Elke Müller

Amerika....

Heikas Verfassung verbesserte sich um jeden Tag. Nach weiteren drei Tagen rüsteten sie sich zum Aufbruch. Es war sonnig und warm. Sie versorgten die Tiere, stillten ihren Hunger, dann war man bereit. Sie wussten ihr Weg war nicht ungefährlich. Redmon und Heika waren noch nicht lange unterwegs, saßen auf ihren Pferden und sahen das etwas heruntergekommene Farmhaus vor ihnen misstrauisch an. Das Grundstück war total verwildert und hatte bestimmt schon bessere Tage gesehen. Innen sah das Haus nicht so schlecht aus wie gedacht. Man könnte es einigermaßen wohnlich machen, mit einem nicht all zu großen Geldbetrag. Ein Hügelgrab deutet darauf hin, das es schon seit langen keinen Besitzer mehr gehörte. Die Blockhütte stand an einem See, man konnte von hier aus weite Streifzüge durch das Land machen. Der Wald bot vielerlei Tiere und so manchen Hasen bekam man wohl selten gar kaum zu Gesicht. Das Haus war nicht all zu groß, bot aber alles, wenn keine besonderen Ansprüche gestellt werden. Die Balken waren noch mit der Axt zugehauen, die Ritzen mit Moos verstopft und das Dach mit Gras und Moos gedeckt. Ein Kamin in der Mitte sorgte für Wärme und Rauch. Heika beobachtete stirnrunzelnd Redmon bei seinen Erkundungen eine Weile schweigend zu. Fragen gingen durch seinen Kopf. Legte dann kurz die Hand auf seine Schulter„ Was ist? Gefällt dir was du siehst? Jeder Versuch von euch Weißen, uns zu Farmer zu machen ist gescheitert. Hier gibt es Orte, die einen verändern können,“ fragte Heika und grinste. „ Also, was willst du nun machen? Hier wäre die Chance, über dein Leben selbst zu entscheiden. Es ist dein Weg und deiner allein… Und, wirst du zurück kommen?“ Für Redmon, war die Freiheit wichtig, die er zu schätzen gelernt hatte und nicht verlieren wollte. Denn er war wie viele abgerissen und hungrig, nun ein Exsoldat der Südstaaten. Auch dachte er an Salida. Wie hoch war seine Chance, das sie einwilligte mit ihm zu kommen? Liebe konnte man eben nicht erzwingen, sie muss von selbst kommen. Aber er hatte sich schon lange danach gesehnt endlich zur Ruhe zu kommen. „ Man kann es drehen und wenden, im Moment kann ich ausgesprochen zufrieden sein mit meinem Abgang bei der Armee. Ich bin mir sicher, mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. Doch ich weiß, irgendwer mischt sich immer in mein Leben ein. Davon habe ich genug!… Also ja, ich werde zurück kommen.“ „ Klingt doch gut… Dann, suche nach Dir selbst, für Dich selbst und durch Dich selbst. Erlaube nicht dass andere deinen Weg begleiten. Aber niemand kann ihn für dich gehen.“ Heika lächelte ihn an. Redmon schwang sich auf seinen Rotfuchs, reichte Heika die Hand. Ich weiß nicht, wie viele Stunden ich unterwegs bin. Sagen wir, wir treffen uns in einen Monat wieder hier, abgemacht?“ Heika nickte. Stand noch einen Augenblick da und sah ihm nach. Drehte sich dann um und ging zu seinem Pferd, stieg auf und beide trabten langsam davon in Richtung Norden.
Es wurde spät. Der Himmel war dunkelrot als Heika ankam. Er konnte die kalte Luft und den Regen spüren. Im Zeltlager herrschte reges Treiben. Ein Händler mit seinen Wagen war gekommen, umringt von neugierigen Frauen, Mädchen und Männern. Es sah friedlich aus. Heika war etwas verwirrt und wartete etwas ab, drängte sich dann durch das Gewühl, bedacht kein Aufsehen zu erregen. Er sehnte sich nach etwas Ruhe. Er fühlte sich noch nicht ganz fit, seit er krank geworden war. Ein Rest Fieber steckte wohl noch in ihm. Jetzt hatte er Durst und Hunger. Er schlenkerte ziellos durch das Lager. Ging einen sanften Hügel hinauf, wo das Zelt seines Vaters stand. Öffnete die Türklappe und trat hinein. Gleich am Eingang war säuberlich Feuerholz gestapelt. Ein würziger Geruch nach weißen Salbei, Nadelholz und von verbrannten Zedernzweige sowie aromatischer Pfeifenrauch lag in der Luft. Ein großer Traumfänger hing vor dem Rauchabzug herab. Der vom kochen geschwärzte Kessel hing über der erloschenen Feuerstelle. Heika schloss die Augen, sog den Duft tief ein. Er wollte gerade das Zelt wieder verlassen, als Ashley eintrat. Erschrocken legte sie eine Hand auf den Mund und schüttelte den Kopf. Schloss kurz die Augen und sah Heika an. Ihre Augen waren jetzt schwarz und unergründlich geworden. Sie war wütend und durcheinander, aber auch von einer prickelnden Aufregung erfasst.Du hast eine weite Reise hinter dir.“ Ihre Augen füllten sich mit Tränen. Sie seufzte. „ Ich koche erst einmal etwas, es ist noch ein Rest Elchfleisch da. Du musst hungrig sein.“ Sie verstand seine stille Art und lies ihn in Ruhe. Bald schon knackte das Holz im Feuer und ein Duft von frischen gebackenen Brot und gebratenem Fleisch zog durch das Zelt. Ashley füllte eine Schüssel mit dampfenden Essen und reichte diese Heika. Er schnupperte daran und sein Magenknurren meldete sich erneut, dann begann er langsam mit Heißhunger zu essen. Streckte anschließend seine langen Beine zum warmen Feuer aus. Holte seine Rauchutensilien heraus um zu rauchen, beobachtete still unter gesenkten Lidern Ashley bei ihrer Hausarbeit. Derweil der Häuptling mit seiner Gruppe von Kriegern, nach erfolgter Jagd, ungestört seinem Dorf zustrebte.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.02.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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