Anne Eckardt

Ewig Kapitel 3

Noch lag die Seite des weißen Ritters im Licht der Sonne, doch Mauerstein um Mauerstein kroch die Finsternis näher, während er seinen Gegener nicht einen Herzschlag lang aus den Augen verlor.

 

Es wirkte als wenn eine gigantische, krallenbesetzte Hand nach den Steinen ausgestreckt werden würde, welche nur noch darauf wartete zuzuschlagen.

 

Plötzlich hielt das Vorrücken der Schatten inne, genau an jenem Punkt im Zentrum des Gemäuers, welcher die genaue Mitte zwischen den beiden Kontrahenten, markierte.

 

Der weiße Ritter blicke nach oben. Über seinem Gegner hatte sich der Himmel, genau wie der Wald in seinem Rücken, in ein dunkles Gewand aus schwarzen Wolken und Nebeln gehüllt, während seine eigene Seite noch im Licht des Tages lag.

 

Noch einen Herzschlag lang musterten sich die beiden Kontrahenten, bevor der schwarze Ritter langsam begann nach links zu gehen, während der weiße es ihm in der entgegengesetzten Richtung gleich tat.

 

Sie griffen zu ihren Waffen und zogen die mächtigen Klingen aus den Schwertscheiden an ihren Rüstungen heraus, bevor die finsteren Wolken, auf der Seite des dunklen Ritters, begannen über der Ruine einen Wirbel zu bilden, welcher den blauen Himmel beinah vollkommen verdrängte und nur ganz weit in der Ferne noch einen schwach Streifen klaren Himmels erahnen ließen.

 

"Alter Trick" murmelte der weiße Ritter "Hast du nichts Besseres auf Lager?"

 

Wie auf Kommando begann es in dicken. schweren Tropfen aus den Wolken über ihnen zu regnen, während sie nach wie vor in einer großen Kreisbewegung um einander herum schlichen, den jeweils anderen dabei niemals aus den Augen verlierend.

 

Zudem schien jede Bewegung seines Gegners eine Welle aus unsichtbarer, dunkler Energie durch die Luft zu senden, welche jedes Hindernis auf dass sie traf zum erzittern brachte.

 

Die umliegenden Mauern der Ruine erbebten bei ihrem Auftreffen und kleinen Brocken des wenigen, noch in ihren Spalten verbliebenen Mörtels, fielen heraus.

 

Doch weder der weiße Ritter noch sein Gegener schenktem diesem beachtung. Stattdessen hielten sie nun in ihren Bewegungen inne und musterten sich gegenseitig ein letztes Mal.

 

In diesem Moment schien alles dem Ort des Kampfes fern bleiben zu wollen: Selbst der Wind hatte sich aus den Steinen zurück gezogen, so als wolle er den bevor stehenden Ereigniss nur als entfernter Beobachter beiwohnen.

 

Ein letztes Mal sie sich in die Augen bevor sie, mit den nach vorne gerichteten Spitzen ihrer Schwerter, auf einander zurannten.

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