist eine Wiese?" wollte das kleine Sternchen nun wissen, denn am Himmel, von wo es kam, gab es keine Wiesen. Deshalb hatte es auch noch nie die Begegnung mit einer Wiese gemacht. Jetzt aber wollte es das doch genauer wissen.
„Nun, eine Wiese ist..." begann sogleich die Mohnblume, die dann aber nicht mehr recht weiter wusste und deshalb vom Sternenkind wissen wollte „..gibt es denn dort, von wo du gekommen bist, gar keine Wiesen?"
„Nein, sonst würde ich ja nicht fragen!" lautete sogleich die einleuchtende Frage des kleinen Sternchens.
„Mhm, das ist wohl wahr...", bemerkte dazu die Kornblume, denn die Mohnblume dachte immer noch darüber nach, wie dem Sternenkind wohl zu erklären sei was eine Wiese ist.
„Also, eine Wiese ist", kam der Kornblume nun der Grashalm zu Hilfe „ein Stück Erde, auf dem ganz viele Gräser und Blumen wachsen."
„Ach so", kam es nun vom Sternenkind Pieps, das immer noch nicht wirklich wusste was eine Wiese war, um anschließend gleich zu fragen „und was ist die Erde? Ich weiß das nämlich noch nicht. Und auch nicht wie eine Wiese aussieht. Ist sie aus goldenem Sternenstaub?"
„Neeeein", erklärte nun die Butterblume den kleinen Sternchen „eine Wiese ist ganz bunt, mit viel grün".
„Was ist grün?" erkundigte sich nun Pieps, denn an der Farbenlehre hatte es noch nicht teilgenommen, weil es doch erst in den Sternenvorkindergarten ging.
„Du weißt nicht was grün ist?" wollte nun das Kleeblatt von Pieps wissen, um fortzufahren mit den Worten „grün ist eine Farbe, wie blau, rot, gelb, gold etc. auch Farben sind. Ja sag mal, gibt es denn bei Euch gar keine Farbenlehre?"
„Doch die gibt es schon, das weiß ich von meinen Geschwistern!", verkündete Pieps nun ganz heftig nickend „Aber das ist bei uns etwas, das man erst lernt wenn man im Kindergarten ist. Und da bin ich leider noch nicht, weil ich dazu noch zu klein bin. Denn bei uns kommt man erst mit drei Jahren in den Kindergarten und ich bin erst zwei Jahre und drei Monate."
„Ja dann", erklärte die Mohnblume nun „dann ist es völlig normal, dass du solche Sachen noch nicht weißt. Warte nur bis morgen früh, dann siehst du unsere Farben, denn dann leuchten wir wieder ganz bunt. In der Nacht hingegen, wenn Ihr Sterne am Himmel strahlt, dann ist es auf der Erde immer sehr dunkel, so dass man unsere wunderschönen Farben leider nicht sehen kann."
„Und was ist die Erde?" wollte Pieps nun doch zu gerne wissen „Diese Frage habt Ihr mir nämlich noch nicht beantwortet."
„Nun, die Erde ist ein Planet wie die Sonne, der Mond und auch die Sterne", erklärte das Kleeblatt nun dem Sternchen.
„Bin ich auch ein Planet?" kam die nächste Frage sofort vom Sternchen.
„Ja klar, aber noch ein gaaanz kleiner", erläuterte nun die Kornblume dem Sternenkind.
„Aha, dann wird auf mir auch eine Wiese wachsen wenn ich groß bin, auf der auch ganz viele Blumen und Gräser wachsen", folgerte Pieps nun aus der Erklärung der Kornblume.
„Nein, nein, so einfach ist das nicht!" erklärte nun der Grashalm dem Sternenkind „Denn die Erde ist, soviel wir wissen, der einzige Planet auf dem Gräser und Blumen wachsen und leben können."
„Warum ist das so?" wollte nun das Sternenkind wissen.
„Nun, soviel ich weiß ist herrscht nur auf der Erde ein Klima, auf dem wir leben können", kam nun die Antwort des Kleeblattes.
„Warum?" gab sich Pieps immer noch nicht geschlagen, und die Blumen und Gräser, denen darauf keine Antwort einfiel erklärten ihm „Weißt du was Pieps, das wirst du sicher in der Sternenschule lernen und dann auch verstehen. Wir sind im Moment vieeel zu müde um dir das erklären zu können. Gähn. Bist du nicht auch rechtschaffen müde?"
„Doch, ich bin auch gaaanz furchtbar müde", gab das kleine Sternchen nun zu. Dann aber fragte es noch einmal „Wie bunt seid Ihre denn?"
„Das wirst du sehen, wenn es Tag geworden und auf der Erde wieder richtig hell ist", versuchte das Kleeblatt dem Sternchen nun gähnend vor Müdigkeit zu erklären, denn es wollte nun wieder ganz rasch einschlafen.
„Das geht nicht, ich finde es aber gaaanz schade", ließ das kleine Sternenkind nun verlauten „denn ich muss ja heute Nacht wieder nach Hause. Sonst machen sich meine Eltern große Sorgen um mich. Die wissen doch noch gar nicht wo ich bin. Aber ich habe gaaar keine Ahnung wie ich wieder nach Hause kommen könnte."
Bei diesen Worten, bei denen es auf einmal ganz feucht bei den Blumen und Gräsern rund um das Sternenkind wurde, merkten die Wiesenbewohner, dass das kleine Sternchen bittere Tränchen vergoss.
„Komm weine nicht, kleiner Pieps", versuchte das Kleeblatt nun das kleine Sternchen zu trösten. Denn dieses tat ihm nun ganz furchtbar leid.
„Oh, daran haben wir ja noch gar nicht gedacht!" ließ nun der Grashalm verlauten „Was sollen wir nur tun, um dem Sternchen zu helfen?"
„Lasst uns hier sofort eine Konferenz einberufen, aber eine zu der wir die Tiere auch zusammentrommeln. Denn wir brauchen nun wirklich gute Ideen, um Pieps wieder heil nach Hause kommen zu lassen!" rief die Butterblume jetzt aus.
„Kornblume, du bist es die am besten von uns allen Pfeifen kann. Deshalb pfeife du einmal die Tiere zusammen, damit sie uns helfen", erklärte nun die Mohnblume.
Und die Kornblume pfiff sofort so laut sie nur konnte. Ein ganz heller Pfiff ertönte, der die Erde zu erschüttern schien.
Darüber erschrak Pieps ganz furchtbar, denn einen solchen Laut hatte das Sternenkind noch niemals gehört. Doch noch bevor es sich versah flog schon ein kleines Lichtlein herbei und dieses fragte das Sternenkind „Wer bist du und was machst du hier bei uns? Ich bin Flugs das Glühwürmchen."
Und zu den Wiesenbewohnern gewandt wollte Flugs nun wissen „Was macht Ihr denn mitten in der Nacht für einen Radau? Habt Ihr vergessen, dass die Nacht zum Schlafen da ist?"
„Hallo Flugs", grüßte die Butterblume das Glühwürmchen „das hier ist Pieps, ein Sternenkind, das vom Himmel gefallen ist."
„Ja, so ist es", stimmte das Sternenkind in die Worte der Butterblume mit ein.
„Was Ihr nicht mitten in der Nacht alles erzählt", schüttelte Flugs nun den Kopf und zum Sternchen gewandt „komm lass dich einmal anschauen. Denn ich will wissen ob das auch stimmt. Ich weiß nämlich wie die Sterne ausschauen, denn ich strahle sie von der Erde aus mit meinem Lichtlein jede Nacht an. Ach was, ich fliege einfach bis zu dir, dann sehe ich dich am besten."
Und schon sah Pieps unmittelbar vor sich das leuchtende Lichtlein des Glühwürmchens aufleuchten.
„Das ist wirklich ein Sternchen", rief nun Flugs ganz begeistert aus „nanu, solltest du nicht schon längst schlafen?"
„Oh ja, das sollte ich wohl", kam es gähnend vom Sternchen „ich bin auch schon gaaanz doll müde. Aber ich muss doch nach Hause zu meinen Eltern, die sich sonst große Sorgen um mich machen. Denn die wissen doch gar nicht wo ich geblieben bin."
Mittlerweile waren auch schon weitere Tiere des Feldes bei den Blumen und Gräsern angekommen, die ganz verwundert das Sternenkind betrachteten.
Der Igel wollte nun wissen „Sag mal, dich kenne ich ja noch gar nicht. Wer bist du und was machst du hier mitten in der Nacht."
Das Sternenkind Pieps begann zu erzählen „Ich bin Pieps, das Sternenkind. Meinen Namen erhielt ich wegen meines hellen Stimmchens. Und ich bin hier, weil ich beim Schaukeln auf der Mondsichel so doll geschaukelt habe, dass ich von dort herunter auf die Erde gefallen und genau hier gelandet bin. Aber nun muss ich wieder nach Hause, da meine Eltern nicht wissen wo ich geblieben bin. Könnt Ihr mir helfen wieder nach Hause zu kommen?"
Bei diesen Worten weinte das kleine Sternchen ganz bittere Tränen und so viele, dass die ganze Erde und alle Blümchen und Gräser rundherum ganz nass wurden.
Schluchzend fügte es hinzu „Ich habe nämlich ganz große Angst nicht mehr nach Hause zu meiner Familie zu kommen, denn ich war noch niemals so weit von zu Hause weg und auch nicht so lange wie heute."
Die Eule, die inzwischen auch eingetroffen war nahm das kleine Sternenkind ganz sanft in ihre Flügel und wiegte es, liebevoll wie eine Mutter ihr Kind im Arm wiegt.
Dann sprach die Eule zum Sternchen „Ich habe gesehen wo du hergekommen bist, kleiner Pieps, und auch gehört was dir passiert ist. Hab keine Angst, wir kriegen dich schon wieder zu dir nach Hause. Denn du bist nicht das erste Sternenkind, das beim Spielen vom Himmel gefallen ist!"
„Hast du denn schon öfter Sternenkinder auf der Erde gefunden?" wollten nun die anderen von der Eule wissen.
„Oh ja, ich habe schon gaaanz viele kleine Sternchen auf der Erde gefunden" erläuterte die Eule den Blumen, Gräsern und Tieren, die um sie und das Sternenkind herum standen „denn viele kleine Sternenkinder sind übermütig und fallen beim Spielen vom Himmel. Deshalb passen wir Eulen auch immer auf wo ein Sternchen wieder mal vom Himmel fällt, um es zu seinen Eltern zurück zu bringen."
Zu Pieps gewandt aber meinte die Eule „Du, kleiner Pieps, du legst dich jetzt am besten gleich erst einmal hin und schläfst ein wenig, bevor ich dich nach Hause fliege. Ich möchte nämlich nicht, dass du auf mir einschläfst und dann von mir herunter fällst. Das fände ich nämlich viel zu gefährlich, denn unser Weg wird sehr lang und ist nicht ganz ungefährlich."
„Komm, hab keine Angst, wir bereiten dir ein ganz weiches Bettchen in dem du sicher sehr gut schlafen wirst", riefen die Gräser dem Sternchen nun zu.
„Wir halten Wache, dass keiner deinen Schlaf stören kann", piepsten die Spitzmäuse um die Wette, die sich nun auch dazu gesellt hatten erfreut aus.
„Ja, und wenn du aufwachst, dann wird es hell sein, und du kannst dir unsere schönen bunten Farben anschauen", freuten sich gleich die Blumen.
„Nein, da muss ich Euch enttäuschen", kam es nun von der Eule „denn ich werde Pieps noch in der Dunkelheit zurück nach Hause bringen. Wenn es hell wird, dann ist es zu spät, denn dann sehe ich nicht mehr genug um das Sternchen wirklich sicher nach Hause fliegen zu können. Und dann ist auch die Gefahr, dass die Sonne Pieps verbrennt oder Raubvögel Pieps etwas antun viel zu groß. Ich muss das Sternchen zu einer Zeit zurück bringen, in der ihm wirklich nichts böses passieren kann!"
„Schaaaaaade!" riefen nun alle Blumen, Pflanzen und Tiere laut aus, um dann aber gleich übereinstimmend zuzugeben „Ja, wenn das so ist, dann geht es wirklich nicht anders. Denn wir alle möchten, dass Pieps wirklich gesund und munter zu seinen Eltern zurückkehren kann."
„Also, Pieps, mach es dir hier bequem", forderten die Gräser Pieps nun dazu auf, sich zum Schlaf hinzulegen.
Pieps, dem die Augen bereits zu zufallen drohten, gehorchte den Gräsern ohne ein weiteres Wort.
Kaum hatte sich das kleine Sternchen hingelegt stellten die Gräser an seinem langsamen Atem zufrieden fest „Pieps schläft schon. Nun könnte auch Ihr wieder schlafen. Gute Nacht!"
Das ließen sich die Blumen und Tiere, bis auf die Spitzmäuse, das Glühwürmchen und die Eule nicht zweimal sagen und schon bald hörte man sie alle ganz ruhig atmen. Denn sie schliefen alle ganz sanft.
Die Spitzmäuse aber postierten sich rund um das Sternenkind und zu jeder Spitzmaus gesellte sich sofort ein hell leuchtendes Glühwürmchen.
Ganz leise flüsterten die Glühwürmchen nun den Spitzmäusen zu „Wir bleiben bei Euch und halten mit Euch Wache, dass dem Sternenkind auch wirklich nichts geschieht. In der Zeit halten wir unsere Laternchen so, dass Ihr auch wirklich die ganze Umgebung beobachten könnt. Wir hoffen, Euch ist das Recht!"
„Das ist prima von Euch", antworteten die Spitzmäuse nun den Glühwürmchen ganz leise „denn so wird Pieps sicher nichts böses passieren, und wir schlafen dann sicher nicht ein. Habt dafür unseren ganz herzlichen Dank, denn wir wissen Eure Hilfe wirklich zu schätzen!"
Und so passten die Spitzmäuse nun gemeinsam mit den Glühwürmchen auf, dass Pieps kein Leid geschah.
Pieps konnte dabei wunderbar schlafen und träumen, bis die Eule sich entschloss Pieps zu wecken, um mit dem Sternenkind zurück zum Mond zu fliegen.
Ganz sanft weckte die Eule das Sternenkind auf und legte dabei mahnend die eine Flügelspitze auf den Mund von Pieps, damit er ruhig bleiben möge.
Dann flüsterte die Eule dem Sternenkind zu „Sie bitte ganz still und wecke die anderen nicht auf. Sie brauchen nämlich auch ihren Schlaf. Ich fliege dich nun ganz schnell zurück in den Himmel zu deinen Eltern, die dort bestimmt schon geraume Zeit nach dir suchen. Halte dich nur gut an mir fest und schau nicht nach unten. Sonst könnte es dir nämlich schwindelig werden und dann, dann könntest du runter fallen. Was dir dann geschehen würde, daran möchte ich gar nicht erst denken. Hast du verstanden?"
Pieps nickte zu den Worten der Eule.
Dann verabschiedete sich das Sternenkind noch ganz leise bei den Spitzmäusen und den Glühwürmchen, die es liebevoll an sich drückten und ihm für den Flug nach Hause ganz viel Glück wünschten.
Kaum war das getan, kletterte das Sternenkind schnell auf den Rücken der Eule und hielt sich gut an ihr fest.
Die Eule hob ab und trug Pieps, sich immer wieder umschauend, dass das Sternenkind auch noch sicher auf ihrem Rücken saß, ganz geschwind in den Himmel.
Dort suchte sie nach dem Mond, der bereits dabei war sich hinter den Wolken zurück zu ziehen um der Sonne Platz zu machen.
„Hallo Herr Mond, nicht so schnell!" rief die Eule auf einmal dem Mond zu „Ich habe hier noch jemanden, den ich zu Euch zurückbringen muss."
„Frau Eule, haben Sie Pieps dabei?" wollte der Mond von der Eule daraufhin wissen.
„Ja, ich bringe Ihnen Pieps zurück, der zu uns auf die Erde gefallen ist", bestätigte die Eule dem Mond.
„Ach wie wunderbar, die Eltern von Pieps haben sich schon sehr große Sorgen um ihr Kind gemacht, da sie nicht wussten, wo Pieps geblieben war!" teilte der Mond der Eule nun mit und begann wieder etwas heller zu strahlen, um der Eule den Weg zu ihm hell auszuleuchten.
Dann rief er ganz laut „Hallo Herr Stern, hallo Frau Stern, Frau Eule ist gerade dabei Euer Kind zu uns zurück zu bringen, kommt ganz schnell herbei!"
Und noch bevor sich der Mond versah kamen die Mutter und der Vater ganz schnell auf seine Sichel, um ihr Kind in Empfang zu nehmen.
Auch die Eule näherte sich nun mit großer Geschwindigkeit dem Mond und Pieps strahlte den Mond vom Rücken der Eule aus an. Denn er war überglücklich darüber seine Eltern aus der Ferne zu erkennen.
„Hallo Mond, hallo Mami, hallo Papi, ich bin gleich wieder bei Euch", rief Pieps nun ganz laut aus, und hätte die Eule nicht sehr aufgepasst, dann wäre in diesem Moment das kleine Sternchen von ihrem Rücken gefallen.
„Pieps, was machst du denn bloß, sei vorsichtig und lass dich um Himmelswillen nicht los!" konnte die Eule dem Sternchen nur noch sehr eindringlich warnend zurufen „Du bringst uns so beide in große Gefahr, halt dich fest!!!"
Im letzten Augenblick konnte das Sternenkind sich gerade noch einmal festhalten, denn die Eule bekam durch das Winken des Sternchens schon Schlagseite, so dass sie bereits ganz schief am Himmel flog.
„Huch, das ist gerade noch einmal gut gegangen! Mach so etwas bloß nie wieder!" brüllte die Eule zu den Manövern von Pieps, denn der Schrecken saß ihr in allen Gliedern.
„Bitte, bitte sei mir nicht böse", rief das Sternchen der Eule nun zu „ich war wirklich sehr unachtsam, aber das soll nie wieder passieren. Denn ich habe gemerkt wie gefährlich das war.
Die Eule aber hatte sich wieder gefangen und flog nun schweigend auf die Spitze des Mondes, wo die Eltern von Pieps ihr Kind schon erwarteten.
„Hallo Frau Eule. Schön, dass sie es trotz der Unachtsamkeit von Pieps geschafft haben uns den Kleinen wohlbehalten zurück zu bringen", begrüßte der Mond die Eule sehr erleichtert. Denn ihm war durchaus bewusst, wie gefährlich die Aktion von Pieps am Himmel doch war.
Die Eltern von Pieps jedoch konnten kein einziges Wort sagen. Sie nahmen ihr Kind nur noch vor Freude weinend in beide Arme.
„Oh ja, Herr Mond, ich bin auch sehr froh darüber, dass ich Euch Pieps wohlbehalten zurückbringen konnte", antwortete die Eule.
Die Eltern von Pieps jedoch waren sprachlos.
Endlich hatte sich der Vater von Pieps wieder gefangen. Er schritt auf die Eule zu, reichte ihr Hand der Dankbarkeit und die Eule schlug mit ihrem Flügel ein.
Dann sprach Vater Stern zu der Eule „Liebe Frau Eule, was Sie heute geschafft haben grenzt an ein Wunder. Ich kann Ihnen gar nicht sagen wie froh ich bin, dass sie mein Kind heil zu uns zurück gebracht haben. Wie kann ich Ihnen dafür nur danken?"
Die Eule, die ein solches Lob selten gehört hatte, wurde unter den Worten des Vaters von Pieps ganz still und schaute ihn nur an.
Dann begann sie zu dem Vater des kleinen Sternchens folgendes zu sagen „Lieber Herr Stern, sie brauchen mir nicht danken, denn was ich tat, das tat ich aus Liebe zu Kindern. Doch bitte passen Sie in Zukunft gut auf Pieps auf, damit ihm etwas derartiges nicht noch einmal passiert. Denn wäre Pieps statt bei uns auf der Wiese im weiten Ozean gelandet, dann hätte es für ihn kaum noch eine Rettung geben können."
Bei diesen Worten kam die Mutter von Pieps nun heran. Sie ging auf die Eule zu und nahm die Eule aus Dankbarkeit in ihre Arme. Die Eule, die mit dieser Reaktion einer Mutter gerechnet hatte, breitete weit ihre Flügel aus und nahm die Sternenmutter in diese.
Dann sprach sie zu ihr „Liebe Frau Stern, ich weiß tief in meinem Herzen wie eine Mutter sich fühlt und habe Ihnen Ihr Sternenkind wirklich von Herzen gerne zurückgebracht. Doch bitte bringen Sie Pieps bei, dass er aufpassen muss damit ihm in Zukunft niemals etwas böses widerfährt. Denn es ist nicht gesagt, dass der Kleine immer ein so großes Glück haben wird wie heute."
Dabei wischte sich die Eule verstohlen mit einem Flügel ein paar Tränen aus ihren Augen. Denn diese hatten sich aus Erleichterung und aus Freude darüber, dass sie es geschafft hatte das kleine Sternchen wohlbehalten zurückzubringen, den Weg dorthin gebahnt.
„Frau Eule, auch ich möchte mich ganz herzlich bei dir dafür bedanken, dass du mich zu meinen Eltern zurückgebracht hast" kam es nun ganz kleinlaut von Pieps.
Dann aber bat er „Bitte bück dich doch einmal zu mir herunter, damit ich dich in die Arme nehmen kann. Denn du weißt doch, dass du viel größer bist als ich!"
Die Eule, die sich sehr darüber freute, bückte sich gleich zu dem Sternchen herunter und ließ sich von ihm in die Arme nehmen. Dabei schlang sie ihre Flügel um das Sternenkind und hielt es ganz fest.
Dann fragte die Eule Pieps, ihn dabei ganz ernst anschauend „Versprichst du mir, kleiner Pieps, dass du in Zukunft gut auf dich aufpassen wirst, so dass dir so etwas nie wieder passiert?"
Pieps, der nun auch sehr ernsthaft dreinschaute versprach es der Eule ganz feierlich, denn es war ihm klar geworden in welch eine Gefahr er sich und auch die Eule gebracht hatte.
„Ja Frau Eule, ich verspreche es dir hoch und heilig, dass ich in Zukunft nie wieder vom Mond fallen werde und immer sehr vorsichtig sein will. Ich verspreche dir aber auch, dass ich, wenn ich groß bin auch darauf aufpassen werde, dass keinem meiner Kinder so etwas passiert. Denn ich habe begriffen, dass ich ganz großes Glück gehabt habe. Aber darf ich dich auch um ein Versprechen bitten?"
„Na, was soll ich dir denn versprechen?" wollte die Eule nun vom Sternenkind wissen.
„Das will ich dir gerne sagen.", kam es nun von Pieps und dabei überschlug sich seine Stimme, weil dem kleinen Sternenkind seine Bitte so ernst war „Bitte versprich mir, dass du die anderen alle nochmal gaaanz lieb von mir grüßen wirst und ihnen sagst, dass ich ihnen allen sehr dankbar für das bin was ich bei ihnen auf der Erde erleben durfte!"
„Sehr gerne will ich dir das versprechen, kleiner Pieps", lachte die Eule erleichtert „denn ich weiß, dass sich alle wirklich sehr darüber freuen werden. Schließlich landet ja nicht jede Nacht ein Sternenkind bei ihnen auf der Wiese. Doch nun muss ich langsam zurück, und auch der Mond muss nun langsam der Sonne weichen. Also passt gut auf Euch auf!"
Dann drehte sich die Eule um und machte sich auf den Heimweg, zurück zur großen Wiese.
„Ich werde es sofort ins Sternenbuch eintragen", rief der Sternenvater der Eule noch hinterher, die sich noch einmal winkend umdrehte.
„MachŽs gut und von Herzen danke!" tönte es noch hinter der Eule her, die sich immer weiter vom Mond und den Sternen entfernte bis sie ganz außer Sichtweite geriet.
Der Mond aber machte nun der Sonne Platz und die Sterne gingen nach Hause, wo sie dem kleinen Pieps noch einmal erklärten welch ein großes Glück er doch hatte.
Pieps jedoch war fortan sehr vorsichtig beim Schaukeln.
Doch oft blickte er noch vom Rand des Mondes herunter auf die Erde, denn immer noch wollte er wissen wie eine bunte Blumenwiese aussah.
Dort oben auf dem Mond aber machte der kleine, neugierige Pieps noch so manche Erfahrung bis er erwachsen war.
Und noch so manches Sternenkind musste die gute Frau Eule zurück zum Mond zurück bringen, um es dort in die Obhut seiner Eltern zu entlassen.
Denn jedes Mal wenn eine Sternschnuppe vom Himmel fällt handelt es sich dabei um ein kleines Sternenkind, das beim Schaukeln vom Mond gefallen ist.

Fortsetzung folgt

Copyright: Gisela Segieth

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Der Beitrag wurde von Gisela Segieth auf e-Stories.de eingesendet.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.02.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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