Anne Eckardt

Ewig Kapitel 2

Im Inneren der Ruine war es still. Bis auf das Heulen des Windes, welcher sich beinah ungehindert seinen Weg durch Mauernspalten und die offenstehenden Zugänge, bahnte, war kein Geräusch aus den verfallenden Mauern zu hören.

 

Nichts lies darauf schließen um was es sich bei dem Bauwerk, dessen Glanzzeit bereits hunderte von Sommern zurück zuliegen schien, einmal gehandelt hatte.

 

Der Platz zwischen den Mauern war vollkommen leer, bis auf einige Haufen des bunten Laubes, welches vom Wind zwischen die alten Steine getragen wurden war, sowie einigen Unkräutern, dass seine Wurzeln zwische die Risse des steinernen Bodens getrieben hatte.

 

Der weiße Ritter trat durch einen der Torbögen hindurch auf den Platz, welcher von verfallenden Mauerresten, sowie einer, noch halbwegs intakten, Wand mit mehreren Fensteröffnung umgeben war.

 

Auf halber Höhe der Wand ragten die Überreste eines einstiegen Steinbodens ins Nichts hinein, doch bis auf diese und einigen Steinstufen, welche knapp unterhalb des Bodens aus der Mauer heraus standen, schien die Zeit vom ersten Stock des Gebäudes nichts übrig gelassen zu haben.

 

Der Blick des weißen Ritters, wanderten kurz an der Wand entlang, bevor er sich auf den Torbogen, auf der anderen Seite der Ruine, konzentrierte.

 

Durch diesem konnte er jedoch im Moment nichts weiter erblicken außer den Bäumen des Waldes und die herab fallenden Blätter, welche vom Wind bis ins Innere des Gemäuers geweht wurden.

 

Doch achtete der weiße Ritter nicht auf die Haufen von Laub oder die Mauerreste um ihn herum. Seine ganze Aufmerksamkeit war auf den gegenüberliegenden Zugang gerichtet. Von dort, irgend wo aus den Tiefen des herbstlichen Waldes, würde sein Gegner kommen und er würde nicht mehr lange auf sich warten lassen.

 

Tatsächlich vernahm er, nach dem er einige Herzschlänge lang, nichts weiter gehört hatte außer dem allgegenwärtigen Heulen des Windes, Schritte welche sich langsam, aber stättig, der Ruine von der anderen Seite aus näherten. Jeder Schritt trug das vertraute Echo von raschelndem Laub an seine Ohren.

 

Und jedes erneute Rascheln gab dem weißen Ritter mehr als deutlich zu verstehen, dass sich noch jemand den alten Gemäuer näherte.

Sein Gegner kam.

 

Noch lies der weiße Ritter die mächtige Klinge seines Schwertes gut versteckt unter seinem Umhang, an statt es mit einem Ruck aus der Scheide zu ziehen. Er musste ihn zunächst ins Innere der Ruine gelangen lassen.

 

Auf der anderen Seite der Mauern knickten die Kronen der Bäume ein, während sich die letzten, in ihren Kronen verbleibenden, Blätter schwarz färbten und wie Staub zu Boden fielen. Selbst der stützende Wald schien vor der nahenden Finsternis zurück weichen zu wollen, während sie sich mit jedem Schritt mehr dem Schauplatz des Kampfes näherte.

 

Ein letztes Mal trug eine häftige Böhe einen Wirbel Blätter, welche ihre Farbe von gelb zu einem unansehnlichen dunklen braun gewechselt hatten, durch den Eingang ins Innere.

Anschließend kam hinter ihnen eine dunkle, menschengroße Gestallt zum vorschein: Der schwarze Ritter.

 

Sein Gesicht war unter dem Visier seines Helmes verborgen und selbst das Licht schien vom schwarzen Metall seiner Rüstung verschlungen zu werden.

Es war als währe er die Nacht selber, welche mit all ihren Schatten und Nebeln das Innere der Ruine heimsuchte.

 

Tatsächlich begann sich der Wald, wenige Schritte hinter dem schwarzen Ritter, zu verfinstern und in einen dichten Schleier aus dunklen Nebeln zu hüllen, welche nur wenige Momente später, ebenfalls ihren Weg ins Innere der Mauern fanden.

 

Sogar das am Boden liegende Laub schien die alles verschlingende Finsternis zu fürchten, denn sobald sie auf es traf, verfärbten sich die vormals bunten Blätter, schwarz und zerkrümmelten wie trockenes Brot, genau in dem Moment in welchem sie von den Schatten berührt wurden.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.03.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Silke Burchartz, geboren 1965 in Wattenscheid, ist heute sesshaft in Rees am Rhein.

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