Klaus-Peter Behrens

Der Kater und der wilde Norden 8

Wir kamen überein, unser Lager für diese Nacht auf der Brücke aufzuschlagen. Bewusst verzichteten wir auf ein Feuer, um unsere Anwesenheit nicht kundzutun. Irgendetwas sagte mir, dass es besser war, hier unentdeckt zu bleiben. Mit einem Seufzen ließ ich mich in der Mitte der gewaltigen Brücke nieder und strich staunend mit den Händen über den Boden. Der Belag war rissig, teilweise aufgebrochen aber trotzdem stabiler als alles, was ich bisher an Brückenbelagen gesehen hatte. Auch die Halteseile, die dicker als Gorgus Oberschenkel und so stabil wie Granit wirkten, warfen Rätsel auf.

Auf was waren wir hier gestoßen?

Nachdenklich blickte ich abwechselnd nach links und rechts, wo die Brücke jeweils in eine Straße überging, die geradezu von dem finsteren Wald verschluckt wurde. Es sah aus, als wolle sich die Natur mit Macht etwas zurückholen, das man ihr vor langer Zeit abgerungen hatte. Die Vorstellung, dort einzudringen, bereitete mir Bauchschmerzen.

Dann fiel mein Blick auf den Kater, der ungewohnt schweigsam war, seit wir die Brücke erklommen hatten. Er stand sprachlos vor einer Art Tafel am Straßenrand, vollkommen verrostet und mit kaum lesbaren Buchstaben versehen.

Ich blinzelte, als ich angestrengt versuchte, den Text zu entziffern.

Nationalpark
Staudamm

konnte ich erkennen, darunter war ein Pfeil zu sehen, der seltsamer Weise nicht gerade sondern um 45 Grad nach Rechts gebogen war.

Das glaube ich nicht“, murmelte der Kater nach einer gefühlten Ewigkeit. „Das sieht aus wie bei uns zuhause, nur so ungepflegt, als hätte sich ein paar hundert Jahre niemand mehr darum gekümmert. Erinnert mich an die Verwaltung meiner Dosenöffnerin, wie da das Treppenhaus aussah..“

Kein Wunder, wo ein Kater haust...“, knurrte ich, wurde aber geflissentlich von Mikesch ignorierte. Das Schild hatte ihn definitiv gefangen genommen.

Das erste Wort lautet vermutlich Nationalpark, beim zweiten habe ich keine Idee“, stellte er fest, während er unruhig mit dem Schwanz zuckte.

Was wäre, wenn ihr damals keinen Übergang in eine Parallelwelt sondern in eine andere Zeit, genauer gesagt in die Vergangenheit geöffnet habt?“, dozierte er wie ein Gelehrter.

Ich gähnte.

Netter Gedanke, aber wie willst du in der Zeit reisen. Das ist absolut ausgeschlossen oder hast du hier irgendwo schon mal dein Dosenfutter gesehen?“

Mikesch ignorierte meinen Einwand.

Als ich dich damals nach dem Jahr fragte, was hast du da noch geantwortet?“

„903 nach dem großen Bums“, gab ich müde von mir.

Schon mal darüber nachgedacht, warum ihr eure Zeitrechnung so nennt?“

Ich geriet ins Grübeln.

In der Tat hatte ich mich damit noch nie beschäftigt. Irgendwie war der Grund über die vielen Generationen in Vergessenheit geraten, nur die Bezeichnung war geblieben.

Was sagst du dazu mein Großer?“, wandte sich Mikesch an den Troll.

Lange her, nicht wichtig.“

Ignoranten“, fauchte Mikesch. „Wenn das hier meine Welt 903 Jahre in der Zukunft ist, dann wurde die Evolution konterkariert! 903 Jahre um von der Zivlisation zurück ins finstere Mittelalter zu fallen. Das fasse ich nicht.“

Mir schwirrte der Kopf.

Können wir das nicht morgen besprechen? Die Diskussion hilft uns doch nicht weiter. Wir müssen uns jetzt der Situation stellen, egal was vor 903 Jahren war.“

Mikesch schnaubte, wie es nur ein Kater konnte. Aber er mußte auch einsehen, dass ich Recht hatte.

Dann hoffen wir mal, dass ich mich irre und hier nicht irgendwo ein gemütliches AKW vor sich hinrostet, sonst wirste morgen strahlen“, gab er zu Bedenken. Ich fragte lieber nicht nach, was das zu bedeuten hatte, da mir die Antwort vermutlich nicht gefallen hätte. Stattdessen versuchte ich es mir auf dem harten Boden bequem zu machen und bat Gorgus, mich rechtzeitig zur zweiten Wache zu wecken. Das Letzte, was ich sah, bevor mich der Schlaf übermannte, war der Kater, der eine seltsame, vom Rost zerfressene Stange mit einem Kasten dran begutachtete, der drei identisch runde, von brütenden Vögeln bewohnte Öffnungen enthielt.

Definitiv ne Ampel“, hörte ich ihn murmeln.

Dann war ich weg.

Wird fortgesetzt...bis dahin könnt ihr ja mal raten, worauf das Schild hinweist

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