Heinz-Walter Hoetter

Vier Kurzgeschichten zum Nachdenken

1. Bedenke das, wenn du einsam und verzweifelt bist

2. Das Irrenhaus der Freiheiten

3. Das Leben ist kein Kinderspiel

4. Das Leben macht keine Pause, es hält nicht an

 

***

1. Bedenke das, wenn du einsam und verzweifelt bist


 

Wer einsam ist, sollte nicht verzweifeln, sondern in die Natur schauen, die vom Geist der Schöpfung beseelt ist.

Wie das alte Laub, das von den Bäumen fällt und vom Wind weggeweht wird, so vergeht auch unser Leben.

Die Tage kommen und gehen ohne Unterlass.

Wer denkt schon daran, dass wir dem Ereignis des Todes immer näher kommen?

Alles Lebendige existiert in der Gegenwart.

Doch unser Leben ist wie ein Schatten, der kommt und wieder davon huscht im Lichte dieser Welt.

Wir hinterlassen keine Spuren, als wären wir nie da gewesen.

Alle Denkmäler hier auf der Erde haben keinen dauerhaften Bestand.

Ja, ein jedes Menschen Leben ist nur ein winzig kleiner Augenblick in der Ewigkeit.

Doch denke auch stets daran, dass die Schöpfung niemals enden wird.

Die Schöpfung ist hier, direkt in dir, jetzt gerade in diesem Augenblick, wenn du diese Zeilen liest.

In alle Ewigkeit warst du ein Teil dieser wunderbaren Schöpfung.

Du warst es, du bist es jetzt und wirst es immer sein.

Der Geist der Schöpfung hat an dich gedacht. Das ist ein Wunder, wie auch du ein Wunder bist.

Alles ist wie Magie und unendliche Liebe.

Grenzenlos vielfältig ist das Wesen der Unendlichkeit.

Ja, und das alles ist in dir und um dich herum.

Alle Geheimnisse des Universums sind im Menschen verborgen, so auch in dir.

Der Geist der Schöpfung ist überall.

Auch im Tod und nach ihm.

Bedenke das, wenn du einsam und verzweifelt bist.

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

***

 

 

2. Das Irrenhaus der Freiheiten

 

 

Ich habe das zunehmende Gefühl, gesellschaftlich und politisch in einem Irrenhaus zu leben.

 

Dieses Irrenhaus heißt Deutschland.

 

Ich persönlich habe die Schnauze so was von voll von dieser verrohten Gesellschaft.

 

Normalerweise pflege ich sprachlich einen anderen Ton, aber ich sehe keine Besserung für dieses geistig-seelische und moralisch total kaputte Land, dass alle Probleme ausschließlich mit Geld lösen möchte.

 

Unsere Gesellschaft ist eine depressive. Aber warum? Wir leben doch in Saus und Braus, wir haben alles, was das Herz eines Konsumenten begehrt. Wir haben fast alle Freiheiten und dürfen unser Leben so gestalten, wie wir das möchten. Jeder darf seinen sexuellen Neigungen so nachgehen, wie er will. Immer und überall können wir uneingeschränkt unsere Meinung sagen. Und sollten mal jemand arbeitslos werden, erhält er in letzter Instanz soziale Leistungen. Man könnte also meinen, dass wir in einem „Schlaraffenland“ leben.

 

Wir leben darüber hinaus in einer „Spaßgesellschaft“, in der wir aller Vermutung nach völlig frei und ungezwungen leben können.

 

Oder sehe ich das vielleicht falsch?

 

Könnte es möglicherweise sein, dass wir vielleicht in einem riesigen Gehege leben, dessen vielfältige Gehegefreiheiten uns offenbar nur von unserem eigentlichen Wesen entfremdet haben, dass wir nur noch als „entindividualisierte Menschen“ zu gelten haben?

 

Ich frage mich daher voller Angst: „In welche Abgründe wird uns dieses „Irrenhaus der Freiheiten“ noch führen?“

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

 

***

 

 

3. Das Leben ist kein Kinderspiel


 

Das menschliche Dasein ist oft kein Kinderspiel. Wir wissen das alle und haben wohl schon dahingehend die eine oder andere Erfahrung gemacht.

Nun, als wir noch Kinder waren, spielten wir ausgerechnet immer jene Spiele, die meist Ausdruck der Lebenswirklichkeit der Erwachsenen waren.

Wer kennt es nicht, das sog. "Schwarze-Peter-Spiel"? Es ist ein beliebtes Kartenspiel für Kinder, jedenfalls war es das früher einmal.

Und in der Tat, die meisten klassischen Kinderspiele spiegeln das Alltagsleben der Menschen in einer Gesellschaft wider.

Vielleicht ist noch einigen die Redewendung geläufig, die da heißt "jemanden den Schwarzen Peter zuschieben", was eigentlich bedeutet, dass man jemand anderen etwas Unangenehmes tun lässt, sodass dieser auch die Verantwortung dafür zu tragen hat oder tragen muss.

Besonders in unserer heutigen Gesellschaft ist das Schwarze-Peter-Spiel sehr verbreitet, indem einer dem anderen die Verantwortung zuschiebt, um selbst fein raus zu sein.

Hauptsache ist dabei, man bleibt selbst im Geschäft, kann weiter machen und kommt voran. Wenn andere das Nachsehen haben, raus fliegen und / oder auf der Strecke bleiben, ist einem das egal bzw. gleichgültig.

Dieses unmenschliche Denken und Handeln ist meist systembedingt und in fast allen Gesellschaften der Welt zuhause, besonders in denen, die vom Kapital (Geld) beherrscht werden.

So erinnert mich z. B. unsere Gesellschaft häufig an das Spiel "Mensch-ärgere-die-nicht"!

Mit welcher Begeisterung und Lust versucht man doch, andere aus dem Spiel zu werfen, damit man seine eigenen Figuren gefahrlos voran bringen kann? Jeder möchte seine "Puppen" nach Hause und in "Sicherheit" bringen.

Aber das Leben ist kein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel.

In der Lebenswirklichkeit geht es oft um Sein oder Nichtsein, um Erfolg oder Misserfolg und viele Menschen verzweifeln daran, nicht selten begehen sie sogar Selbstmord (siehe Mobbing usw.), weil sie sich am Ende fühlen.

Mir fällt noch ein anderes Spiel ein, das man zu den "königlichen Spielen" zählt. Es ist das Schachspiel, das für mich ebenfalls ein Abbild des Menschen und seiner menschenfeindlichen Gewaltsysteme darstellt.

Das Schachspiel bietet nämlich tausendfache Möglichkeiten, den Gegner matt zu setzen. Jedes neue Spiel hat immer dasselbe Ziel, den Gegner zu "besiegen", ihn in die Enge zu treiben, bis es schließlich für ihn "Schachmatt" heißt.

Wie im wahren Leben, sind König und Dame die wichtigen, die dummen Bauern die unwichtigen Figuren auf dem Feld des Lebens bzw. in einer Gesellschaft, die von der Pyramide der Macht beherrscht wird.

Es gibt immer Gewinner und Verlierer, die eigentlich jedes Macht- und Herrschaftssystem schon fast automatisch hervor bringt, ja hervor bringen muss, um existieren zu können.

Das ist auch in den sog. Demokratien nicht anders (siehe Hartz 4 Empfänger in der BRD, wobei es sich hierbei meist um alimentierte Verlierer handelt – vom Machtsystem aus betrachtet).

Die Bauern werden (in der Regel) geopfert, die Läufer müssen rennen, die Springer springen und der Turm muss in der Schlacht bestehen, sonst geht er unter. Aber im Grunde genommen dreht sich alles um den König.

Das ganze Spiel dreht sich nur um ihn, obwohl die Dame eigentlich viel wirkungsvoller ist, denn ohne Dame sieht es schlecht aus. Man muss schon ein sehr guter Schachspieler sein, um ohne Dame gewinnen zu können.

Wie das Schachspiel, so ist auch das Leben, das oft keine Rücksicht und keine Gnade kennt.

Und noch ein beliebtes Kinderspiel fällt mir ein, das wir früher auf dem Bürgersteig gespielt haben. Es heißt "Himmel und Hölle".

Auch dieses Spiel, ein Hüpfspiel übrigens, erinnert mich immer wieder an den Ernst des Lebens. Wie oft hat man den Traum vom Himmel, und ganz plötzlich findet man sich unten in der Hölle wieder, weil das Leben oft grausam und verletzend sein kann.

Und dann ist da noch die Lust am Verkleiden und Maskieren. Wer sich verkleidet und sein Gesicht maskiert, möchte eigentlich nur seine wahre Identität verbergen bzw. verstecken. Wir kennen das alle aus dem Karneval. Da schlüpft man für eine gewisse Zeit in eine andere Rolle und möchte am liebsten sein eigenes Ich vergessen.

Bei den Kindern ist das eher ein harmloses Spiel. Doch seien wir ehrlich. Wie viele Erwachsene verbergen ihr wahres Gesicht und täuschen sich und andere mit dieser Verhaltensweise? Tragen wir nicht alle irgendwelche Masken?

Und da sind noch die Kampfspiele, welche man den Kindern bis heute ohne großen Erfolg verbietet.

Andere besiegen, unterkriegen und fertigmachen, selbst aber oben bleiben und als Sieger hervor gehen, das sind und bleiben starke Wünsche jeder menschlichen Natur. Sie sind Ausdruck tiefer Menschenart.

So waren die Primaten schon immer, so sind sie heute noch und werden auch in Zukunft noch so sein. Diese Verhaltensweisen sind genetisch vorbestimmt bzw. festgelegt und damit schlichtweg unveränderlich (Determiniertheit = Bestimmtheit, Abhängigkeit, Festgelegtsein).

Es ist leider so. Die Welt, in der wir leben und sterben müssen, ist in der Tat (auf Dauer) kein schöner Spielplatz und auch kein lustiger Schauplatz, sondern Tag für Tag erleben wir in ihr den Ernstfall, der nicht selten bitter endet.

Nichtsdestotrotz ist das menschliche Leben (alles Lebendige schlechthin) einmalig, kostbar, wertvoll und hoch angesetzt.

Darum sollten wir es nicht "verspielen", sondern ehrlich und erfüllt leben, damit es am Schluss einen tiefen und vollendeten Sinn bekommt.

 

(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

 

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4. Das Leben macht keine Pause, es hält nicht an


 

Wer hat nicht schon mal in seinem Leben an früher gedacht und die "guten alten Zeiten" wieder herbei gesehnt, die doch so schön waren?

 

Da sind Dinge passiert, an die man gerne zurück denkt, und die schon so weit in der Vergangenheit zurückliegen, dass man sich kaum noch an sie erinnern kann.

 

An so manche Begebenheiten jedoch erinnert man sich wie von selbst und bisweilen kommt es sogar vor, dass man ihnen schweren Herzens nachtrauert. Anderseits gibt es auch Dinge, die man am liebsten ungeschehen machen würde, wie der Tod eines geliebten Menschen beispielsweise. Das ist eigentlich ganz in Ordnung, so lange diese Rückschau in die Vergangenheit nicht das eigene Leben und Handeln in der Gegenwart lähmen.

Wir müssen bedenken, dass es Zeiten der Trauer und des Hinterher-Trauerns gibt. Das ist ganz normal. Bedenklich wird die Sache allerdings, wenn man von dieser Trauer nicht loskommt. Man sollte den Dingen und den Begebenheiten, ob sie nun positiver oder negativer Natur waren, nicht ständig nachtrauern oder nachweinen. Die beste Methode ist, den Blick in die Zukunft zu richten, damit man sein eigenes Leben konstruktiv gestalten kann.

Wer zu lange trauert oder nicht von ihr lassen kann, der zieht sich immer mehr aus dem Leben zurück. Der Weg in die selbstgemachte Isolation ist aber der falsche Weg. Die Gedanken werden schwermütig, der Kopf neigt sich, die Schultern hängen schlaff durch, der Blick ist oft nach unten gerichtet und man ist in sich gekehrt. Diese Phase des Leben, also die der Trauer, kostet viel Kraft, die man besser woanders einsetzen könnte und auch sollte. Traurigkeit macht in gewisser Weise auch hilflos. Körper, Geist und Seele bilden allerdings eine Einheit. Leidet der Körper, leiden früher oder später Geist und Seele mit. Das gilt für alle Teile der Einheit, die ja die Ganzheit ausmachen.

Nun, die Zeit der Trauer ist zwar wichtig und die sog. Trauerarbeit gehört auf jeden Fall zum Leben dazu. Aber man sollte als souveräne Persönlichkeit ebenso Zeit haben für die Freude, für die Ausgelassenheit und des Glücks und versuchen, mit seinem Verlust entsprechend leben zu können. Denn alles Geschehene gehört letztlich zum eigenen Leben dazu, wie alles andere auch.

 

Es gibt auf jeden Fall eine Zeit nach der Trauer, so wie es eine Zeit vor der Trauer gegeben hat. Es muss immer einen Punkt des Wandels geben (können). Dieser Zeitpunkt, das gebe ich gerne zu, der kann bei jedem Menschen anders sein, aber er ist da und kommt mit Sicherheit, bei jedem von uns. Keine Trauer kann ewig anhalten. Das Leben hält so viele Chancen für uns bereit, und wir müssen nicht unbedingt auf der alten Straße weitergehen, wenn wir auf ihr nicht mehr gehen können oder wollen. Wir geben uns selbst eine Chance, wenn wir die Richtung ändern und unserem Leben, und damit auch der eigenen Persönlichkeit, einen konstruktiven Neuanfang ermöglichen.

 

Denn das Leben, das Sein an sich, macht keine Pause, es hält nicht an und alles geht weiter. Das sollte man bei aller berechtigten Trauer immer bedenken, um den Anschluss an das Leben nicht zu verpassen.


(c)Heinz-Walter Hoetter

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.05.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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