Monika Litschko

Sultan del Arabika Teil 9

Versammlung bei den Pferden

Während Almate Emma und Lilly einen Besuch abgestattet hatte, bestand Sultan del Arabika darauf, dass Thaddäus, Amber, Beppo und Kyrala, bei diesem Unwetter nicht zurück in den Wald gingen, sondern bei ihnen im Stall übernachteten. „Es ist viel zu gefährlich, wenn ihr euch jetzt auf den Heimweg macht“, sagte er mit erhobener Stimme, denn das laute Rauschen des Windes, schien die Hälfte seiner Worte zu verschlucken. „Soll ich dir mal was sagen?“, sagte Thaddäus. „Das nehmen wir gerne an.“ Auf flinken Hufen liefen sie zum Stall. Kyrala flog als weiße Eule voran und setzte sich auf einen Dachbalken. „Huch, ist das ungemütlich. Kommt schnell, damit Kalli das Tor schließen kann.“
„Puh“, sagte Quasselstrippe, „gerade noch geschafft. Jetzt regnet es dicke Bindfäden.“ Kalli der als Letzter eintrudelte, schloss schnell das Tor. Eine Welle der Glückseligkeit fuhr durch seine Seele. Er betrachtet seine neuen Freunde und dankte Gott, dass sie ihn gefunden hatten. Er fühlte sich wie der glücklichste Mensch, auf dieser großen weiten Welt.
„Wollt ihr mich bitte auch hereinlassen“, brüllte eine wütende Stimme vor dem Tor. „Ich werde nass.“
„Das ist Benuar“, sagte Samira. „Kalli, mach schnell wieder auf und lasse ihn herein.“ Benuar stolperte in den Stall und versuchte den Regen von seiner Kleidung zu schütteln. „Schön, dass ich euch alle zusammen vorfinde“, stellte er erfreut fest und machte einen kleinen Luftsprung. „Ich habe euch viel zu berichten, aber es ist so dunkel hier drinnen. Habt ihr keine Lampen? Ich kann euch kaum noch sehen.“ Sultan del Arabika schüttelt sich. „Wozu auch“, sagte er, „wenn wir in den Stall gehen, schlafen wir.“
„Also gut“, sagte der Traumkobold. „Wartet, Ebelinus Schnatterkuss, schicke mir ein Licht schnell durch die Luft!“ Ein Zischen war in der Luft, als eine undefinierbare Lichtquelle den Raum erhellte. „So“, scherzte Benuar, „nun können wir uns auch sehen.“ Beppo staunte Bauklötze. „Wer ist denn Ebelinus Schnatterkuss?“, fragte er neugierig. „Lernen wir ihn noch kennen? Das sah aus wie Zauberei.“ Der Traumkobold schmunzelte. „Ebelinus übernimmt kleine Aufgaben in meinem Traumland. Da er mich immer und überall hören kann, war das jetzt kein Kunststück. Er hat mir nur eine Lichtquelle geschickt. Alle Bewohner des Traumlandes haben eine Begabung und somit auch eine Aufgabe“, erklärte der Traumkobold, Beppo den angeblichen Zauber. Er schlug vor, dass sie es sich im Heu bequem machten und ihm einfach nur zuhörten. „Sag mal Kyrala, ist es bequem auf dem Balken?“, fragte er die weiße Vampirin. Diese verneinte und ließ sich als weiße Eule zu Boden fallen, um gleich wieder ihre wahre Gestalt anzunehmen.
„Heute ist Lia, die Botin der Seehexe zu mir gekommen“, erzählte Benuar. „Sie hat mir eine Nachricht von Alexandra übermittelt. Paula hat mit einem Fluch die dunklen Mächte des Waldes beschworen und das bringt nichts Gutes. Dieses Unwetter hat Alexandra aufziehen lassen, um euch zu schützen. Morgen bei anbrechender Dunkelheit werden wir zu ihr gehen. Aber wir müssen zusammenbleiben und den ausgetretenen Pfad nehmen, denn der ist mit einem Schutzzauber belegt. Ach ja, und die Glühwürmchen müssen auch noch informiert werden. Das wird wohl Almate übernehmen. So Leute, Emma und Lilly möchte Alexandra auch sehen, denn sie will die beiden mit einem unantastbaren Zauber belegen. Dieser Zauber schützt die Mädchen. Die Laubdämonen haben Angst vor der Kraft aller Kinder, da die Reinheit ihrer unbedarften Seelen ihnen die Energie raubt. Quasselstrippe hüstelte. „Hm ja, ist das nicht für uns alle viel zu gefährlich?“, fragte sie und hoffte, dass jemand sie unterstützte. „Ich meine, wer sind die dunklen Mächte überhaupt?“ Benuar legt sich auf den Rücken und starrte an die Decke. „Die dunklen Mächte sind drei mächtige Schreckensgarden“, antwortete er. „Die Laubdämonen bilden sich in Sekundenschnelle aus dem abgefallenen Laub der Bäume. Sie hüllen dich ein und versperren dir die Sicht. Die schönen Riesen sind von durchsichtiger, weißer Gestalt. Sie schmeicheln dir und versuchen dich aus dem Wald zu locken. Doch Vorsicht, wenn ihr darauf hereinfallt, fährt Idas Hand zur Erde und zieht euch in ihr finsteres Reich. Igor und Ida sind Lüge Riesen. Also denkt daran, alles was sie euch versprechen ist gelogen. Denn widersetzt ihr euch, zeigen sie ihr wahres Gesicht. Aber sie haben nur die Macht der Worte, vergesst das nicht.“ Amber kuschelte sich an Thaddäus. „Ida? Diese gewisse Ida die Manuel zu sich gelockt hat?"
„Ja, diese Ida“, antwortete Benuar. „Die Macht der Worte hält ihn gefangen.“
„Mein Gott und was sind die dritten Monster?“ lispelte Amber ängstlich. „Schlimmer kann es ja nicht mehr werden.“ Benuar wurde nervös. Also, die dritten Monster meine Liebe, ja wie soll ich, dass sagen“, druckste er herum. „Das ist nicht so einfach zu erklären.“ Thaddäus der schützend seine Vorderläufe um Amber gelegt hatte, röhrte laut. „Sage es einfach, Traumkobold. Wir platzen vor Spannung.“ Benuar senkte den Kopf, bevor er antwortet. „Das seid ihr“, sagte er ganz leise. Quasselstrippe schüttelte sich. „Wir? Wie kann, das denn sein? Wir mögen uns doch.“
„Aber die Spiegelgeister, falls der Fluch überhaupt gefruchtet hat, können jede Gestalt annehmen“, sagte Benuar ernst. „Sie werden wie ihr sein und euren Geist verwirren. Darum müsst ihr alles tun, um die Spiegelgeister zu durchschauen. Tut ihr, dass nicht, werdet ihr wie sie. Böse und gemein.“
„Oh je, Oh je“, stöhnte Quasselstrippe ängstlich, „ich habe jetzt schon Angst.“ Der Traumkobold beruhigte sie. „Wenn ihr an euch glaubt, wird euch nichts passieren“, tröstete er Quasselstrippe. „Außerdem wissen wir nicht, ob der Fluch überhaupt gefruchtet hat. Aber wenn, handelt weise.“ Ein heller Blitz, gefolgt von einem lauten Donnerknall, ließ die kleine Gemeinschaft zusammenzucken. „Und noch etwas, meine Lieben“, sagte der Traumkobold verschwörerisch. „Ihr könnt sie dennoch erkennen, die Spiegelgeister. Durch Paulas Fluch, könnten sie sich aus den alten Spiegeln des Schlosses befreit haben, das hier nahe am Wald steht. Graf Montapasch hat vor hunderte von Jahren, mit Admileut dem Zauberer dafür gesorgt, dass die Geister in sieben Spiegel gebannt wurden. In den Kerkern, die tief unten im Schloss liegen, haben sie die Spiegelgeister eingeschlossen. Darum seht ganz genau hin wer vor euch steht. Wenn sich das Bild verzerrt, wisst ihr, dass ihr keinen Freund seht, sondern einen Feind. Es verzerrt sich aber nur, wenn ihr sie lange genug anstarrt. Aber noch wissen wir gar nichts. Die Seehexe wird uns morgen mehr sagen können.“ Sultan del Arabika sprang nervös auf die Beine. „Also wenn dass alles so ist wie du sagst, können Emma und Lilly nicht mit uns gehen. Wer kann eine so große Verantwortung übernehmen? Keiner von uns!“
„Ja, das ist wohl wahr“, stimmte Samira ihm zu. „Die Mädchen müssen hierbleiben.“ Benuar wiegte bedächtig den Kopf. „Ich verstehe euch nur zu gut, aber wir brauchen die reinen Seelen der Kinder. Alexandra wird sie mit einem unantastbaren Zauber belegen, so wird ihnen nichts geschehen. Sie sind sicher, nur ihr nicht. Ihr müsst auf eure innere Stimme achten.“

Sultan wurde immer unruhiger und trabte nervös durch den Stall. „Also ich weiß nicht so recht. Was, wenn der Zauber nicht wirkt? In meinem Kopf purzeln die Gedanken durcheinander.“ Benuar verstand Sultans Sorgen, denn ganz wohl war ihm auch nicht. Aber er vertraute auch Alexandra, denn sie würde die Mädchen nie in Gefahr bringen. Melchior, der bis jetzt nur zugehört hatte, meldete sich zu Wort. „Sultan, wir sollten es versuchen. Und ganz im Ernst, ich denke nicht, dass die Mädchen auf dich hören würden. Emma bestimmt nicht.“
„Sie ist ein Mädchen, das weiß, was sie will und nicht will“, sagte Quasselstrippe. „Wenn Emma und Lilly auf eigene Faust losgehen, das wäre viel schlimmer. Ach herrje, das wäre sehr schlimm. Es könnte ihnen alles Mögliche zustoßen.“ Daran hatte Sultan auch schon gedacht und ihm war bei dem Gedanken gar nicht wohl. „Also gut, wir nehmen die beiden mit und vertrauen auf Alexandra. Aber bitte denkt daran, auch wir müssen auf Emma und Lilly achtgeben.“
„Ja meinst du, das wüssten wir nicht?“, fragte Amber vorwurfsvoll. „Was ist eigentlich mit Baron? Warum liegt er schon? Hat er überhaupt schon etwas gesagt?“ Sultan warf einen Blick zu Baron, der sich ins Heu gekuschelt hatte und friedlich schlief. „Ich denke, das war doch zu viel für den alten Herren. Lassen wir ihn einfach schlafen.“
„Schlafen, das ist eine gute Idee“, sagte Melchior müde. Benuar gähnte und rieb sich die Augen. „Mein Traumland ruft auch nach mir und Ebelinus Schnatterkuss auch. Da das Unwetter sich gelegt hat, werde ich mich jetzt auf den Weg machen. Schlaft gut.“

„Schlaf gut, Benuar“, antwortete Samira. „Und wir sollten das auch machen.“
„Gute Idee“, antwortete Melchior. Amber und Thaddäus kuschelten sich eng aneinander und Sultan legte sich zu Melchior und Baron. Samira und Quasselstrippe suchten ihre Boxen auf und schliefen wie ihre Freunde, ganz schnell ein. Nur Kalli dachte noch ein wenig nach. Dann schloss aber auch er seine Augen und nahm dabei den verdutzten Beppo in den Arm. „Wenn es sein muss“, nuschelte Beppo und grinste müde. Kyrala verwandelte sich in eine weiße Eule und steckte ihren Kopf in das Gefieder. Irgendwie fand sie das gemütlicher.


Baron, der ziemlich früh eingeschlafen war, träumte von Arabika. Er trabte über eine bunte Sommerwiese und genoss die warmen Strahlen der Sonne, so wie er es früher immer getan hatte. Winzige Käfer schwirrten um ihn herum und Bienen schlürften süßen Honig aus Blütenköpfchen. Das grüne weiche Gras lud ihn ein, ein Schläfchen zu halten und er legte sich in das weiche Bett von Mutter Erde. Baron blickte in den wolkenlosen Himmel und seine Gedanken zogen in ferne Länder, die er noch nie gesehen hatte. Früher, als er noch jung war, hatte er dieses oft getan und die wildesten Abenteuer erlebt. Baron schloss die Augen, als er an Arabika dachte, seiner geliebten Heimat, die er so sehr vermisste. „Baron! Baron!“ Diese Stimme, sie kam ihm so vertraut vor. „Baron, schau wieder in den Himmel!“ Baron schaute nach oben und sah eine schwarze Stute, die eine weiße Zeichnung, in Form eines Sterns auf ihrer Brust trug. „Maria Mandelsplitter“, flüsterte er atemlos. „Wo kommst du her?“
„Ich habe Tubarzia verlassen, um dir nahe zu sein. Tula hat mir das Tor geöffnet, damit wir beisammen sein können. Hier, siehst du mein Einhorn? Und strahlt es nicht schön im Sonnenlicht?“ Baron weinte vor Glück, dass die Liebe seines Lebens, die er stehts im Herzen trug, vom Himmel zu ihm herunterblickte. „Warum hast du mich nur verlassen, Maria? Es hat mir mein Herz gebrochen.“
Die schwarze Stute wieherte traurig. „Ich habe dich nicht verlassen, mein Herz. Aber meine Zeit war gekommen und als Tula mich rief, musste ich ihr folgen.“
„Aber ich musste ohne dich weiterleben“, schluchzte der alte Baron. „Ständig vermisste ich dich, hörte deine Stimme und sah dich in meinen Träumen. Ich sehnte mich so danach, dir zu folgen, aber Tula erhörte mich nicht.“
„Alles kommt zu seiner Zeit, Baron. Dein Platz war noch in Arabika, bei deinen Freunden. Aber bald werden uns wiedersehen, das verspreche ich dir. Ich muss gehen, denn Tula ruft mich. Lebe wohl, Baron. Bis später.“
„Gehe nicht fort!“, rief er traurig. „Bleibe doch bei mir.“
Maria Mandelsplitter formte mit ihren Hufen ein Herz aus Wolken und blies es hinunter zu Baron. „Mein Herz gehört dir“, hauchte sie und sprang von Wolke zu Wolke, bis sie einfach verblasste.

©Monika Litschko

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.02.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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