Heinrich Baumgarten

Heimat?

Heinrich lachte herzlich, als er den Sticker zum ersten Mal an einem Auto fand.
Eine traurige Eule, in einer ihrer Flügel-Hände einen Gitarrenkoffer, die andere mit Anhalter-Daumen hochgereckt. Darunter: „Wer ist schon gerne Peiner? Keiner!“
Peine.
Da hatte er mal bis zum Alter von viereinhalb gewohnt. Dann, gegen Kriegsende, ging‘s nach Osterode/Harz.
Peine - ein Ort früher Bewußtseinsbildung mit prägenden Ereignissen und Erlebnissen der besonderen Art, die Vertrauen durch Skepsis ersetzten.
Heinrich hatte einen 15 Jahre älteren Bruder, der Soldat war und wohl nur ein einziges Mal  auf Urlaub erschien. Vor seinem Abitur hatte der Bruder den kleinen Heinrich mal zu seiner Schule nach Braunschweig (Wilhelm-Gymnasium) mitgenommen. Was dort zu sehen war an Präparaten wie ausgestopfte Vögel, interessierte den Kleinen nicht. Fasziniert jedoch war er von der Druckspülung auf den Toiletten. Zuhause mußte er immer auf die Klobrille klettern, um die Zugkette des Spülkastens zu erreichen.
Fast vier Jahrzehnte später nahm Heinrich an einem Seminar in Texas teil. Das Austin College in Sherman pflegte seit Jahren Kontakt mit Deutschland.
Eine der Kursteilnehmerinnen sprach Heinrich eines Tages an - seines Nachnamens und der großen Ähnlichkeit wegen - mit einem Fritz aus Peine, mit dem sie vor Jahren einmal befreundet gewesen war.
Peine - of all places - in Texas.
Ja, ja. Er war es, sie war es, und sie kannte auch Heinrich von damals.
Mit schelmischem Lächeln gestand sie ihm, ihn damals mal aufs Töpfchen gesetzt zu haben, als der große Bruder nicht zur Verfügung gestanden habe.
Seitdem hat Peine für Heinrich eine unverdiente Aufwertung in seiner Erinnerung erhalten. Provinz - USA - Texas - College - Fritz. Der war baß erstaunt über die Grüße aus der Vergangenheit...

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.04.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Traurige und schmerzerfüllte Zeiten müssen durchlebt werden, das heißt, es muss Trauerarbeit geleistet werden; wenn man verdrängt, so holt sie uns doch immer wieder ein. Nur wenn wir uns auf diesen schweren Weg einlassen, haben wir eine Chance - trotz ewig dauernden Schmerzes - wieder glücklich zu werden.

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