Angie Pfeiffer

Bis dann mal

Fünf Uhr morgens. Eine fast durchfeierte Nacht. Eine dieser kitschigen und ständig überfüllten Rockkneipe.
Ich langweilte mich, bis mich ein Typ ansprach, der irgendwie anders war. Er interessierte mich so sehr, dass ich sogar seine Einladung zu einer viel zu süßen Pina Colada annahm. Anschließend begleitete ich ihn in seine Bude zwei Treppen über der Kneipe. Er war Dozent an der Uni. Das imponierte mir. Ich machte mich zwei Jahre älter, gab mich als Germanistikstudentin aus. Mein Bruder studierte das Fach und ich hatte ihm immer gut zugehört … An diesem Abend küsste er mich, aber nicht mehr.
Wir trafen uns öfter und irgendwann beichtete ich ihm, dass ich wegen des Studiums und der zwei Jahre geflunkert hatte. Er tat, als wäre er schockiert, aber eigentlich machte ihn das an und endlich schlief er mit mir.
Allerdings blieb unsere Beziehung merkwürdig: Solange ich mich nicht bei ihm meldete und ihn bestimmen ließ, sahen wir uns regelmäßig. Wir gingen zusammen in Bars oder Clubs. Er ließ mich am Wochenende bei sich übernachten und wir liebten uns, als würde es kein Morgen geben.
Irgendwann war mir das nicht genug. Deshalb meldete ich mich spontan bei ihm, stand unangemeldet vor seiner Tür. Er hatte gerade Bekannte zu Besuch und die ganze Sache war irgendwie peinlich für alle. Als Folge wimmelte er mich immer wieder ab, hatte Termine, keine Zeit, einfach keine Lust auf ein Date. Schließlich rief ich ihn an. Bat um ein klärendes Gespräch. Er willigte ein und zu letzten Mal stieg ich die knarzenden Stufen zu seiner Bude hinauf. Im Treppenhaus roch es nach Schimmel und nassem Hund. Er erwartete mich an der Wohnungstür und schien bester Laune zu sein. „Ich bin dabei meine Wäsche zu waschen“, erklärte er. „Die Maschine müsste gleich schleudern. Wenn du dich draufsetzt und ich dich dabei v …“ An dieser Stelle unterbrach ich ihn. „Ne, lass mal. Ich denke wir müssen erst reden, dann können wir immer noch vögeln.“
Er fasste mir mit beiden Händen an den Hintern und buxierte mich in Richtung Waschmaschine. Ich wich ihm aus. „Hast du vielleicht einen Kaffee?“
„Gern.“ Er versuchte mich zu küssen, aber ich drehte den Kopf weg.
„Also, du wolltest mit mir reden.“ Endlich schien er zu kapieren.
„Deshalb bin ich hier. Ich wollte dir sagen, dass es so nicht weitergeht. Willst du mich denn überhaupt noch sehen?“
"
Wieso denkst du, dass ich dich nicht mehr sehen will?“
„Du gibst mir das Gefühl...“
„Das tut mir leid“ Er umarmte mich, ich ließ es geschehen.
Liebe eben …
„Also, verzeihst du mir jetzt?“, fragte er und küsste mich. Ich lachte und ließ ihn machen. Von meinem Mund aus küsste er mein Gesicht, dann den Hals, arbeitete sich zu meinen Brüsten vor.

„Vielleicht verzeihe ich dir“, sagte ich und fand mein eigenes Kichern blöd. Das war wohl der Moment … Ich wandte mich aus seinem Griff.
„Was ist denn jetzt schon wieder los?“, fragte er.
„Sorry! Ich muss gehen.“
„Ja dann.“
Ein bisschen hatte ich gehofft, er würde mich bitten zu bleiben. Stattdessen fummelte er an der Waschmaschine herum.
„Okay, bis dann mal“, murmelte ich.
Er begleitete mich zur Wohnungstür und küsste mich zum Abschied flüchtig auf den Mund, berührte kaum meine Lippen. Ich eilte die Treppe hinunter, hielt den Blick geradeaus. Das war’s wohl.

Aus der Kneipe dröhnte Rockmusik. Ich schaute hinauf zu seinem Fenster, erkannte den Schatten hinter den Vorhängen.

 

Vorheriger TitelNächster Titel
 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Angie Pfeiffer).
Der Beitrag wurde von Angie Pfeiffer auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.02.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

Die Autorin:

  Angie Pfeiffer als Lieblingsautorin markieren

Bücher unserer Autoren:

cover

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel von Nina Mallée



Epilepsie – was ist das eigentlich? Gute Frage... denn wie ich immer wieder mit Entsetzen feststellen musste, wussten selbst ein Großteil der von mir und anderen Betroffenen konsultierten Neurologen keine vernünftige Antwort darauf, geschweige denn Allgemeinmediziner jedweder Art und erst recht nicht Otto – Normalverbraucher. Völlig außer Frage steht, dass Epilepsien oft mit geistigen Behinderungen einhergehen, was aber nicht heißt, dass das eine mit dem anderen gleichzusetzen ist. Dieses Buch soll deshalb auch nicht als medizinisches Handbuch dienen, sondern lediglich als ein Beweismittel, dass es auch anders geht, wenn man nur will oder allenfalls eine Art Gebrauchsanleitung für den Umgang mit solchen und ähnlichen Problemen. Es sind, wenn man so will, Geschichten aus dem wahren Leben, die ich hier beschreibe und Konfliktsituationen, für deren Bewältigung sich mal eine mehr, mal eine weniger elegante Lösung findet.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (2)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Liebesgeschichten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Angie Pfeiffer

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Älter werden von Angie Pfeiffer (Gedanken)
Disteln im Haar von Martina Wiemers (Liebesgeschichten)
Rosalie von Christiane Mielck-Retzdorff (Satire)

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen