Francois Loeb

EDIT

Erinnerungen? Träume? Lassen wir uns von der Welle tragen! Wie, zu erfahren in der neusten Wochengeschichte aus meiner Feder:

Ich traf sie am Strand. Blaues Meer, dunkle Wolken. Regen oder Sturm war die Frage. Ich kannte mich nicht aus in diesem fremden Land. Sie schon. War hier geboren. Von einer überirdischen Schönheit war sie. Wagte mich nicht, sie anzusprechen. Obwohl unsere Blicke sich täglich trafen. Sie im Strandkorb halbsitzend liegend. Ich mich im Sand fläzend. Nun dachte ich, das Wetter kommt wie gerufen. Ein Grund, sie anzusprechen. Musste es ja wissen! Ab Mittag verkaufte sie am Eisstand Gelatis. Stets mit einem verschmitzten Lächeln. Strich sich von Zeit zu Zeit die blonde Haarsträhne von der Stirn, was mir besonderen Gefallen brachte. Träumte das eines Tages selbst für sie unternehmen zu dürfen. Aber ansprechen? Dazu reichte mein Mut nicht. Befürchtete die Abweisung. Den Korb. Nein, nicht den Strandkorb. Den Abweisungskorb. Die so schmerzliche Zurückweisung. Eine flapsige Bemerkung, die mich dann mit ihren neun Buchstaben monatelang verfolgen würde. Hin und her war ich gerissen. Klaubte dann die kleinen Geldstücke zusammen, um damit eine kleine Kugel Eis bei ihr zu kaufen. Dabei ihr in die Augen blickend. Hoffend, dass sie genau in diesem Augenblick die Haarsträhne zurück wischen würde. Schwor mir, sollte das erfolgen, sie dann anzusprechen. Wenn nicht, habe das Schicksal gegen mich entschieden.
Sie strich. Ich sprach sie an. Fragte nach ihrem Namen. „Edit ohne Schluss h", dieses streiche sie mit der Haarsträhne jeweils fort, obwohl jene ewig wiederkäme. Beinahe wie ein Gespenst auf vier Beinen mit einer durch das H leiterhaften Verbindung dazwischen. Edit, was für ein wundervoller Name, der alle romantischen Zellen meiner Seele ansprach. Und die leiterhafte Verbindung! Konnte doch durch die Auswechslung zweier Buchstaben eine gänzlich andere, extrem spannende Bedeutung erhalten. Lasterhaft. Tief befriedigt über meinen Mut und den neuen, erweiterten Wortschatz trollte ich mich mit Eis davon, um dann im Sand zu träumen. Mir das irdische Paradies vorzustellen, mich in diesem in Zeitlupe zu bewegen, auf dass keine tausendstel Sekunde meines Glücks verloren gehen konnte.
Dieses Glück dauert bis heute an. Denn wenn ich bei meiner Arbeit Edit immer wieder begegne, leuchten meine Augensterne auf und ich versinke im Edit Taumel. Besonders jetzt in meinem hohen Alter. Indem die Erinnerungen an die Jugend so plastisch vierdimensional erscheinen! EDIT! Ganz ohne H. Täglich. Manchmal stündlich oder auch minütlich. Jedes Mal und immer, wenn auf meinem Bildschirm das Wort EDIT (ganz ohne h) auftaucht …

Vergeben Sie eine Sterne Bewertung dieser Geschichte:
direkt zur Bewertung >>

Einen Kommentar zu dieser Geschichte abgeben >>

Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

W E L L E N

Augensterne
Ganz nah
Und in der Ferne
Leise fluten
Die alternd Seele.

Bald zaghaft
Dann echohaft rasend schnell
Im misslich Schlechten
Wie im glückhaft Guten.

Weshalb damals
Mit halbem Herzen nur erkannt
Deshalb jetzt der undurchdringlich
Gestrüppte Erinnerungswald!


Herzlichst
François Loeb
 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Francois Loeb).
Der Beitrag wurde von Francois Loeb auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.02.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Der Autor:

  Francois Loeb als Lieblingsautor markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Seelenfarben von Eveline Dächer



Dieser Lyrikband malt ein Kaleidoskop meines Lebens
Er gibt einen Einblick in mein Innerstes, meine Seele.
Hier spiegelt sich eine Farbpalette von kristallenem Hell
Über alle Regenbogenfarben bis zum tiefsten Dunkel.
Das Auf + Nieder des Lebens - Gedichte und Bilder, die in die Tiefe gehen.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Raben-Mütterliches" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Francois Loeb

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Lippen Schürzen von Francois Loeb (Hoffnung)
Tod mit etwas Humor aufbereitet. von Norbert Wittke (Zwischenmenschliches)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen