Heinrich Baumgarten

Die große Liebe

Wie war das damals gewesen, als sie sich im letzten Schuljahr auf der Klassenfahrt in die Toskana Hals über Kopf ineinander verknallt hatten?
Eberhard, der Klassen-Adonis und Mechthild, die unnahbare, kühle Blondine.
Alle anderen waren hinter ihnen her gewesen, hatten posiert, gebalzt, gepokert, gelockt. Aber sie beide hatten einander quasi gemieden wie zwei kritische Massen, die um das Risiko ihrer Vereinigung zu wissen schienen und sie daher lange erfolgreich vermeiden konnten.
War es die Wärme, das Licht der toskanischen Sonne, war es die nachlassende Aufmerksamkeit der anderen, die von Anderem in Anspruch genommen wurde?
Ehe die Mitschüler es registrieren konnten, waren Eberhard und Mechthild ineinander gefallen mit elementarer Wucht. Die Umwelt war für sie verschwunden, und sie waren allen anderen endgültig entglitten.
Nach der Rückkehr und bis zum Abi blieben sie unzertrennlich - ein halbes Jahr lang.
Für alle brach die Welt zusammen, als es mit den beiden von einem zum anderen Tag vorbei war. Keiner wagte zu fragen, und die beiden Betroffenen sagten von sich aus nichts.
Mechthild studierte Medizin in Göttingen, Eberhard Jura in München.
Beide heirateten Partner, von denen sie sich nach wenigen Jahren wieder trennten.
Und dann, nach zehn Jahren, kam das erste Klassentreffen. Ein angemessener Zeitraum, über den genug erzählt werden kann, in dem Berufliches, Partnerschaftliches, Familiäres sich ereignet hat bei den meisten.
Eberhard und Mechthild sahen sich wieder, sahen sich an, sahen sich außerstande, einander zu widerstehen. Wieder fielen sie ineinander, verschwanden als erste aus der geselligen Runde, wischten ihre zehn Jahre Trennung aus und blieben seither zusammen.
In meinen Augen ist es „Die große Liebe“, sie ist es übrigens auf beiden Seiten, es ist „Die große Liebe“ ohne Herzschmerz und Eifersucht, ohne Intrigen und Vorbehalte, ohne jeden Kummer und Rücksichten.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.03.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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