Christa Astl

Lebendiges Feuer

 

 

Heute verspricht ein schöner Wintertag zu werden. Außentemperatur -10°, innen hat es am Morgen auch nur +17°, also muss ich sofort einheizen. Im Ofen, denn er ist meine einzige Wärmequelle im Haus.

Während das Feuer lustig brennt und der Ofen wohlige Knackgeräusche von sich gibt, sitze ich bei festlicher Musik, Kaffee und Kuchen allein am Frühstückstisch. Es ist so gemütlich und still, ich möchte niemanden hier haben, der diese Idylle nur stören würde.

Der dicke Eiszapfen klettert wie jeden frostigen Morgen an der Kette von der Dachrinne bis zum Boden herunter.  Bald wird ihn die Sonne wieder vernichten.

Doch noch steckt sie hinter dem Berg. Jeden Morgen warte ich gespannt, wann und wo sie aufgeht, minimal ändert es sich von Tag zu Tag. Und dann, wie im Sprung, ist sie plötzlich da. Im Gebälk kracht es, weil sie drauf scheint, eine Solaranlage würde schon zu heizen beginnen. Mein Ofen tut es auch, aber er braucht meine Hilfe.

Ofenwärme ist mit allen Sinnen aufnehmbar:

Den Duft des Holzes riechen, manchmal auch den Rauch,

Das Knacken im Ofen hören, wenn er sich erwärmt,

Die Flammen sehen, ihr wechselndes tanzendes Spiel beobachten,

Hände und Füße bewegen zum Holz holen und nachheizen beanspruchen,

Dann die aufsteigende wohlige Wärme genießen.

Es ist ein lebendiges Feuer, lebt, man kann sich mit ihm nicht einsam fühlen. Mir erscheint es wie ein Freund, ich kann mit ihm sprechen, versuche seine Wünsche zu erahnen und zu befriedigen, und freue mich, wenn die Flammen hell auflodern.

Ein täglich neues Gesamtkörpererlebnis. Und Freude erfüllt Körper und Seele. Verbindung, auch hier eins sein mit der Natur, denn Feuer ist natürlich.

Wie trist, wie langweilig ist es, nur auf einen Knopf zu drücken, und schon wird es warm. Oft nicht einmal mehr das, denn die meisten Heizungen sind automatisch geregelt und nach der Außentemperatur gesteuert. Im Haus herrscht immer die gleiche Temperatur, mag sie draußen noch so schwanken. 

Ich nehme den Wechsel bewusst wahr, besonders am Morgen, da ich natürlich in der Nacht nicht heize. Nach kalten frostigen Nächten sinkt die Temperatur schon mal auf 16°, da muss ich mehr und länger einheizen. Aber sobald die Sonne durch die Fenster scheint, lasse ich das Feuer ausgehen. Dann wärmt ihr Licht durch die Scheiben. Zurzeit begrüßt sie mich am Frühstückstisch.

Vor dem Einheizen darf ich mir eine Nase voll Frischluft holen, wenn ich die Asche entleere. Wenn das Wetter trocken ist, gehe ich gleich die 50 Schritte zum Kompost damit (es ist ja nur Holzasche), sonst habe ich einen Kübel vor dem Haus. Anzündholz richte ich allerdings schon Tage zuvor. Die Freude, wenn es gleich mit dem ersten Zündholz brennt! Sofort fühle ich mich selber wärmer.

 

Das einfache Leben, wie sehr genieße ich es!

 

ChA 13.02.2022

 

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