Francois Loeb

VERMISST WIRD

Wenn nur die Welt so wäre ..., nachzulesen in meiner Wochengeschichte und dem neuen dreisatzroman aus meiner Feder:

VERMISST WIRD

Morgennachrichten. Höre ich wie immer mit meinem kleinen Schwarzen, der zu meinem Aufwach-Szenario gehört. Heute wieder all die Nachrichten, die auf das Gemüt schlagen, als seien es hart geschmiedete Schwerter oder gar Hellebarden. Gäbe es doch einen Morgen, gesättigt mit Freudigem. Aufmunterndem. Und dies nicht nur im Wetterbericht. So erwarte ich nichts Besonderes heute an diesem eiskalten ‚Petit Matin‘, wie die Franzosen diese ersten Morgenstunden poetisch in ihrer Muttersprache nennen. Bin dann doch reichlich überrascht, als an erster Stelle dieses Morgen-News-Blogs (die englische Sprache muss auch vertreten sein, reflektiert mein noch halb verschlafenes Hirn) eine gross als Feature (die Weltsprache doppelt gemoppelt!) aufgemachte sonderbare Vermisstenanzeige, begleitet von Flötenklängen, halb singend verlesen wird:
„Vermisst wird vom hiesigen Staatstheater die Zauberflöte. Letztmals gesehen und gehört am gestrigen Abend bei der Aufführung von Mozarts Zauberflöte, gespielt von einem der grössten Sänger der Opernwelt. Sachdienliche Hinweise nimmt das Staatstheater oder jede Polizeistelle dankbar entgegen, denn dieses einmalige Instrument mit immensem kulturellen Wert darf nicht verloren gehen.“
Na ja denke ich, was kann ein Dieb denn mit einem Theaterrequisit beginnen? Mit der Zauberflöte die das Böse mit ihren wundervollen Klängen besiegt. Lösegeld fordern? Erpressen? Selbst den Tamino im trauten Heim spielen? Die Freundin beeindrucken, sie damit gewinnen? Ich verstehe nicht wie so ein Diebstahl, der in meinen Augen keiner sein kann, denn das Ganze kann auch auf Unordnung in der Requisitenkammer des Theaters zurückzuführen sein, an erster Stelle der Morgennachrichten gelangen kann. Na ja, hängt möglicherweise mit dem Fasching, der Fasnacht zusammen. Hat sich jemand einen Scherz erlaubt. Oder ist die Meldung selbst ein Witz, eine Eulenspiegelei? Beruhigt mit einem Lächeln auf den Stockzähnen giesse ich mir einen zweiten kleinen ungesüssten Schwarzen ein, der zu den dann folgenden schwarzen Nachrichten über bewaffnete Kämpfe im Osten passt. Wie kann so etwas nur möglich sein.
Dunkle Gedanken überfluten meinen Kopf. Blicke auf die Wanduhr. Donnerwetter! Eile ist geboten sonst komme ich zu spät ans Meeting (erneute Verbeugung vor der englischen Sprache). Husch husch, Katzenwäsche. Frisches Hemd. Schlipsknoten. Mist. Will nicht so wie ich gern will. Da endlich. Hoffentlich kein Stau unterwegs. Arbeitsreicher Tag vor mir. Texten, texten und nochmals texten. Wie soll da etwas gelingen bei der Schwärze im Hirn. Möglicherweise hilft ein erneuter Schwarzer. Diesmal mit viel Milch zum Aufhellen der Gedanken. Zeit vergeht im Nu am Bürotisch. Schon klingelt das Feierabendzeichen für die Arbeiterschaft.
Noch nicht für mich. Erst wenn ich die georderten Texte vollbracht habe vibriert dieses hinter meinen Ohren. Heimfahrt ohne Stau. Stelle mir derweil mein Abendmenü in der Magengrube zusammen um das Knurren abzustellen. Spiegelei mit Speck. Dazu Gegrillte in Fett geröstete Toasts. Zur Vorspeise eine Büchse Heringsfilets. Tönt annehmbar antwortet mein Gaumen. Trällert mit der Zunge. Schlüssel drehen. Endlich Ruhe. Das Bett ruft mich mit lockender Stimme. Muss noch warten. Nachrichtensendung am Fernsehen nicht verpassen. Einschalten. Nimmt mich in seinen Bann. Erstaunliches Geschehen. Zauberflöte sei gefunden worden. Sei im Osten gerade angekommen. Lasse ihre Töne im Kriegsgebiet autonom erklingen. Und dort wo sie sei würden alle Waffenträger der Aggressoren ihr folgen. Machen sich schnurstacks auf den Heimweg. Fröhlich tanzend. Panzer verbeugen sich gegenseitig. Fluggeräte vollführen Vrillen voreinander. Tanzen Walzer zu den Melodien der Zauberflöte. Sabotagegruppen verteilen tanzend nach den Klängen des magischen Instruments Nahrung an die Bevölkerung, sich dabei artig verbeugend.
Und ab sofort gilt vom Weltsicherheitsrat ohne jedes Veto ein absolutes Einfangverbot gegenüber der Zauberflöte die ihr Werk die Welt verzaubernd, Frieden stiftend mit heiteren Tönen in eine glänzende Zukunft zum wohl des immerwährenden Friedens immerdar fortsetzten soll …
Reibe mir die Augen. Habe ich geträumt?
Nein, am Staatstheater wird, nach meiner telefonischen Erkundigung erklärt, die Zauberflöte sei immer noch unterwegs …










DREISATZROMAN

HOFFNUNG

in mir ringt
die hoffnung
mit der verzweiflung
die leiden sehend
nicht dagegen
können anzugehen.

einzig gedanken sendend
mit mitmenschen menschlich
die unmenschlichkeit dabei
hoffen zu vertreiben.

auf dass die hoffnung siegen möge
alle zweifel verscheuchend
der mensch und seine würde
wird gewinnen
das dunkle lässt in seinem
eigen saft gerinnen.

Mit nachdenklichen Grüssen
François

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.03.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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