Heinrich Baumgarten

Die Muschel

Sabine war ein fröhliches Kind. Sie wuchs an der Küste auf und liebte alles, was mit Tieren, Wasser, Sand und besonders Meer zu tun hatte.

Und so war es keine Überraschung, daß sie sich nach dem Abitur entschloß, erst Biologie, dann Veterinärmedizin zu studieren.

Sie eröffnete später in Ottobrunn bei München eine Kleintierpraxis. Nach einigen Jahren hatte sie sich einen Namen gemacht, war bekannt und beliebt bei ihren Patienten und deren Frauchen und Herrchen.

Sie hätte glücklich sein können und zufrieden - aber in Bayern fehlte ihr halt das Meer.

Eines Tages kam der Bürgermeister von Ottobrunn mit seinem Berner Senn, einem riesigen Burschen, zu ihr. Der Hund litt seit Tagen unter Verdauungsbeschwerden - just seit dem Tag, da er mit seiner Herrschaft aus dem Urlaub an der See zurückgekehrt war.

Sabine untersuchte das Tier,was es sich auch geduldig gefallen ließ, und stellte schließlich durch Tasten fest, daß sich im Bauchraum ein eigroßes, hartes Objekt befand. Röntgen und Ultraschall erbrachten vergleichbare Ergebnisse.

Sollte sie operieren? Riskant. Daher versuchte sie, was sie schon früher mit Erfolg angewandt hatte: Da sich das Objekt im Verdauungstrakt bereits weit genug bewegt hatte und sich verschieblich anfühlte, verabreichte sie dem Hund ein Klistier.

Zusammen mit Bürgermeister Huber wartete sie gespannt auf die Wirkung.

Tatsächlich, nach etwa einer halben Stunde tat sich etwas. Bastian, der Berner Senn, vorsichtshalber in eine Wanne gesetzt, gab etwas von sich, in dessen Verlauf ein eigentümliches Geräusch ertönte.

Sabines behandschuhte Rechte förderte aus der ansonsten amorphen Masse eine - nach gründlicher Spülung wunderschöne - Muschel.

Wahrhaftig - ein Gruß von der Küste!

Die beiden Menschen lachten, der Hund war erleichtert. Sabine verzichtete auf ihr Honorar und behielt stattdessen die Muschel als Gruß aus der Heimat...

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