Francois Loeb

FUL(H)LER

FÜL(H)LER


Was sich die Werber alles vor Festtagen einfallen lassen! Unglaublich. Jetzt auch vor dem Osterfest. Diesem Fest, bei dem der Osterhase in seiner Hucke bereits so vieles zu schleppen hat. Eier. Schokolade. Osterfladen und was nicht so alles der kreativen Hand der Schenkenden einfällt. Wobei Ostern keiner Tradition-Schenk-Wut-Hype untergeordnet werden kann. Und doch seit zehn Tagen werden wir braven Leserinnen und Leser von Medien aller Art, ob Print oder Digital, einem wahren Brain-Wash unterzogen. Wo und wie wir es Drehen immer wieder, immerfort begegnet uns der Ausdruck: DEMNÄCHST FÜL(H)LER NICHT VERPASSEN! Und niemand weiss was es damit auf sich hat. Medien, wo und wie auch immer über diese Vokabeln spekulieren.Diskussionsrunden werden mit Auslegungen dieser ominösen Worte bereichert. Philosophen, Psychologen, Heiler, Yogisten werweissen. Ärzte verweisen auf die Gefährlichkeit des Unbekannten hin. Kliniken publizieren Statistiken über Einweisungen aufgrund dieser abgrundtiefen angsteinflössenden Unbekannten. Kriminalisten beginnen der Sache nachzugehen. Erste Demonstrationen besorgter Bürgerschaften finden trotz einem behördlichen höchstrichterlich unterstützten Verbot dieser Worte, statt. Die Demonstrierenden tragen Plakate mit der Forderung ‚ENDLICH WISSEN! SUBITO‘ und ‚TOTALES STAATSVERSAGEN‘ mit sich. Marschieren geschlossen in konvulsivischen Kreisen, kreischend zum Regierungssitz. Dort in Schach gehalten von einer Tausendschaft ununiformierter Ordnungskräften. Und zum allgemeinen himmlischen Überdruss, gepaart mit unterirdischem verrussten Unterdruss, zeichnen akkurat zu diesem sekündlichen horlogiertem Zeitpunkt eine Dutzendschaft modernster Kampfflugzeuge, unterstützt von Millionen hornissierender Drohnen die inkriminierten Worte in den blauen Himmel. Mit dieser Tat das Firmament eindunkelnd, sodass alle Kino-Sternchen sich darüber erbosen, denn deren Lichter geraten dadurch unter ihren Scheffel, werden dem Schatten des Weltraums als Opfer dargebracht.
Und da, am siebenundzwanzigsten ein halbsten Tag des Ostermonats nach synoptischem Diogeneskalender, in dem Ostern als Fest noch in der dunklen Tiefe der Geschichte schlummerte, kam die überraschende Lösung des aufgetauchten Problems, die Erlösung, die mit den Worten GEH MIR AUS DER SONNE folgte. FÜL(H)LER war einem einfachen Orthografie oder Tippfehler erlegen, so wie der Osterhase der sich verringerten Fantasie beim Erwachsenwerden. Ein L zu viel und ein fehlendes H nicht weniger ein neues Gerät sei des Rätsels einfache Lösung. Eine Losung unserer so fortschrittlichen Zeit. An die Fusssohlen geschnallt erlaube das neue sensationelle Gerät die Zeit, das Vergehen der irdischen Zeit, auch der eigenen physisch zu erfühlenden, um damit den Fluss der Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderten, Jahrtausenden, Äonen zu bemerken, die zwischen unseren Fingerspitzen so artig sich Zerbröseln …

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Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

Z E I T E N W E N D E 
Es wendet die Zeit
Abgeschaut von der
Gräser Erntefreud
Bis sonnentrocken
Sie dann fällt.

Vergangenheit dadurch
Wird wahr so lang
Wie siebenundzwanzig
Schwarze Faden gar.

Der rettet die Welt
Samt Himmelszelt
Der führt vor dass
Nie ein Tor kann
Entriegeln das
Zu-kunftsthor.


Herzlichst
François Loeb

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.04.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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