Monika Litschko

Sultan del Arabika Teil 11

Oma Lenchen freute sich, dass die Mädchen ihr einen Nachmittag widmeten, denn so langsam wurde es langweilig. „Was haltet ihr davon, wenn wir das Mittagessen ausfallen lassen und später grillen? Vorher könnten wir Federball spielen.“
„Federball!“, rief Lilly. „Zwei gegen einen im Wechsel!“
Emma fand den Vorschlag gut, denn dann würde ihre Oma noch schneller einschlafen. Eigentlich war das gemein, diente aber einer guten Sache.
Es wurde ein schöner Nachmittag. Während Emma das Federballspiel holte, stellte Oma Lenchen den großen Sonnenschirm auf und servierte selbstgemachte Limonade. Erst spielte Lilly mit Oma gegen Emma und dann wechselten sie. Leider war Oma Lenchen diejenige, die sich oft nach dem Federball bücken musste, da sie nicht traf. Nach einer Stunde gab sie schwitzend auf und bereitete den Grill vor. Emma und Lilly spielten weiter, warfen aber immer wieder Blicke hoch zur Weide. „Die schlafen bestimmt schon“, sagte Emma. „Wir sollten auch nicht so spät ins Bett gehen, sonst schlafen wir im Wald ein.“
„Die Holzkohle ist so weit und die Würstchen warten!“, rief Oma Lenchen. „Eigentlich könnten wir anfangen!“ Die Mädchen beendeten das Spiel und setzten sich zu ihr. Der blau gestreifte Sonnenschirm spendete Schatten und die kühle Limonade erfrischte sie von innen. Außerdem hatten sie einen Bärenhunger. „So, ab auf den Grill ihr Würstchen, wir haben nämlich Hunger. Den Nudelsalat müsst ihr unbedingt probieren, das Rezept ist aus dem Internet.“
„Du und Internet?“, flachste Emma.
„Ja, ich und Internet. Älter sein bedeutet nicht, dass man dumm wird, junge Dame.“
„Entschuldige, Omi. Ich wusste nicht, dass du einen Computer bedienen kannst.“
„Handy“, verbesserte Oma Lenchen Emma und grinste. Es dauerte nicht lange bis die Würstchen schön braun waren und herrlich dufteten. Den Mädchen schmeckte es und auch Omas Internet Nudelsalat, war vorzüglich. „Hat es euch geschmeckt?“, fragte Oma Lenchen. „Sehr gut“, antwortete Lilly, „ich bin proppenvoll.“ Später überraschte Oma sie noch mit Vanilleeis und Erdbeeren. „Das passt doch noch, oder?“
„Und wie das passt“, antwortete Emma und schob sich genüsslich einen Löffel Eis in den Mund. „Sollen wir gleich einen Film zusammen gucken?“
„Ja sage mal, was ist mit euch los? Aber klar doch, das können wir machen.“

Sie schauten sich einen Liebesfilm an, der wohl nur Oma Lenchen gefiel, aber ihr zuliebe schauten sie auch mit. Emma bedachte ihre Oma mit liebevollen Blicken, denn sie sah wie eine richtige Oma aus und nicht wie ein aufgemotztes Auto. Ihr Haar war schon grau und groß war sie auch nicht. Dafür etwas moppelig und immer gut gelaunt. Eine richtige Oma zum knuddeln eben. Nachdem Lilly dreimal laut gähnte, tat Emma es ihr gleich. „Sollen wir in mein Zimmer gehen und ein bisschen lesen?“, fragte Emma augenzwinkernd. „Ich bin richtig müde.“
„Super Idee, ich bin nämlich auch müde“, antwortete Lilly.
„Ist das in Ordnung, Omi?“ Oma Lenchen musste nun auch gähnen. „Sicher, geht ruhig. Ich räume noch ein bisschen auf und dann mache ich es mir auf dem Sofa bequem. Oder habt ihr noch Hunger?“ Emma rieb sich den Bauch. „Da passt nichts mehr ein. Oder hast du noch Hunger, Lilly?“
„Noch einen Bissen und ich falle um.“ Oma Lenchen lachte. „So schlimm wird es wohl nicht sein, aber ihr wisst ja, wo der Kühlschrank steht? Ich meine, falls ich mal einschlafe.“
„Wissen wir“, sagte Emma und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Die Mädchen gingen nach oben und legten sich aufs Bett. „Wie werden wir denn wach, Emma? Ich meine, falls wir einschlafen?“
„Damit wird es funktionieren.“ Emma griff unter ihr Kopfkissen und holte einen kleinen Reisewecker hervor. „Wir haben jetzt achtzehn Uhr. Wenn er uns um zwanzig Uhr weckt, das müsste reichen. Bei den Nachrichten schläft Omi sowieso ein und wir können uns auf den Weg machen. Aber wir sollten uns umziehen, denn abends ist es immer viel kühler.“
Sie zogen lange Hosen, Shirts und Hoodies über. „Das müsste reichen“, sagte Lilly und legte sich wieder aufs Bett. Die letzten Tage waren so aufregend gewesen, dass die Mädchen sogleich einschliefen. Traumlos lagen sie nebeneinander und hielten sich an den Händen. Nicht ahnend, dass im See der Träume, der Silberling sich öffnete und anfing, ein neues Kapitel zu schreiben.

Wir lassen sie schlafen und werfen einen kurzen Blick nach Arabika. Bimbim, die kleine Tochter von Rubin und Saphira lief traurig durch Arabika. Ihre Eltern hatten einen Auftritt, Zinniwabwa das Löwenmädchen schlief und mit Bodo dem Minipferd hatte sie sich gestritten. „Ich hasse es, wenn niemand Zeit für mich hat“, schimpfte sie. „Grrr, niemand.“ Am Affengehege blieb sie stehen und hielt Ausschau nach Japs. Da war er ja. Japs schaukelte kopfüber an einem Baum und biss in eine Banane. „Huhu, Japs! Hast du Zeit?“ Japs ließ sich ins Gras fallen und lief zu ihr. „Ich habe immer Zeit. Sonst würde ich nicht kopfüber, an einer Banane kauend am Baum hängen. Ist was oder warum guckst du so sparsam?“ Bimbim kicherte. „Kann man sparsam gucken?“ Japs schlug einen Purzelbaum. „Sicher kann man das. Man guckt ein bisschen nett, ein bisschen böse, etwas traurig und ein bisschen lustig. So wie du gerade. Also sag schon, welche Laus in deinem Pelz sitzt?“ Bimbim war so froh, dass wenigstens Japs für sie Zeit hatte. „Niemand will mit mir spielen. Mit Bodo habe ich mich gestritten und Mama und Papa haben einen Auftritt.“ Japs lachte und kletterte auf einen Ast. „Alle mal herhören! Bimbim ist sauer, da niemand mit ihr spielen will! Lasst uns eine Affengaudi machen!“ Aus dem Baum purzelten plötzlich viele kleine Äffchen, die zu Bimbim rannten, die ratlos vor dem Gehege stand. „Affengaudi, was ist das?“, fragte sie unsicher. „Dann pass mal auf, du sparsam guckendes Fohlen“, sagte Japs und trommelte auf seine Brust.“

„Haggahagga, Jabadibaba, Bananenstaudi, jetzt beginnt die Gaudi.“ Die kleinen Äffchen schlugen Purzelbäume, bildeten einen Kreis und fingen an zu singen und zu tanzen.
„Affengaudi machen wir und haben großen Spaß.
Wir tanzen und wir schütteln uns, dann rollen
wir durchs Gras. Wir schwingen uns von Ast zu Ast
und kreischen dabei wild. Wenn euch dieses nicht
gefällt, dann malt uns doch ein Bild.
Die Affen Oma Gundula, tanzt wie eine Giraffe,
wir singen Oma Gundula, du bist doch ein Affe.
Affen Opa Knitterbacke, sitzt auf einem Stein,
er droht mit dem Bananenblatt und ruft, ihr seid
gemein! Ich kann nicht mehr, mir knacken schon
die Knochen. Ach, liebe Oma Gundula, willst du
mir nicht was kochen? Affengaudi, Affengaudi,
das macht so viel Spaß. Wir tanzen wild uns schütteln uns,
dann rollen wir durchs Gras.“

Bimbim, die lustig mitgetanzt hatte, schüttelte sich vor Lachen. „Das war lustig und hat auch Spaß gemacht.“ Japs trommelte wieder gegen seine Brust. „Habt ihr es gesehen? Bimbim lacht wieder. Sie hat jetzt den vollen Guckblick drauf, die Sparsamkeit ist verschwunden.“ Die Äffchen lachten und kletterten wieder in den Baum. „Und du, solltest Bodo suchen und dich wieder mit ihm vertragen“, sagte Japs. „So schlimm wird euer Streit wohl nicht gewesen sein.“
„Du hast recht, Japs. Er ist mein bester Freund und ich will ihn nicht verlieren.“
„Tust du auch nicht“, sagte Bodo, der hinter Bimbim stand. „Ich habe dich überall gesucht, denn wegen so einer Kleinigkeit hätten wir nicht streiten müssen.“
„Bodo!“, rief Bimbim glücklich. „Wir sollten uns nie wieder streiten.“ Bodo, das kleine schwarze Minipferd, nickte. „Abgemacht und nun lass uns wieder spielen gehen.“ Bimbim wieherte den lustigen Affen noch einmal zu und trabte dann, mit Bodo an der Seite, davon.

„Also, darf ich nun Tula sein, oder nicht? Du bist ein Junge Bodo, also kannst du nur Barsus sein.“ Japs schüttelte den Kopf. „Kinder“, sagte er seufzend.

Während Bimbim und Bodo noch lamentierten, wer was sein durfte, wurden Emma und Lilly wieder wach.


Um zwanzig Uhr schrillte der Wecker und Emma schreckte hoch. Verschlafen stellte sie ihn aus und weckte Lilly. „Aufwachen Lilly, wir müssen nach Oma Lenchen gucken.“
„Ist es schon so weit? Das ging aber schnell. Ich bin doch noch so müde.“
„Dann wasche dein Gesicht mit kaltem Wasser, du Schlafmütze.“ Lilly krabbelte aus dem Bett und ging ins Bad. Als das Wasser lief, zog Emma die Turnschuhe an und griff nach zwei Taschenlampen. Die Batterien waren neu und würden wohl reichen. „So, jetzt geht es wieder“, sagte Lilly und zog sich ebenfalls Schuhe an. „Wir können.“
Oben an der Treppe hörten sie schon Oma Lenchen schnarchen. Doch vorsichtshalber schauten sie noch kurz ins Wohnzimmer. Emma hob den Daumen. „So soll es sein“, flüsterte sie. „Komm, wir gehen und die Küche und packen uns einen Rucksack.“
„Was willst du denn alles mitnehmen?“, fragte Lilly, als sie in der Küche standen. „Zwei Trinkpäckchen reichen doch. Alles andere ist doch viel zu schwer.“ Das sah Emma ein und so schnallten sie nur ihre Bauchtaschen um, in denen sie die Trinkpäckchen verstauten und verließen leise das Haus.

 

Ihre Freunde warteten schon am Eingang des Waldes. Emma öffnete schnell das Tor, damit Baron mit ihnen gehen konnte. „Nun aber schnell, die Seehexe erwartet uns“, sagte er und trabte an ihnen vorbei.

©Monika Litschko
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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