Gisela Segieth

Pieps das Sternenkind Teil II

Pieps das Sternenkind lernt die Gräser kennen

Kaum war Pieps das Sternenkind von der Erde zurück nach Hause gekommen, kamen in ihm ganz viele Fragen auf.
Doch zuerst musste er seinen Eltern zuhören.
Diese erklärten ihm wie gefährlich sein Abenteuer zur Erde war und wie viel Glück der kleine Pieps hatte, dass er wieder heil zu seinen Eltern zurückkehren durfte.
„Pieps, wie konntest du von der Mondschaukel fallen?" wollte sein Vater von ihm wissen.
„Ich weiß es doch auch nicht!" war die Antwort von Pieps, der dabei schuldbewusst unter sich schaute.
„Hast du denn so doll geschaukelt?" schob sofort die Mutter des kleinen Sternchens ihre Frage nach „Oder hat dich irgendjemand geschubst?"
„Nein, es war ja keiner außer mir da!" lautete die Antwort von Pieps.
„Also hast du doch zu doll geschaukelt", resümierte Vaterstern daraus „nun gut, ganz gleich wie es auch war, die Sache war sehr gefährlich. Ist dir das klar?"
Pieps nickte dazu denn er hatte schon begriffen, dass dieser Ausflug zur Erde nicht ungefährlich war. Denn als er die Eule in der Luft zum Schaukeln gebracht hatte, da hatte ihn schon die Angst gepackt. Ja, da hatte der kleine Pieps den lieben Gott darum gebeten, dass er wieder gesund zu seinen Eltern zurückkehren dürfte. Und der liebe Gott stand ihm ja auch bei. Aber ob er das beim nächsten Mal wieder machen würde? Nun, darum wollte sich Pieps in diesem Moment noch keine Gedanken machen.
Also schickte er dem lieben Gott in diesem Moment nur ein ganz kurzes „Dankeschön!"
Die Eltern, die sahen dass Pieps sehr bedrückt wirkte, nahmen ihren Kleinen liebevoll in den Arm und baten ihn dann inständig „Bitte, lieber Sohn, sei in Zukunft vorsichtiger, denn du hast dieses Mal deinen Schutzengel sehr angestrengt. Und es ist nicht gesagt, dass dieser beim nächsten Mal auch so gut auf dich aufpassen kann. Können wir uns darauf verlassen, dass du ab sofort vorsichtiger sein wirst?"
Pieps hätte in diesem Augenblick alles versprochen, deshalb versprach er seinen Eltern um was sie ihn baten auch sofort.
Kaum aber waren diese fertig damit ihrem Kind ins Gewissen zu reden, begann Pieps seinen Eltern sofort Fragen zu stellen.
„Warum sind wir Sterne hier im Himmel und nicht auf der Erde?" wollte das Sternenkind als erstes von seiner Mutti wissen.
„Weil der liebe Gott das so wollte", war sofort die Antwort der Mutter von Pieps.
„Und warum?" lautete die nächste Frage des Sternchens.
„Das weiß nur der liebe Gott", resümierte der Sternvater.
„Warum ist die Erde so weit weg von uns?" wollte Pieps nun von seiner Mutter wissen.
„Weil es eben so ist. Aber wir sind ebenso weit von der Erde weg, wie die Erde von uns", gab die Sternenmutter Pieps sogleich zur Antwort.
„Papa, wie sieht grün aus?" wollte das Sternchen gleich darauf von seinem Vater wissen.
„Mhm ja grün, also wie soll ich dir das erklären?" meinte Sternvater dazu, und kratzte sich dabei mit einem Sternenstrahl nachdenklich hinter dem rechten Ohr.
„Mutti, wie sieht eine Wiese aus wenn es hell ist?" fragte Pieps fast gleichzeitig seine Mutter.
„Eine Wiese ist..." bei diesen Worten schaute sie überrascht ihren Mann an, denn ihr fiel spontan kein Beispiel ein, anhand dessen sie ihrem Kind hätte erklären können wie eine Wiese aussieht. Doch dann begann sie „Eine Wiese ist ein Stück vom Erdenboden, auf dem sie wächst. Sie besteht aus vielen verschiedenen Gräsern, Klee, Kräutern und Blumen."
„Was ist die Erde?"sprudelte sofort die nächste Frage aus Pieps heraus.
„Nun, die Erde ist ein Planet, genau wie der Mond und die Sonne", erläuterte die Sternenmutter sofort Pieps, verschwieg ihm aber, dass alle Sterne auch Planeten sind. Denn sie wusste ganz genau, dass dann die Fragen von Pieps so schnell gar kein Ende mehr nehmen würden.
„Papa, nun sag mir doch schon wie grün aussieht", bedrängte daraufhin Pieps den Sternvater.
„Grün", begann der Vater vom Sternchen „ja genau, grün war die Tasse, die dir vor kurzem aus der Hand gefallen ist und am Boden zerschellte." erklärte nun Sternvater seinem Kind, doch das Sternchen war mit dieser Antwort längst noch nicht zufrieden.
Deshalb wollte es nun ganz genau wissen „War die denn genauso grün wie eine Wiese?"
„Nein, eine Wiese ist dunkler als die Tasse war", musste der Sternvater zugeben.
„Ja, aber wie grün ist denn eine Wiese, was ist eine Wiese und warum ist sie grün?" lautete die nächste Frage von Pieps, während seine Mutter immer noch sehr angestrengt darüber nachdachte, wie sie ihren kleinen Sohn wohl beruhigen könnte, damit er endlich zum Schlafen kam.
„Oh..." kam nun von Vaterstern „du machst es mir heute aber gar nicht leicht..." dabei überlegte er, ob ein nicht einmal dreijähriges Kind denn wirklich schon verstehen könne, was es mit der Photosynthese auf sich hat. Doch dann fiel ihm eine recht einfache Erklärung ein, die Pieps vielleicht schon verstehen könne.
Hoffentlich wäre sein Sohn damit auch zufrieden.
Er begann von Neuem „Ich will versuchen es dir zu erklären, mein Kind. Grüne Pflanzen haben auf der Erde die tolle Eigenschaft, dass sie mit der Hilfe des Sonnenlichtes Sauerstoff erzeugen können. Diesen für Menschen und Tiere lebenswichtigen Vorgang nennt man Photosynthese. Das Sonnenlicht ist dir ja bereits dadurch bekannt, dass es den Mond immer wieder hinter die Wolken vertreibt, wenn die Sonne am Himmel erscheint. Mehr über die Photosynthese wirst du in der Schule lernen. Um dir das zu erklären bist du nämlich wirklich noch zu klein."
Pieps schien sich mit dieser Antwort zuerst einmal zufrieden zu geben, doch die Fragen gingen weiter.
„Papa, ist eine Wiese immer grün?" tönte es sogleich von Pieps.
„Ja, nein, meistens..." antwortete der Vater.
„Ja was denn nun?" wollte das Sternenkind sogleich hartnäckig wissen.
„Eine Wiese ist meistens grün", kam daraufhin vom Vater.
„Wann ist eine Wiese nicht grün und wie ist eine Wiese, wenn sie nicht grün ist?" gab Pieps immer noch nicht auf.
„Eine Wiese ist nur dann nicht grün, wenn Frau Sonne zu sehr auf sie scheint. Denn dann trocknet sie aus und wird braun", befand Vater Stern.
„Wie sieht braun aus?" kam es wie aus der Pistole geschossen von Pieps.
„Nun, braun sieht so aus wie der Kuchen, den du gestern gegessen hast!" bekannte die Sternenmutter.
„Und wann passiert das, dass die Wiese braun wird?" schob Pieps sofort als Frage nach.
„Das passiert im Sommer. Denn der Sommer ist auf der Erde die wärmste Jahreszeit. Manchmal ist es dann so heiß, dass die Pflanzen verbrennen. Und dann werden sie braun..." erklärte Vaterstern nun seinem Sohn, um zu ergänzen „...und auch die Menschen und Tiere müssen sich dann vor der Sonne in Acht nehmen, damit sie ihnen nicht schadet."
„Aber Papa, das kann ich dir kaum glauben, denn uns schadet die Sonne noch auch nicht! Entschied Pieps. Der Vater von Pieps, der schlau genug war darauf erst einmal nicht zu antworten, schwieg.
„Papa, was ist Sauerstoff?" wollte Pieps als nächstes wissen.
Wieder musste der Vater von Pieps nachdenken. Doch er erkannte, dass sich der Kleine so schnell nicht zufrieden geben würde. Dann aber sagte er zu ihm „Pieps, Sauerstoff ist etwas gaaanz Wichtiges. Ohne Sauerstoff gäbe es kein Leben auf der Erde. Denn die Lungen von Menschen und Tieren brauchen den Sauerstoff um zu überleben. Wenn du größer bist wirst du das sicher verstehen, denn dann lernt Ihr auch das in der Schule."
„Was ist eine Jahreszeit", wollte Pieps nun wissen.
„Nun, die Menschen haben das Jahr in vier Jahreszeiten aufgeteilt, wie deine Mutti jeden Kuchen in mehrere Stücke aufteilt um ihn auf uns zu verteilen", erläuterte Pieps Vater seinem Kind „und zwar in Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und der Sommer ist die wärmste aller Jahreszeiten auf der Erde."
„Und was ist ein Jahr?" kam es sofort wieder von Pieps.
„Ein Jahr ist eine Zeiteinheit, wie ein Tag auch eine Zeiteinheit ist", gab der Sternvater Pieps nun bekannt.
Und bevor sein Sohn weiter fragen konnte erklärte er weiter „ein Tag ist die Zeit von Mitternacht bis Mitternacht. Du mein Sohn bekommst aber noch keinen ganzen Tag, sondern nur ein paar Stunden davon mit. Denn den Rest der Zeit schläfst du, um zu wachsen und gesund zu bleiben. Ein Jahr sind rund dreihundertfünfundsechzigTage, also viel, viel mehr als ein einziger Tag. Nun, und das Jahr teilen die Menschen halt in vier Jahreszeiten auf."
Hatten die Eltern von Pieps auch noch darauf gehofft, dass sich nun die Fragen ihres Sohnes legen würden, so hatten sie sich geirrt. Denn Pieps hatte noch viel mehr Fragen.
„Gibt es auf dem Mond auch Sauerstoff?" erkundigte sich Pieps sogleich.
„Ja, mein Sohn, auch auf dem Mond gibt es Sauerstoff", versicherte Mutterstern ihrem Kind „aber nicht in der gleichen Wiese wie auf der Erde. Denn auf dem Mond ist er nicht wie auf der Erde einfach zum Atmen da. Doch die obersten Schichten des Mondgesteins bestehen zu vierzig Prozent aus Sauerstoff.
Und mit Hilfe der Sonnenenergie kann das Gestein vom Mond aufgespalten und der Sauerstoff gelöst werden."
„Mama, was ist ein Prozent?" kam es wie aus der Pistole geschossen von Pieps.
„Nun, stell dir einmal vor ich backe einen Kuchen", begann die Mutter Pieps zu erklären „und wenn er abgekühlt ist zerschneide ich ihn nicht so wie sonst, dass für jeden von uns ein Stück da ist sondern in ganz viele Stücke."
„Dann werden daraus Krümel", unterbrach Pieps seine Mutter dem man ansehen konnte, dass ihm bei dieser Vorstellung das Wasser im Mund zusammen lief.
„Richtig", lobte die Sternenmutter ihr Kind „und jeder dieser Krümel ist ein Prozent, wenn man den Kuchen genau in einhundert Stücke geschnitten hat."
„Nur dann?" wollte Pieps es doch nun genau wissen.
„Ja, nur dann!" bestätigte Vaterstern.
„Papa, was ist denn eine Wiese wirklich und wie grün ist sie?" kehrte Pieps jetzt unvermittelt zu seinen Anfangsfragen zurück und der Vater des Sternchens, geriet dabei ins Stocken.
„Wiesen sind ein Lebensraum auf der Erde, der seit einigen Jahrtausenden durch den Menschen geschaffen und erhalten wird. Es ist ebenso ein Lebensraum, wie auch wir hier Raum zum Leben haben. Und eine Wiese ist so grün wie..." begann der Vater von Pieps, um sogleich wieder ins Nachdenken zu verfallen.
Deshalb half nun Mutterstern weiter indem sie ihrem Kind erklärte „sie ist genauso grün wie dein Schlafanzug, den du zum Geburtstag bekommen hast."
„Und wieso sagt Ihr mir das nicht gleich?" wollte Pieps nun doch wissen. Dabei legte er seine kleine Stirne in Runzeln, so wie er das immer bei den Erwachsenen sah wenn sie den Verdacht hatten, dass er flunkerte.
„Manchmal geht es uns genau wie den Menschen auf der Erde und uns fallen die nächstliegendsten Sachen einfach nicht gleich ein", gab der Vater von Pieps lachend zu.
„Warum ist das so?" erkundigte sich das Sternenkind sogleich.
„Das kann ich dir nicht sagen und ich fürchte deine Mutti auch nicht", meinte Pieps Vater nur kopfschüttelnd.
Währenddessen ergänzte die Mutter von Pieps lachend „Nein, auch ich habe keine Antwort auf diese Frage!"
„Aber wie sieht denn nun eine Wiese aus, wenn es hell wird? Und wie sehen dann die Gräser aus?" ließ Pieps nicht locker „Ich möchte es doch sooo gerne wissen!"
„Nun, eine Wiese ist grün wie wir dir ja schon gesagt haben, und zwischen dem Grün leuchten bunte Blumen auf", setzte der Vater von Pieps noch einmal an „du kannst sie dir vorstellen wie einen großen Teppich aus Sternenstaub. Aber siebzig Prozent der Wiesen machen grüne Gräser aus und den Rest Blumen. Goldenen Sternenstaub findet man hingegen bei keiner einzigen Wiese."
„Ja, dass kein Sternenstaub da ist, das haben die Gräser und Blumen mir auf der Erde auch gesagt", erklärte nun Pieps seinen Eltern ganz stolz darauf, dass er das schon wusste.
„Was sind Gräser und wie sehen sie aus?" lautete die nächste Frage von Pieps.
Doch seine Eltern sahen ihm an, dass ihr Kind hundemüde war.
Deshalb sagten sie nun rasch zu Pieps „Kleiner Pieps, wir wissen du hast noch ganz viele Fragen an uns, aber spar sie dir auf und geh nun zuerst einmal schlafen. Wir werden dir deine Fragen ganz sicher noch alle beantworten. Aber morgen ist auch noch ein Tag."
„Warum denn?" kam es gerade noch von Pieps, als ihm die Augen schon zufallen wollten. Und so nahm die Sternenmutter ihr Kind auf den Arm und trug es zu seinem Bettchen.
„Komm mein Kind, wir ziehen dich nun ganz schnell aus", erklärte sie ihrem Kleinen „und dann werden wir zusammen noch ein Gute Nacht Gebet beten bevor du einschläfst."
„Oh ja, wir beten", freute sich der kleine Pieps, der mit seinen Eltern zusammen so gerne betete. Dabei rieb er sein Näschen an der Wange seiner Mutter, wie er es immer tat wenn er ganz furchtbar müde war. Seine Mutter zog ihn währenddessen aus.
Nach seinen Geschwistern hatte Pieps, der sie doch sonst so lieb hatte, vor lauter Fragen und Müdigkeit noch gar nicht gefragt.
Und auch seine Eltern kamen noch gar nicht dazu ihm zu erzählen, was es in der Familie neues gegeben hatte. Aber dafür wäre ja am kommenden Tag immer noch Zeit genug.
„Mutti, darf ich den Wiesenschlafanzug anziehen?" fragte Pieps mit ganz müdem Stimmchen.
„Ja, mein Kleiner, das darfst du nach diesem anstrengenden Ausflug", meinte diese daraufhin lachend zu ihrem Sohn „Ich hole ihn geschwind aus dem Schrank."
Sie setzte Pieps in sein Bettchen und ging zum Schrank um den Schlafanzug zu holen.
Ruck zuck war der Schlafanzug angezogen und Pieps lag im Bettchen. Seine Mutter setzte sich zu ihm und sein Vater stand währenddessen in der Kinderzimmertür.
Dann begannen Pieps und seine Mutti zu beten „Lieber Gott mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm." Und noch bevor ein Amen ausgesprochen werden konnte befand sich der kleine Pieps bereits im Land der Träume.
Dort aber erlebte er sogleich das nächste Abenteuer.
Denn kaum war der kleine Pieps eingeschlafen begegneten ihm ganz viele Gräser.
Zwar konnte er sie nicht sehen doch er hörte sie ganz intensiv rascheln.
Und sogleich fragten sie ihn „Pieps, willst du zu uns kommen und uns ein wenig Gesellschaft leisten in deinem grasgrünen Schlafanzug?"
Pieps rief dazu ganz laut „Ja! Ich komme, ich komme, ich komme gerne mit Euch!"
Und schon befand er sich auf dem Weg zu den Gräsern.
Hei war das eine Fahrt.
Schneller als der Wind sauste er auf einmal über eine ganz große Rutsche vom Mond hinunter zu den Gräsern, wo er ganz weich landete.
Kaum angekommen begrüßten die Gräser ihn „Hallo Pieps, schön dass du zu uns herunter gekommen bist. Wir haben nämlich gehört, dass du gaaanz neugierig darauf bist zu erfahren wie wir bei Tag ausschauen. Deshalb haben wir extra alle Glühwürmchen zusammen gerufen, die hier einen ganz großen Scheinwerfer für dich errichtet haben. Also, schau dich bei uns ruhig einmal um. Sind wir nicht schön?" riefen sie alle durcheinander.
Pieps traute seinen Augen kaum, als er sich umsah.
Da waren sooo viele ganz verschiedene Gräser in ganz unterschiedlichen Größen, die ihn alle sehr freundlich anschauten und sich sogleich daran machten sich vorzustellen.
„Hallo, ich bin der Atlasschwingel" meldete sich der erste Grashalm zu Wort, der selbst noch ein Stückchen größer war als der kleine Pieps.
Das Sternenkind musste schmunzeln, als es diesen lustigen Namen hörte. Einen so lustigen Namen hatte es nämlich noch niemals gehört. Doch er tat das ganz heimlich und verstohlen, denn er wollte ja nicht den Atlasschwingel verärgern.
Dieser reichte freundlich dem Sternenkind eins seiner graugrünen Blätter, um ihm die Hand zu geben. Und seine gelblichgrünen Blüten nickten freundlich dazu.
„Ich bin Pieps, das Sternenkind", antwortete das kleine Sternchen artig. Dabei schlug es gaaanz vorsichtig mit einer Strahlenspitze in das ihm hingestreckte Blatt des Atlasschwingels ein.
„Wir sind Bärenfellgras, schau dir nur mal unsere langen Blätter an. Sind sie nicht schön?" fragten sogleich die nächsten Grashalme, die grün, aber viel kleiner waren.
„Oh ja, sie sind wirklich schön." gab das Sternchen fröhlich zur Antwort, dem die nadelförmigen Blätter des Bärenfellgrases wirklich gut gefielen.
Sehr vornehm stellte sich gleich darauf das Diamantgras vor, wobei es seine bräunlichen Blüten sanft hin und her wiegte. Auf die gleiche Art und Weise lernte das kleine Sternenkind Pieps nun auch alle anderen Gräser auf der Wiese kennen, die sich ihm stolz präsentierten.
Mit gaaanz großen Augen schaute es sich um, um dann aber gleich zu fragen „Ihr seht alle so verschieden aus, seid Ihr wirklich alle grün?"
Darüber mussten die Gräser laut lachen.
Doch sogleich erwiderten sie im Chor „Ja, wir sind alle grün, aber wir tragen nicht alle die gleiche grüne Farbe wie du siehst. Denn es gibt ganz viele unterschiedliche Grüntöne."
„Waruuum?" wollte der neugierige Pieps nun wissen.
„Nun, dafür gibt es ganz viele unterschiedliche Gründe", meinte das Diamantgras nur dazu.
„Schau, es gibt auf der Erde ganz viele verschiedene Grasarten, wie es auch ganz viele verschiedene Tiere und Menschen gibt." erklärte das Föhngras, das viel größer war als Pieps. Und Pieps sah, dass es ganz viele Halme hatte, an dem noch mehr gelblich-weiße Blüten hingen.
„Und warum ist das so?" wollte Pieps nun von den Gräsern wissen.
„Das liegt zum Einen daran, dass wir ganz verschiedenen Grasfamilien angehören." erklang gleich die Stimme des kleinen Lampenputergrases, das mit seinen walzenförmigen Ähren sehr kompakt hinter dem Sternenkind stand.
„Hast du denn keine Verwandten?" wollte neugierig das Moskitogras von Pieps wissen, das sich auf einmal vor dem Sternenkind postiert hatte, als wolle es dem kleinen Pieps eine Lehrstunde erteilen.
Zuerst erschrak der kleine Pieps darüber, der damit nicht gerechnet hatte.
Aber da es sehr hübsch mit seinen überhängenden Blütenständen und den wenigen, dafür jedoch sehr großen Ähren aussah, fürchtete sich Pieps nicht weiter vor ihm.
Stattdessen antwortete Pieps „Oh doch, natürlich habe ich Verwandte. Warum fragst du mich?" Dabei strich es in seiner Neugierde ganz zart über die braunen Blüten des Grases.
„He, was machst du denn da?" lachte daraufhin das Moskitogras, woraufhin das Sternenkind verlegen errötete.
„Hab ich jetzt was gemacht, was ich nicht darf?" wollte es sodann kleinlaut wissen.
„Nein, nur keine Sorge, es hat nur gekitzelt.", beruhigte das Moskitogras sogleich das Sternchen. Dann fragte es Pieps „Ja sag mal, sehen deine Verwandten denn alle gleich aus?"
„Nee, soviel ich weiß nicht", erklärte daraufhin das Sternenkind „meine Verwandten unterscheiden sich alle voneinander." Sogleich wollte es von seinen Verwandten erzählen, doch das Reitgras kam ihm zuvor.
„Na siehst du, und genauso ist das auch bei uns Gräsern!" stellte das hoch gewachsene Reitgras, mit seinen langen steifen Ähren und den auffälligen blonden Rispen, fest „Auch wir unterscheiden uns voneinander, genau wie deine Verwandten von dir."
„Waruuum?" fragte das kleine Sternenkind weiter, und seine Kulleraugen wurden immer größer vor Neugierde.
„Nun, das kommt zum Beispiel darauf an wo wir wachsen", ertönte es aus dem Mund der Riesen-Segge, eines stattlichen Schattengrases, das Pieps nun neugierig mit seinen braunen Blüten berührte.
„Du kitzelst!" stellte Pieps sogleich fest und das Reiter-Gras entschuldigte sich sofort höflich bei Pieps.
„Aber es kommt noch auf sehr viel mehr an", ergänzte sogleich die hochgewachsene Rotblättrige Rutenhirse, die sich an dem kurzen Zwischenspiel nicht weiter störte.
„Auf was?" gab sich Pieps immer noch nicht geschlagen.
„Zum Beispiel darauf, welche Bodenbedingungen wir haben", erläuterte nun die vornehme Schnee-Hainsimse, mit ihren cremefarbenen Blüten, die von den anderen auch Schneemarbel genannt wurde.
„Warum? Ist der Boden denn nicht überall der gleiche Boden?" wollte das Sternchen sodann wissen.
„Nein, wo denkst du hin?" gab die Wald-Hainsimse dem Sternenkind zur Antwort und schüttelte dabei ihre breiten, glänzend dunkelgrünen Blätter.
„Warum nicht?" kam es von Pieps, der so langsam gar nichts mehr verstand.
„Nun, an manchen Stellen ist der Boden sehr feucht...", setzte das Wimpernperlgras mit seinen dichten Ähren und den silbrig-gelb glänzenden Blüten an.
„An anderen Stellen aber wieder ist er sehr trocken", vollendete das Zittergras den Satz
„Und dann gibt es noch viele weitere Bodenunterschiede für uns.", ließ sich nun wieder das Atlasschwingel verlauten, das Pieps ja als erstes begrüßt hatte.
„Aber Pieps, es würde viel zu weit führen dir all das erklären zu wollen. Du wolltest wissen wie wir ausschauen als du eingeschlafen bist und diesen Wunsch haben wir dir erfüllt. Nun schau dir noch einmal unsere schöne Wiese an, bevor die Blumen aufwachen. Denn sonst kommst du heute Nacht nicht wieder in dein Bettchen zurück.
Die Blumen sind nämlich ganz neugierige Pflanzen, die dich sonst so schnell nicht wieder zurück lassen würden." erklärte nun das Diamantgras dem kleinen Pieps.
„Seid Ihr auch Pflanzen?" fragte Pieps sehr neugierig in die Runde.
„Oh ja, natürlich gehören wir zu den Pflanzen, aber es gibt gaaanz viele verschiedene Pflanzen auf der Erde." bekräftigte nun die Schneemarbel.
„Waruuum?" wollte das Sternenkind nun wissen.
„Warum scheint dein Lieblingswort zu sein, lieber Pieps", lachte das Zittergras in diesem Augenblick laut auf und zitterte dabei ganz gewaltig.
Pieps schaute es deshalb ganz erschrocken an.
Seine großen Kulleraugen fragten dabei „Brauchst du Hilfe?" doch Pieps traute sich in diesem Moment nicht etwas zu sagen. Denn ihm lag schon wieder ein neues „Warum?" auf der Zunge.
Was aber würde passieren wenn er dies nun unachtsam aussprach?
Würde dann womöglich nicht nur das Zittergras, sondern die ganze Erde zu zittern beginnen?
Das Sternenkind wollte lieber nicht weiter darüber nachdenken. Es machte sich zwar ein paar Gedanken dazu, kam damit aber nicht weit.
Denn schon ertönten die nächsten Erklärungen, diesmal von der Riesen-Segge.
„Nun, es gibt so viele Pflanzen, weil der liebe Gott uns so viele verschiedene Pflanzenarten auf der Erde geschenkt hat!" erklärte diese jetzt dem Sternchen.
„Oh, das ist aber gemein!" meinte das Sternenkind mit tränenerstickter Stimme „Uns hat der liebe Gott gar keine Pflanzen auf dem Mond geschenkt. Dabei bete ich jeden Abend vor dem Schlafen gehen zum lieben Gott."
Und sogleich fragte es die Gräser „Mache ich denn beim Beten irgendwas verkehrt?"
„Nein, kleiner Pieps", beeilte sich das Diamantgras rasch zu versichern „bei Euch auf dem Mond ist nur ein ganz anderes Klima als hier auf der Erde. Und auch eine ganz andere Bodenbeschaffenheit liegt bei Euch auf dem Mond vor. Doch genau daran liegt es, dass bei Euch keine Pflanzen, keine Tiere und keine Menschen leben können."
„Das ist aber schaaade!" kam es nun ganz traurig von Pieps, der aber gleich darauf wieder fröhlich meinte „Dann hat das wirklich gar nichts mit meinen Gebeten zu tun? Und auch sonst mit nichts, was ich da oben mache?"
„Nein, wirklich nicht!" beendete das Moskitogras die Diskussion, um das Sternenkind noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Blumen bald erwachen würden und es somit Zeit für den kleinen Pieps würde, Abschied zu nehmen.
„Schau dich noch einmal ganz genau bei uns um. Damit du den Anblick von Gräsern niemals vergisst. Denn wir dürfen dich nur ein einziges Mal zu uns herunter holen." erklärte dem Sternchen nun mit einer sehr traurigen Stimme das Reitgras „Und dann vergiss uns nicht wenn du aufwachst, denn sonst wäre unsere Mission vergebens gewesen. Wir möchten nämlich, dass du dort wo du zu Hause bist auch allen anderen von uns erzählst."
Das Sternchen sah sich daraufhin so intensiv auf der Wiese um, als müsse es das Bild das es sah mit auf den Mond nehmen. Dann verabschiedeten sich alle Gräser von Pieps, ihn dabei fest in ihre Halme schließend.
Und sogleich ging es schnell wie der Wind zurück ins Bettchen mit dem kleinen Sternenkind. Dort aber schlief Pieps noch gaaanz lange, denn der Ausflug zu den Gräsern hatte ihn ganz furchtbar müde gemacht.
Als Pieps aufwachte stand längst die Mittagssonne am Himmelszelt und das Sternenkind wunderte sich, dass alle schon am Kaffeetisch saßen, als er endlich sein Bettchen verließ. Ausgehungert war er vom langen Schlaf und voller Fragen. Doch zuerst musste er sich die Schlafmännchen aus den Augen wischen, die ihm die Sicht noch erschwerten.
Dabei fragte sich Pieps „War ich nun bei den Gräsern, oder habe ich das nur geträumt?" Dann aber entschied er, dass wenn er bei den Gräsern war seine Eltern ihn ganz sicher danach fragen würden. Also ließ er es darauf bewenden erst einmal abzuwarten, was seine Eltern ihm zu sagen hätten.
Und so stapfte er mit nackten Füßchen in die Küche, wo er mit einem gähnenden „Guten Morgen!" die Familie begrüßte. In der Küche fand er sich, so schlaftrunken wie er war noch nicht richtig zurecht.
Deshalb wäre er fast in den offenen Schrank gelaufen.
Ein fröhliches „Guten Tag Pieps, auch schon ausgeschlafen?" hallte ihm von seiner Familie entgegen, die über den Anblick, den Pieps bot, nur herzlich lachen konnte.
Schon wollte er sich umdrehen um zurück in sein Bettchen zu gehen, da er das Gefühl hatte ausgelacht zu werden, was er gar nicht mochte. Dann aber ließ er sich nicht zweimal bitten an den Tisch zu kommen, wo er gleich in den Sternenkindersitz gesetzt wurde.
Fröhlich begann er zu essen, bevor er mit vollen Backen die ersten Fragen stellte.
Und diese begannen mit „Warum..."
„Warum gibt es ganz viele unterschiedliche Gräser?" war die erste wichtige Frage von Pieps an seine Eltern, die sich darüber wunderten woher der Kleine das wusste.
Schließlich wussten sie ja nicht, dass ihr kleiner Sohn im gerade vergangenen Traum das Reich der Gräser kennen gelernt hatte.
Deshalb schauten sie sich nur kurz an und nickten sich zu.
Dann meinten sie lachend zu ihrem kleinen Sohn „Liebes Kind, nun frühstücke zuerst einmal. Und damit du es weißt, man spricht nicht mit vollem Mund. Bitte merke dir das gut denn das ist etwas, was du für dein Leben brauchst."
Später kannst du uns dann alle weiteren Fragen stellen.
Die großen Geschwister von Pieps stießen sich unter dem Tisch gegenseitig an und lachten laut auf. Wie oft hatten sie diesen Spruch von ihren Eltern schon gehört, bis sie sich ihn endlich merkten.
Doch das sagten sie ihrem kleinen Bruder natürlich in diesem Moment nicht.
Stattdessen wollte sie von Pieps wissen "Na Brüderchen, wie war denn dein Ausflug zur Erde?"
Doch Pieps blieb still, denn er hatte sich gerade eben wieder den Mund vollgestopft und noch die Mahnung der Eltern im Ohr.
Aber kaum war der Mund leer, da begann er zu erzählen. Die Geschwister hörten ihm dabei sehr aufmerksam zu. Im Anschluss daran meinten sie "Schade, dass du uns zur Erde nicht mitgenommen hast, doch bevor du den nächsten Ausflug machst sag uns bitte Bescheid."
Bei diesen Worten strahlte der kleine Pieps von einem Ohr zum anderen, doch den Ausflug zu den Gräsern, den hielt er geheim.
Aber zu seinen Eltern gewandt kam sogleich von dem kleinen Pieps die Frage "Waaarum......?"
 
Fortsetzung folgt!

Copyright: Gisela Segieth 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.02.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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