Francois Loeb

FINGERSPITZE

Was für Fingerspitzengefühl sich im Schneegestöber verbreitet zu erfahren in der neuen Wochengeschichte aus meiner Feder:

SEITEN
Ist das wundervoll im Schneegestöber zu wandern. Warm eingemummelt. Dicker Schal über Mund und Nase. Die Feuchtigkeit der eigenen Atemluft zu erspüren! Hände im Muff, den mir meine Grossmutter lebend vererbt hat, haltend. Dort das Blut pulsierend zu vernehmen. Der linke Daumen aber meldet Kälte. Der Rechte protestiert. Meldet, dass er auf die Barrikaden gegen den Linken gehen wolle, denn er habe fein warm dank dem altväterlichen, halt altmütterlichen Warmhalteschutz, der leider so vollständig aus der Mode gekommen sei. Ungerecht sei das genauso wie die Anschuldigungen der Linkehandkappilaren, die weit von der Wirklichkeit entfernt seien und perfide Lügen verbreiten würden. Warm sei es im Muff. Möglicherweise ein bisschen muffig. Aber das gehöre dazu. Und darüber beschwere sich ja kein Fingerspitzengefühl, das dem linken Daumen völlig abgeht. Und der bleibt stumm, denn wie soll ohne Gefühl ein Fingerspitzengefühl sich verbreiten können.
Doch da! Meine Augenblicke werden vom Muffigen abgelenkt, am Boden liegt eine Seite. Nein, deren Dutzende. Hunderte! Soweit das Auge reicht. Eine Fata Morgana mitten im Schnee, der bereits zentimeterweise liegen bleibt. Einfach sich faul niedergelassen hat. Sich jedoch weigert die Seiten, deren grosse Menge zu bedecken. Denn diese sind zu warm eben geboren worden. Ich erkenne nun eine vor mir stapfende Silhouette. Schlank. Elegant. Feingliedrig. Blonde Haarsträhnen quellen aus der schwarzen Mütze, die einen herrlichen Kontrast formt. Oh jeh, nein, einen fraulichen bilden. Und der schemenhafte Schatten hält ein Smartphone in der Hand. Aus diesem, das sehe ich jetzt deutlich, quellen die Seiten. Eine nach der anderen. Jede Seite gebiert deren Neue, die wiederum sprudelnd und klappernd, manche auch quietschend zu Boden fallen. Sich auf der Schneedecke jungfräulich, bestimmt nicht jungmännlich niederlassen. Vom Winde erfasst, verweht werden.
Und jetzt grollt es mächtig. Als sei ein Gewitter im Anzug. Nicht vom Massschneider. Nein, gewittrig. Da! Ein heller Blitz. Mächtiger Donner, der mich beinahe zu Boden wirft. Die Silhouette vor mir fällt in die weisse Pracht. Eine Schneemannfamilie am Wegrand samt Schneefrau lacht so hämisch, dass ihnen die Karottennasen und die Kohleaugen zu Boden fallen. Ich eile zu der jungen Frau. Erkundige mich, ob alles in Ordnung sei. Sie bejaht in hauchdünner Sprache. Ich biete ihr an, die Seiten aufzuklauben, diese in ihr Handy zurückzustecken. Sie weist mich darauf hin, dies sei nicht notwendig. Sie lese das E-Book VOM WINDE VERWEHT und nur die gelesenen Seiten seien herausgefallen und die benötige sie keinesfalls mehr. Viel eher sei sie dankbar, dass der Speicher nicht belastet werde. Zu Hause warte ihr echter Dachboden auf das Entrümpeln. 
Der kurze Spaziergang im Schnee habe ihr gutgetan. Steht auf und eilt davon. Ich sehe, wie ihre Arme sich zu Flügeln wandeln und sie entfliegt in die Schneewolken, wohl hin zum Himmelsspeicher, dessen Boden von all den irdischen Sünden ganz ohne Einbrecher einzubrechen droht …




Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

F I N G E R S P I T Z


Fingerspitzen
Nicht artig sitzend
Aufbegehrend
Belehrend.


Mittels ihres Haupts
Behauptend laut
Gefühle in den Spitzen
Fänden keine kleinen Ritzen.


Empathie
Sympathie
Gelähmt
würden in
Jeder sozialen
Media-Magie.




Herzlichst
François Loeb

https://www.francois-loeb.com/

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.02.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Ein diabolischer Plan von Doris E. M. Bulenda



„Krachen, Scheppern und dann gewaltiger Lärm, als ein schwerer Gegenstand an die Wand geworfen wurde. Oh verdammt, die Verrückte spielte drüben in der Küche schon wieder ihr absolutes Lieblingsspiel – Geister vertreiben. Gleich würde sie hierher ins Wohnzimmer stürzen, wo ich versuchte, in Ruhe meine Hausaufgaben zu machen. Und dann würde sie mir wieder lang und breit erklären, welches Gespenst gerade versucht hatte, durch die Wand zu gehen und sie anzugreifen. Ich hasste sie! Ich hasste dieses Weib aus ganzem Herzen!“ Die 13-jährige Eva lebt in einer nach außen hin heilen, kleinbürgerlichen Familie. Hinter der geschlossenen Tür herrscht Tag für Tag eine Hölle aus psychischer und physischer Gewalt durch die psychopathische Mutter und den egomanischen Vater. Verzweifelt versucht sie, sich daraus zu befreien. Vergebens - bis ihr ein altes Buch in die Hände fällt. Als letzten Ausweg beschwört sie daraus einen Teufel. Er bietet ihr seine Hilfe an. Aber sein Preis ist hoch...

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