Katja Baumgärtner

Der Ameisenkasper

Der Ameisenkasper

 

 

 

In der Nähe eines kleinen Dorfes, am Waldrand, wo die Rehe und die Hasen zur fruehen Morgenstunde und bei Abenddämmerung sich trafen, um miteinander zu grasen und herumtollten, hatte eine Ameisenbevölkerung vor kurzer Zeit den Bau ihres Nestes beendet. Das Ameisennest hatte seit dieser Zeit niemand bemerkt, und die Ameisen liefen turtelnd jeden Tag wie wild herum, arbeiteten und riefen durcheinander, so das tagein, tagaus ein reges Durcheinander war.

Der Herrgott hatte seit dem Tag, an dem die Ameisen hier einkehrten sein Auge auf sie und liebäugelte ihr emsiges Schaffen.

Der Sommer näherte sich, die Zeit in der Königinnen und Männchen sich paarten und der Nachwuchs für die Ameisen wichtig war, um den Ameisenhaufen weiterhin in seiner idyllischen Ordnung vorzufinden.

Die Ameisenkinder schlüpften auch schon, und es wurde mit der Einteilung der jungen Ameisen begonnen. Ein paar Ameisenkinder wurden für die Nahrungsbeschaffung eingeteilt, die anderen sollten die Gänge und die Schlafgemächer des Reiches säubern, wieder andere waren Bedienstete des Hohen Adels und der Königinnen und wieder andere mussten das Ameisenreich vor Eindringlingen und Feinden schützen.

Da hatten jetzt jeder der frisch Geschlüpften eine Aufgabe, außer eine sehr schwache ängstliche Ameise, die während des Aufrufen sich mehr und mehr versteckte und zu guter Letzt verängstigt in der Ecke kauerte. Ihr Name war Sad. Als der Ameisenmeister rief: “Ist nun jeder zugeteilt?“ drehten sich die Ameisenkinder zu Sad, der angefangen hatte, zu weinen. Sie starrten ihn an und begannen zu tuscheln.“ Der kann doch nichts“ Ein anderer: „Ein Nichtsnutz ist das sicherlich. So einer hat bei uns nichts, zu suchen. Jagen wir ihn fort!“ und andere gemeine Dinge mehr. Der Ameisenkasper sprach daraufhin: „Dich hat man also vergessen! Ich werde sofort die Höchste aller Höchsten fragen, was mit dir, kleiner Knirps passieren soll. Die Höchste aller Höchsten wird über dich bestimmen, welche Aufgabe dir zuteil haben soll, du Taugenichts! Deinen Namen hätte ich dann noch !“ und schaute ihn dabei mit großen, drohenden Augen an, drehte sich, als er den Namen er fahren hatte, geradewegs um und war verschwunden. Daraufhin lief die Menge auseinander und löste sich in einem Mal auf, ohne Sad noch irgendeine Beachtung zu schenken, und in ihren Köpfen vereint, ihn nie wieder zu sehen.

Die kleine Ameise wurde seit dieser Zeit noch einsamer, aber es gelang ihr, durch einer Welt voller Träume wie Freunde zu haben und zu spielen, ein lebenswerten Leben zu haben. Wenig später wurde Sad einer Aufgabe zuteil, die ihm entfremdet vorkam, aber worauf er sich freute. Er sollte Ameisenkasper werden und die anderen Ameisen zum Lachen bringen. Raunend ging das durch die Ameisenbevölkerung, und man erzählte sich ungefähr folgendes: „ Ameisenkasper, was ist denn das? Ein Ameisenkasper – das gab es doch noch nie!“ und bevor Sad noch auftrat, lachte jeder über den Ameisenkasper, den Nichtsnutz !

„ Ein Ameisenkasper ha, ha, ha – wer braucht so etwas schon?“ Böse Zungen sagten sogar: „ Ist dem Staat nur ein Knüppel am Bein! Soll er doch verhungern !“

So hatte Sad zwar viele Auftritte als Ameisenkasper, er wurde auch dauernd gebucht, die Ameisen kamen auch, sie wollten sich ja totlachen , er reiste auch oft von Königin zu Königin, aber er fand keine Freunde, und kaum jemand wechselte mit ihm ein Wort und wenn, dann nur, wenn es wirklich nicht anders ging.

Sad war als Ameisenkasper in aller Munde, doch niemand nahm ihn ernst. Sad war aber in dem Alter, indem es sehr wichtig gewesen wäre ihn ernst zu nehmen. Stattdessen sagten sie: „ „Nichts Sinnvolles bringt er zustande! Hätten wir ihn nicht, müssten wir weniger arbeiten und könnten unsere Leben mehr genießen, stattdessen gehen wir auf diese lächerlichen Veranstaltungen!“
Nach allen Auftritten, die Sad bereits hinter sich hatte, saß er alleine vom Ameisenhaufen abseits auf einen Stein und weinte.
Eines Tages kam eine Ameisenkönigin vorbei und blieb stehen „Du weinst!“

Sad sagte nichts. Du hast es sehr schwer!“ , sprach sie mit einer sehr zärtlichen Stimme. „Was man nicht kennt, versetzt einen meist in Empörung, Manchmal sogar in Angst Vielleicht geschehen noch Wunder, und du wirst von den Ameisen angenommen. Ich wünsche dir auf alle Fälle alles Gute und mögen alle deine Wünsche in Erfüllung gehen!“ und war so leise verschwunden wie sie gekommen war.

Eines Tages ging ein Ameisenbär schnurstracks schnaubend und wütend auf den Ameisenhaufen zu. Er wurde von den Wächtern gesichtet, und jeder sprach von da ab nur noch vom Ameisenbär.

„Vielleicht ist das , das Wunder von dem die Königin sprach. Keiner spottet mehr über mich! Sie reden alle nur noch vom Ameisenbär!“

Das Aufsehen war sehr groß unter den Ameisen. Sie liefen voller Angst herum und traten sich auf die Füße und teils sogar tot - so groß war die Anspannung nun. Es war ein Chaos, das nicht zu bremsen war bis die Stimme des Ameisenmeisters durch das ganze Reich hallte: „Hört! Ich habe euch von der Höchsten aller Höchsten eine Nachricht zu überbringen.“

Das wilde durcheinander Gerede wurde zum Gemurmel bis es völlig still im Ameisenreich wurde. Der Ameisenmeister sprach weiter : „Ihr wisst, dass sich uns ein Ameisenbär nähert. Unter diesen Umständen findet eine Versammlung gleich um sechs Uhr im großen Ballsaal statt. Wir wollen dort besprechen, wie wir gegen diesen Feind vorzugehen haben Die Bitte der Höchste aller Höchsten ist es, bereits Gedanken zu machen, was in einer solchen Situation zu machen ist. Die Höchste aller Höchsten wünscht sich, dass jeder und wirklich jeder der im Ameisenreich Lebenden das Treffen ernst nimmt. Danke!“ und drehte sich schnurstracks um.

Und so trafen sich alle Ameisen im großen Ballsaal. Auch die, die sonst zu faul waren und auch die Alten.

Während sich alle im Saal versammelt hatten, redete jeder durcheinander bis die Höchste aller Höchsten durch den Saal auf einem roten Teppich zu ihrem Hoheitsstuhl schritt, woraufhin Ruhe einkehrte. „Ihr wisst alle weswegen wir uns alle hier versammelt haben und deswegen beginnen wir gleich ohne vieler Worte verlieren, zu müssen!“ Völlige Stille. „Welche Vorschläge eurerseits gibt es ?“ schallte es mit bebender Stimme durch den Saal und jeder der Anwesenden hielt in diesem Moment den Atem an. „Ihr wisst wir haben noch wenig Zeit und ein Ameisenbär gehört zu den größten Feinden eines Ameisenstaates!“

Die Stille wurde von einer Ameise unterbrochen, die rief: „ Flüchten! Flüchten müssen wir! Wir könnten uns gut woanders eine Existenz aufbauen, dort, wo wir sicherer sind, dort wo ein Ameisenbär nicht so schnell hinkommt!“

„Ja, ja“, riefen viele daraufhin: „Lasst uns nichts wie flüchten!“
Eine andere Ameise rief entgegen : „Flüchten? Wie können wir unseren Ameisenstaat verlassen, den wir vor kurzem errichtet und solange für den Aufbau geschufftet haben! Wir müssen den Ameisenbär auflauern und ihn vernichten - das müssen wir!“ Wieder stimmten einige Ameisen zu, und so stritt man sich die ganze Zeit, was jetzt das Beste sei bis die Höchste aller Höchsten um Ruhe bat.

Ist jeder zu Wort gekommen oder gibt es noch andere Vorschläge, die zur Lösung beitragen können? Der melde sich jetzt!“

Auf einmal rief der Ameisenkasper mit erstickter Stimme: „Ich!.... Ich habe einen viel besseren Vorschlag – denke ich!“ Die anderen Ameisen waren darüber sehr empört und riefen: „ Der Ameisenkasper und einen besseren Vorschlag - das wir nicht lachen. Der stört nur und hält uns von einer sinnvollen Lösung ab, so dass wir alle sterben werden !“

„Ruhe!“, sprach die Höchste aller Höchsten: „Jeder hat das Recht, seine Meinung frei zu sagen also auch du, Ameisenkasper. Sprich!“

Die kleine Ameise brachte kaum ein Wort heraus und sagte nur: „Wir müssen mit ihm reden!“ Da lachten alle von Herzen und lachten und lachten, und die Angst vor dem Ungeheuer war in diesem Moment wie verflogen.

„Seid still!“, sprach plötzlich die Höchste aller Höchsten hastig und hob den Kopf zur Seite. Ich höre etwas... Der Ameisenbär! Er kommt!! Wir müssen fliehen solange noch Zeit ist!“ Und so flohen die Ameisen.

Sad stand in diesem Moment ungünstig, er versperrte den Durchgang, der ins Freie führte. Und so schubsten die Ameisen ihn fort bis er zu Boden fiel und dort unmächtig liegen blieb. Da lag er nun, und die Ameisen liefen an ihm vorbei und ganz wenige auf ihm herum.

Erst durchquerten viele den Weg, dann wurden es immer wenigere bis auch die letzte geflohen war. Nur die kleine Ameise blieb übrig.

Sad konnte froh sein, dass er das Gedränge überlebte, als er zu Bewusstsein kam. So hatte Sad die Möglichkeit, jetzt zu fliehen, aber .... zu spät, denn der Ameisenbär war noch wenige Ameisenbärschritte vom Ameisennest entfernt und das Beben der Erde würde jetzt wohl keiner Ameise mehr entgehen.

Sad konnte nicht mehr fliehen, denn als er gerade vor dem Ameisenhaufen spähte, stand der Ameisenbär vor dem Ameisenstaat und wollte ihn gerade zerstören. Da rief es aus dem Ameisenhaufen heraus. „Warte! Warte doch!“
„Warte? Warte doch ? wiederholte der Ameisenbär. „Ich und warten? Auf was ? Ich habe Bärenhunger! Weißt du überhaupt wen du vor dir hast? Ich bin ein Ameisenbär! Wo bist denn du überhaupt, du unverschämter Knirps?“

„Hier!“ sprach Sad. „Vor dir!“ und winkte.

Ich weiß auch, dass du ein Ameisenbär bist!“ und da erblickte ihn der Ameisenbär, dass Sad beinahe umgefallen wäre. „Du sollst trotzdem mal warten bevor du unser Reich zerstörst! Im Ameisenreich ist kein einziger mehr.

„Ha, ha, ha. So und warum ?” antwortete der Ameisenbär „Und wer bist du denn eigentlich?

„Ich“, stotterte Sad . „Ich bin der Ameisenkasper!“

„ Wer bist du?“ fragte der Ameisenbär.
“Der Ameisenkasper!“ und der Ameisenbär fing an zu lachen. Er lachte und lachte und vergaß dabei, dass er Sad nicht nur diese Frage stellte, sondern eigentlich eine viel wichtigere Frage, wo denn die anderen Ameisen seien. Stattdessen aber sagte der Ameisenbär zu Sad :

„Erzähl mir mehr von dir ! Und wie wird man Ameisenkasper ?“ fragte er weiter. „Du gefällst mir, und ich werde dir auf alle Fälle nichts tun!“ und setzte sich bequem vor dem Ameisenhaufen.

„Gut!“sagte Sad. „Ich singe dir die Geschichte vom Ameisenkasper und wie er später einen Ameisenbär kennenlernte.“

Er holte seine neue Gitarre und nahm sie zur Hand und spielte wie er noch nie gespielt hat. Beide unterhielten sich prächtig und redeten und lachten und lachten und redeten. Bevor der Ameisenbär sich auf der Suche nach einem anderen Ameisenhaufen machte, sagte er zum Ameisenkasper: „Ich wünsche dir alles Gute und mögen dir all deine Träume in Erfüllung gehen. Deine Lebensgenossen wissen gar nicht was sie an dir haben: Sie sind dumm!“

 

Nach Stunden nach dem der Ameisenbär schon lange verschwunden war, wagten sich die ersten Ameisen zum Schauplatz zurück und schauten erstaunt die kleine Ameise an und staunten und staunten, denn es war alles so wie sie es verlassen hatten und noch sauberer, denn der Ameisenbär hatte wegen seines großen Hungers die tot getrampelten Ameisen gegessen. Sie konnten nicht begreifen, was sie in der Ferne von den anderen Tieren im Wald gehört haben. Als immer mehr Ameisen einkehrten, wurde rege geredet und dabei gesungen - Vaterlandslieder. Die kleine Ameise war in aller Munde als tapferste Ameise, die es je gab.

„Ist er nicht tapfer! Ich habe schon immer gewusst, dass er uns einmal eine große Hilfe ist !“ und anderes wie: „ Es war so langweilig ohne ihn. Er hat uns so gefehlt! Zum Glück ist ihm nichts passiert! Möge Gott ihn schützen!“
Nachdem sich alle Ameisen von dem Schreck und den Anstrengungen erholt hatten und sich die Aufregung gelegt hatte, sollte ein großes Fest zu Ehren des Ameisenkasper stattfinden und wieder kamen die Faulsten unter den Faulen, den Ameisenkasper auf seine Gitarre spielen zu sehen. Es war auch eine Überraschung vorbereitet, die topsecret war, wie es der Ameisenbär zu Sad zu sagen pflegte. Und wieder schritt die Höchste aller Höchsten über den roten Teppich durch den Saal. Während dies geschah, erkannte Sad, dass es seine Mutter war, die Ameisenfrau, der er bei seiner Geburt als erstes in die Augen schaute und auch die Ameisenfrau, die ihn damals getröstet hatte, als er auf dem Stein saß und weinte. Er kehrte auch jetzt wieder Ruhe ein als sich die Höchste aller Höchsten setzte und zum Sprechen ansetzte. Als sie auf dem Hoheitsstuhl saß, sprach sie:

„Wir konnten alle noch rechtzeitig fliehen und Dank des Ameisenkaspers ist unser Ameisenstaat unversehrt geblieben, Wir werden nie wieder von einem Ameisenbär angegriffen, da der Ameisenkasper durch seinen Witz und Humor den Ameisenbär sanft stimmte, der uns Sicherheit von anderen Ameisenbären gewährte. Durch seinen Mut und seine Tapferkeit hat der Ameisenkasper bewiesen, dass er nützlicher für uns ist, als wir alle angenommen haben und deswegen überreiche ich in Namen aller der hier Versammelten den Orden des ewigen Lebens und ernenne ihn zum Ameisenkasper des Herzens.

Der Ameisenkasper ist in aller Ameisenherzens eingekehrt und hat uns Sinn in den Alltag eines Jeden gebracht. Es lebe Sad , der Ameisenkasper.

Daraufhin rief der Ameisenmeister „Es lebe Sad , der Ameisenkasper!“ Und dann rief die gesamte Ameisenbevölkerung: „ES LEBE SAD; DER AMEISENKASPER!“

 

Es lebe Sad, der Ameisenkasper und wenn er nicht gestorben ist, so lebt er heute noch in aller Herzen mit samt seinen Lebensgenossen und - genossinnen in der Erinnerung weiter, um im Alltag aller Sinn und Freude zu lassen.

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