Francois Loeb

DER FEHDEHANDSCHUH

Wenn Handschuhe hadern, zu lesen in der neusten Wochengeschichte aus meiner Feder:



Endlich, endlich habe ich die so begehrten Rally-Handschuhe aus purem sanftem Elchleder von meiner Freundin geschenkt bekommen. Habe mich echt darüber gefreut. Belüftungslöcher auf der Oberseite. Der letzte Schrei! Ähnlich den Luftansaugstutzen eines Rennboliden. Kann mich jetzt getrost an das Steuer meines alten VW Käfers setzen. Mir vorstellen, ich sei auf der Rennstrecke in führender Position. Meinen Jugendtraum dadurch mit meinen achtundachtzig Jahrringen endlich erfüllen! Was für ein Genuss! Konkurrent um Konkurrenten überholen. Dann Überrunden. Immer der schwarz-weissen Zielflagge entgegen rasen. Umjubelt. Aufbrandende Sprechchöre, deren Inhalt ich des Fahrtwinds wegen nicht in Worte übersetzen kann. Unwichtig! Es winkt die Champagnerflasche. Schütteln. Meinen vernichteten Mitfahrern übers Haupt giessen. Dann das perlende Gefühl im Gaumen und Hals erleben. Den Siegeskranz aus grossen Lorbeerblättern von der Rennleitung überstülpt erhalten. Was für ein einmaliger Genuss. Siegestrophäe über dem Kopf schwenken. Landeshymne stante pede mit ernstem Gesicht Hand auf dem Herzen pochend anhören.
Da stört ein Kribbeln auf der Handoberfläche der Linken! Was soll das? Leder chemisch behandelt? Allergie? Verstopfte Löcher? Finger der Rechten, wie gut ragen diese nackt aus dem Rennhandschuh, versuchen kratzend, Fingernägel vornübergebeugt, zu Hilfe zu kommen. Nicht auszuhalten dieses Jucken. Handschuh wegzerren. Fällt vor mir zu Boden. Grinst mich frech an. Öffnet seinen im offenen Kleinfingerstumpf ihm soeben gewachsenen Mund. Erklärt mir schreiend, begleitet von Trompetenstössen die Fehde. Betont diese gelte nicht mir als Person, sondern dem rechten Handschuh der sich stets so aufspiele. Der ihn beleidigt habe. Tödlich beleidigt. Nur eine Vernichtung könne diese Missachtung seiner Ehre ausgleichen. Der rechte Handschuh soll sich dem Duell stellen. Und zwar sofort und unmittelbar. Ich fühle jetzt ein arges Brennen am rechten Handgelenk. Kann nicht anders. Entledige mich auch von der luftigen Handbedeckung. Werfe diese zu Boden. Da kaum zu glauben, beide gehen aufeinander los. Beginnen sich ineinander zu verhaken. Zerren an den abgeschnittenen Finger. Werfen sich gegenseitig vor, nicht voll gebacken zu sein. Halbfertig. Halbnackt. Nicht sich gegenseitig ehrenhaft gebend. Einander dadurch beleidigend.
Wärmespende vermissend. Unkultiviert. Die lange und bewundernswerte Geschichte der Handschuhe negierend. Halbschuhe, sagt der Linke, gebe es doch. Halbhandschuhe, nein, er wolle von so etwas nichts wissen. Und Rennen fahren? Nein, so eine Absurdität, ein solches Verbrechen gegen die Umwelt sei unter jedem Hund. Worauf die Rechte auf seine Abkunft von Elchen und bestimmt nicht von einem Hund hinweist. Diese Beleidigung nicht hinzunehmen gewillt sei. Er nun seinerseits die Fehde gegen den Linken ausruft.

Jetzt wird der Kampf ernst und wehmütig denke ich an meinen Formel 1 Traum aus dem ich aufschreckend erwacht bin. An die so edlen, ja adligen Handschützer. Sehe wie diese sich gegenseitig zerstören. Risse knistern in meinem Ohr. Leder schreit auf. Ruft um Hilfe. Doch nichts geschieht als weitere Kämpfe. Handschuheere fluten den Boden vor mir. Mörderische Handgreiflichkeiten zerstören sich gegenseitig. Säen Leid und Not. Zerbrechen meine Illusion, endlich im hohen Alter meine Utopie erleben zu dürfen. Friedlich und gemeinsam durch gegenseitigen Respekt Handgreiflichkeiten vermeidend bis hin in mein Methusalemalter und weit darüber hinaus …


Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

F L U C H T

Schuhe in der Hand
Kopf gegen der Kriege Wand.

Flüchten aus einem Land
Das Leben nur noch
rieselnd Sand.

Nein ich
wein.


Herzlichst
François Loeb

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.07.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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