Frederik Kloiber

Banu Negar *Das Achte Monat*




In Ghor[1], da gibt’s ein Minarett, von Ruhm und Größe Land ein Land aus, zu seinem Fuße fließt ein blauer Fluss. Bald Tausend Jahr hat´s längst gesehen; und doch? In Ghor da gibt’s auch eine Frau. Ihr Name uns allen so nah und gar nicht fern. Sie war im achten Monat schwanger, als sie erlebt den Zorn, pseudo-heiliger Männer…

 

Vater und Mutter, Schwester und Bruder, Ehemann und Kinder die Hände gebunden gezwungen zu sehen - der Gräueltat schlimmster Geburt.

Die Sonne brennt heiß vom Himmel herab. Flehen, Betteln nichts hilft? Grausam erklingen die Stimmen voller Angst; eitel grinst der pseudo-heilige Mann. Kalashnikow im Anschlag, schwarzer Bart - bis zum Boden lang?

 

> Allah, Allah, Allah… <, ruft aus der pseudo-heilige Mann.

 

> Warum der wohl meine Mama mordet? <, fragt im Leib der Mutter das ungeborene Kind.

 

Ein Schuss ertönt oder zwei oder drei? Ein Tag vergeht – Die Welt diese Tat niemals versteht.

 

Die schwarzen Bärte krakeelen vom Allah und göttlichem Recht. Ein Knall ertönt, Mutter und Kind sind tot. Alles im Namen Allahs? Allah aber tötete Mutter und Kind, sicher, nicht!

 

> Nein! Nein! Wir waren das nicht! <, sprechen die schwarzen Bärte, wie im Gedicht.

 

> Banu Negar[2], so hieß die Frau! Sie war Polizistin und ihrem Lande treu! <, sagt die Wahrheit; und dies gar nicht scheu.

 

Männer kamen zu Banus Haus. Männer, mit langen schwarzen Bärten. Am Tag darauf, wollt´s keiner sein gewesen. Sie nahmen ihr das Gesicht; die Erinnerung, jedoch, konnten sie nicht tilgen! Ihr Ende schreit in alle Welt, so kommt ihr nicht davon!

 

Blut tropfte zum Erdboden dahin. Keine Blume voller Schönheit kann dort mehr entstehen und Zeugnis von der Schönheit Schöpfung ablegen. Dunkel und Trocken wird’s dort sein. Gegossen mit Tränen und Salz, so wird der Erdboden verdorren.

 

In Ghor da gibt´s auch eine Frau, ihr Name ist Banu Negar und sie war bereits im achten Monat. Bester Hoffnung, mit ihrem ungeborenen Kinde…

 

Ein Lügenmann, mit schwarzem Bart, sprach laut und süß: > Nein! Nein! Wir waren das nicht! <

 

Da sprach die Wahrheit: > Wer´s glaubt wird selig! Wer´s nicht glaubt, der bleibt wenigstens ehrlich! <

 

Da sprach die Wahrheit voller Fragen: > 12-jährige Mädchen? Kriegsbeute, verheiratet und freigegeben - jede Nacht - für gleich vier Mann[3], in einem Bette? <

 

Ein Lügenmann, mit schwarzem Bart, sprach laut und süß: > Alle Frauen, im Afghanen Land, haben ihre Rechte! <

Laut die Wahrheit dies verlacht und fragt: > Welche Gräueltat plant der Mann, mit schwarzem Bart? <

 

Da sprach die Wahrheit weiter und voller Hohn: > Vergewaltigung, das ist kein Recht! < und spuckte mit Verachtung aus.

 

Beute? Beute? – Schwarze Bärte! Armes Mädchen im Afghanen Land, geschändet lag am Straßenrand. Erbarmen, Gnade, Rechtschaffenheit so ist Allah im Himmel! Wird Schande, Blut und rote Tat, so reich gezeugt im blinden Wahn, seinen Weg ins Paradies, vorbei an Allah, niemals findet! Allah ist Ehre und edle Tat, bestraft all rote Tat - und bindet all Schande zum Iblis in den Feuerteich. – Dort brennen auch schwarze Bärte… - zügig und mit viel Rauch.

Die Nächte kommen, die Nächte gehen. Wer erklärt den Kindern, wer dem Vater - warum schlimme Dinge geschehen? Kann das Unsagbare erklärt und überhaupt beschrieben werden?

 

> Inschallah! <, ruft der Gläubige da laut aus.

 

Laut donnernd, voller Zorn, die Antwort vom Himmel folgt: > Lasst mich da endgültig raus! Euer Wahn ist nicht mein Gedicht! <

 

Keine Angst kennt das ungeborene Leben. Keiner Sorge fällt es anheim. Frei wird es vom Verrat der Bärte sein. In Ghor wird kein Kind geboren. Hazara du lebst in blutigem Land. Mord und Totschlag säumen die Meilen des Wegesrands – die blutige Lüge der schwarzen Bärte, reich offenbart. Afghanistan machst du zu totem Land.

 

Und in Kabul[4], brav und fein, weißes Fähnlein mit schwarzer Schrift, schön brav verkauft in jeder Straße: „Inschallah - bei so viel Wahn!“ Vergangen waren kaum zwei Wochen und zwei Tage.

 

Allzu „gläubig“ liebt das Unrecht, gleich eine Hure den Geldschein liebt. Da macht der Lügenmann keinen Unterschied. Eifrig, fleißig fordert der Meuchelmörder – Geld hier und Unterstützung dort – doch geht’s ihm stets nur um viel Macht, garniert mit seiner endlosen Gier.

 

Eine Schlange kam schlängelnd des Weges, in der Mittagssonne. Sie fand vor einen Vater, seine Kinder und noch andere mehr. Sie knieten und ihre lauten Tränen ließen die Schlange erbeben. In der Mitte aller Menschen, da lag Banu Negar, tot mit ihrem ungeborenen Kinde. Doch wen kümmerts, wenn die Kasse schön klingelt? Man verbleibt ganz freundlich und allem süßen „Getingel“ – den Rest, den treibt die Furcht.

Die Bluttat an der Hazara? Allah verlangt dies nicht! Männer mit schwarzen Bärten und unreinem Geist, fehlgeleitet vom Iblis (Teufel) und der Macht – verführt zu Gräueltaten. So wird am Ende, im Feuer See gerichtet – Und Allah gebietet ihren Lügen das ewige Schweigen. Kosten sollen sie ihr so reichlich vollbrachtes Leiden!

 

Allzu rasch kommen die Geldkoffer - von weither. Lockt der Dollar, lockt der Euro und Schätze im Boden, getränkt mit dem Blut der Kinder, eines sterbenden Landes. Berauschend ist das Hasch, kaufen will man´s vom Mann, mit dem schwarzen Bart[5]. Offenbart liegt die Lüge mit gespreizten Beinen bereit, da sprach die Vernunft: > Gottesfürchtig dealt der Mörder? Gottesfürchtig höhnt der Kindermörder? < Gott aber handelt nicht mit Rausch und blutiger Hand.

 

Ein Anzugträger, schön gekleidet mit Luxus und mehr, spricht laut, so dass es alle hören: > Die Leute im Afghanen Land brauchen Arbeit – Bitte sehr! < Der Iblis schickt seine Hintermänner? Verzückend ist die Torheit und ihr selbstgefälliger Glaube - im Handeln - ohne zu denken! Viele Tempel sind dem Bösen zu lange schon geweiht…

 

Glauben fällt da reichlich schwer. Glaube? Die Frage muss heißen, wo ist jener, an dem man glauben soll? Die Welt tanzt nackt, wie einst die große Hure Babylon; und für immer soll dem goldenen Kalb geopfert werden? Die Werte? Ach komm leck mich am Arsche, mit deinen Werten! Ich sah sie fallen und sich nie wieder erheben… Vergesslich ist die Welt und rasch findet sich ein neues Thema. Vergesslich ist die Welt, so rasch, so zügig, so eilig mit unverständlicher Hast. Glorreich, in der Schande, war der Werte Fall und niemals wieder sprich zu mir!

 

Ein Wort ohne Gewicht? Schlecht spricht sich´s bei Rechenschaft und Gericht! Doch sprechen sie es gerne, dass Wort ohne Gewicht. Geglaubt wird, dass es sie nicht trifft? Fein und brav vom Frieden gelabert und gleich danach werden Waffen ausgegraben. Verscherbelt wird Leben und Unrecht erblüht, bei Kaffee und Nachtisch. Der Agitator erhebt sein klein wichtiges Stimmchen, spricht von Notwendigkeit und anderem Getingel. Ich schalte das TV-Gerät ab. Für eine Nacht habe ich sie alle satt! Heuchler und Barbaren, mit längst verwahrlosten Seelen. Da hofft man auf die Endzeit, da hofft man auf das letzte Gericht! Allein schon um zu sehen, wie der letzte Richter spricht dann Wahrheit und Spruch – unveränderlich – kein Anwalt wird verdrehen die Wahrheit und göttliche Pönale! Wie würde ich mich da freuen und laut lachen! Wie das Glück spüren, fern aller menschlichen Qual! Ihr Entsetzen, wenn der Allerhöchste erscheint, wenn sein letztes Wort ihre Vermessenheit pikiert, wenn Allah ihnen zeigt, wer Herr ist und es niemals war!

 

Banu liegt in der Erde ihrer Lande und wird ruhen, so hoffe ich es!? Kann ich vergessen, was ich las? Nein das wird so nicht geschehen, denn warum sollte man vergessen wollen? Wo das Unrecht längst schon voll erwacht? Bis in aller Sterne letzten Schein soll davon gekündet sein!

 

Ins Nichts des Vergessen wollten sie dich stoßen? Nichts ist ihr Los, denn wir werden dies nicht vergessen… Banu Negar war ihr Name, sie trug ein Kind unterm Herzen und war ihrem Lande treu! Ihr Vermächtnis ist ein großer endloser Schrei, tief in der Nacht des Afghanen Land und nie wird sein Friede mit aller Pracht…

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[1] Ghor ist eine zentralafghanische Provinz

[2] Banu Negar ist eine ehemalige Polizistin der Volksgruppe der Hazara. Sie wurde laut der britischen Zeitung „Daily Star“ am 04.09.2021 in ihrem Haus in Ghor/Firozkoh von der Taliban ermordet – Ihr Gesicht erfuhr dabei Verstümmelung.

[3] Die Sozialaktivistin Fariha Easer, die fast ihr ganzes Leben lang für die Rechte der Frauen in Afghanistan gekämpft hat, behauptete, dass die Taliban Frauen und Mädchen zur Heirat zwingen. Nach der Hochzeit würden die jungen Mädchen "jede Nacht von vier anderen vergewaltigt", behauptet Easer.

[4] Hauptstadt von Afghanistan

[5] Beliefern die Taliban Deutschland schon bald mit Marihuana?

10.12.2021 — Die Taliban wittern ein ganz großes Geschäft. Der Grund: Die neue Bundesregierung will Cannabis in Deutschland legalisieren.

https://www.news.de/politik/856031324/cannabis-legalisierung-in-deutschland-geplant-unternehmen-ueberprueft-marihuana-lieferung-von-taliban/1/

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.07.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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