Hajo Schindler

Sparfüchse gesucht

Wie oft haben wir in den letzten Monaten nur  halbe Sache gemacht. Mir fällt da z.B. das Tanken ein. Wer hat schon bei diesen Preisen sein Auto jedes Mal randvoll getankt. Aber: Heute ist es endlich soweit! Alles wird besser. Aber doch nur vielleicht. Denn: Jetzt ist sie endlich da, auf meinem Konto, die Rentenerhöhung.

Ja, auch wenn diese in diesen Tagen differenziert betrachtet werden muss und  unterm Strich faktisch eine Mogelpackung ist. Die Energiekrise, die Inflation frisst und frisst, frisst wieder alles auf. Nichts bleibt übrig. Apropos Energiekrise!  Jeden Tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Stop,  ich korrigiere mich. Fast im Stundentakt prasseln Vorschläge der Politik zum Energiesparen auf uns Bürger herab. Dabei trägt der unstillbare Drang unserer politischen Elite nach Aufmerksamkeit bisweilen eigentümliche Blüten. Kürzer Duschen, alte Duschköpfe gegen Sparduschköpfe austauschen, immer einen Deckel auf den Topf beim Kochen und stets auf der richtigen Herdplatte erhitzen , Gardinen zuziehen, Kühlschranktür schnell wieder schließen, Laptop statt PC nutzen, Wäsche ohne Vorwäsche und bei 30 Grad waschen, Bügeln aussetzen,  usw, usw……..

Es wird Zeit, dass die hitzigen Tage bald vorbei sind. Sorry, denn man merkt, wie sie manchen zu Kopf steigen.Bei großer Wärme, Hitze, schüttet der Körper das Hormon Vassopressin aus. Das führt nachweislich zu einer erhöhten Aggression und Unbeherrschtheit. Jetzt wird mir klar, wie die kläglichen Empfehlungen der Energieeinsparung entstanden sind, damit wir - wie es so schön heißt - für den Winter gut aufgestellt sind und uns nicht den Arsch abfrieren.

Wegen der immer stärker zündelnden Energiekrise hat unser Bundes-Olaf deshalb seinen Urlaub unterbrochen, verließ ratz fatz seine Holiday-Destination im Allgäu und eilte ins politische Haifischbecken in Berlin. Dort informierte er in einer Pressekonferenz am 22.7. über aktuelle Fragen der Energiepolitik. „You`ll never walk alone“, sagte er im renommierten Oxford-Englisch und mit gepaarter Liverpooler Fußballfolklore, was frei übersetzt bedeutet: „Fürchtet euch nicht, ich bin bei Euch alle Tage, Papa regelt das.“

Ich war den Tränen nahe und fast hätte ich es ihm geglaubt, aber es fehlte mir am Schluss konsequenterweise die geschichtsträchtige Formulierung: Wir schaffen das. Fakt ist, ein englischer Satz als kleine Solidaritätsbekundung wird nicht ausreichen.

Meine Frau und ich folgen natürlich der Bitte von Politikern und Experten, versuchen Energie zu sparen, da wo es möglich ist. 

Übrigens: Ich habe mich schlaugemacht: Experte ist, der/die aufgrund langjähriger Erfahrung über bereichsspezifisches Wissen/Können verfügt.

Verehrte Leser, ich will jetzt nicht protzen, nicht  auf den Putz hauen und bitte, stempeln Sie mich nicht als verblendeten Größenwahnsinnigen ab, aber ich gehöre auch zu dieser Spezies Mensch, die dieses bereichsspezifische Wissen haben. Allein schon für die Wortwahl - bereichsspezifisches Wissen  - kann ich mich begeistern.

Ich kann Ihnen z.B. genau sagen, wer zehn Mal hintereinander Deutscher Fußballmeister geworden ist und es nächstes Jahr wieder wird. Wer in der 2.Liga abermals den Aufstieg ins Oberhaus des Fußballs versemmeln wird und wer das Prädikat Deutscher Meister der Herzen hat. Warum ein berechtigter Handelfmeter für meine „Echte Liebe“  Borussia Dortmund im letzten Saisonspiel nicht gegeben wurde und warum meine „Echte Liebe“  besser mit einer Dreierkette in die neue Saison gehen sollte. 

Gut, Experten, zu denen ich mich ja zweifelsfrei rechnen darf, können sich auch mal irren. Man spricht eigentlich nicht gerne darüber, aber wenn dieser seltene Fall eintritt, können sie, ich  auch, aber vehement und belastbar erklären, warum das, was sie/ich vorausgesagt/angekündigt/prophezeit haben nicht eingetreten ist.

Entschuldigen Sie bitte diese kleine Abschweifung, aber das musste mal gesagt werden, weil mich ja sonst niemand lobt.

Zurück zur Energiekrise. Ach ja,  ich wage die Prophezeiung, nein, ich bin mir sicher,  dass auch die Fußball-Bundesliga ihren Beitrag leisten wird - müssen -. Keine Flutlichtspiele mehr, Rasenheizung bleibt/- wird ausgeschaltet, solange die Energie ein knappes Gut ist.

Meine Frau und ich möchten, wie schon angedeutet, natürlich auch unseren bescheidenen Beitrag in der Energiekrise leisten.

Trotzdem wollen wir uns nicht ganz von den schönen Seiten des bisherigen Lebens verabschieden, etwas gönnen, obwohl das in diesen Zeiten mit viel Fingerspitzengefühl und äußerst differenziert angegangen werden muss. Wir leben eben in wilden Zeiten, von Krisen geschüttelten Zeiten.

Meine Frau und ich duschen derzeit nur noch gemeinsam nach Stoppuhr. Wir zwängen uns dabei vorsichtig in die Dusche, verständigen uns über die richtige Stellung und positionieren uns dann dicht aneinandergedrängt unter dem Duschsparkopf. Wenn Sie mich fragen: Nun ja, pures Vergnügen ist das gerade nicht, aber was mut dat mut.

Ich erinnere mich in diesem Augenblick genau daran wie es früher war: Im Aufkeimen der zarten Blüte unserer Liebe haben wir öfter zusammen unter der Dusche gestanden, allerdings nicht um Energie zu sparen.

Es gab eine Zeit, da sind wir des öfteren ins Restaurant, ins Theater, ins Museum, zu Konzerten gegangen. Das wird spätestens im Herbst, wenn geheizt werden muss, dazu führen, dass Besuche derartiger Locationen aufgrund der exorbitanten Energiepreise viel teurer und kaum noch bezahlbar sind. Und dann müssen wir uns einem weiteren Problem stellen. Eigentlich war das Thema Corona für mich abgehakt. Doch ab September könnte es wieder dramatisch werden, warnt Karl Lauter-Krach. Corona könnte mit Macht zurückkommen. Dann heißt es wahrscheinlich wieder:  Zutritt nur für 3G, 2G+, 2G, 1G.  Vielleicht  oder sogar mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit dürfen dann nur 4G+ Personen. ( geimpft, genesen, geboostert und noch mal geboostert und getestet) in die vorher erwähnten Einrichtungen. Die Regeln ändern sich im Handumdrehen, schneller, als wir uns darauf einstellen können.

Ich denke, wir müssen alle bisherigen Maßnahmen neu denken und noch weiter an der Stellschraube drehen. Wieso eigentlich wird der Mundschutz nachts im Bett noch nicht getragen? Wieso halten sich in manchen Familien immer noch mehr als zwei Personen gleichzeitig auf? Und wieso wird bei Online-Konferenzen eigentlich kein Sicherheitsabstand zum Bildschirm eingehalten? Wieso wird nicht über Ausgangssperren nachgedacht. Ich favorisiere da ein Zeitfenster zwischen 2 und 4 Uhr morgens.

Ich muss mal meinen taffen Freund, den forschen NRW Ministerpräsidenten Hendrik Wüst im Zuge des Bürgertelefons kontaktieren und beknien, dass er bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz, deren Vorsitz er inne hat, meine vorstehenden Handlungsempfehlungen einbringt.

Den Petitionsausschuss des Bundestages werde ich informieren und auffordern, bei Karl Lauter-Krach nachzufragen, ob es zu den von mir angeregten Erweiterungen schon aussagekräftige Studien gibt. Wenn es einer weiß, dann er.

Ungeachtet dessen kann ich nur empfehlen, ab morgen  nichts wie raus, raus aus den eigenen vier Wänden und ab in das pulsierende Leben,  in die die Natur, solange es noch ohne große Einschränkungen geht und die Spritpreise sich unter drei Euro bewegen.

Schnell noch einmal schick ausgehen. Das Auto – dank Rentenerhöhung - bis zum Überlauf richtig volltanken. Wann haben wir das zuletzt gemacht? Ich kann Ihnen aber jetzt schon verraten: Billig wird die nächste Zeit für uns bestimmt nicht!  Die kostet uns zwar eine große Kleinigkeit, aber dafür werden es auch Stunden, Tage, eher Wochen sein, die wir so bald nicht vergessen werden.

Schon morgen werde ich die  Rentenerhöhung  eines Monats für`s einmal Volltanken auf den Kopf hauen. Sollte wider Erwarten doch noch ein paar Euros, Cent, überbleiben, werden meine Frau und ich den Side Kebab Imbiss ansteuern und uns einen Döner genehmigen. Zu Hause werden wir dann die Flasche Champagner aus dem Kühlschrank holen ( Ja, logo, wir werden ganz schnell die Kühlschranktür wieder schließen, Sie wissen schon warum….)  und die angestaute Frustration einfach wegtrinken. Prost!

Alles im allen muss ich leider festhalten. Das Leben, unser heutiges Leben ist eben kein Zuckerschlecken resp. Wunschkonzert.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.07.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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