Karin Grandchamp

Das vierblättrige Kleeblatt

Das vierblättrige Kleeblatt

Sieglinde und Thomas waren schon seit zehn Jahren verheiratet und wünschten sich von ganzen Herzen ein Kind. Nie klappte es bis Sieglinde eines Tages doch schwanger wurde und in den Genuss der Vorfreude einer zukünftigen Mutter kam. Beide wünschten sich ein kleines Mädchen aber ein Junge wäre auch willkommen gewesen, Hauptsache gesund.
Sie freute sich, strickte, richtete das Kinderzimmer ein usw. Nach acht Monaten hatte sie schon Wehen und wurde in die Frauenklinik eingewiesen. Drei lange Tage lag sie in Wehen und dann kam endlich ein süßes kleines Mädchen zur Welt. Eine sehr schwere Geburt, doch bei so einem kleinen süßen Wesen, nahm sie das gerne in Kauf. Sie gaben der Kleinen den Namen „Marion“. Thomas kam freudestrahlend in die Klinik und betrachtete das Mädchen, als eine Gabe, die ihr Glück perfekt gestalten sollte. Am Liebsten hätte er beide gleich mitgenommen. Thomas ging wieder nach Hause und verkündete Allen, dass ein kleiner Engel geboren wurde. In der darauffolgenden Nacht traten bei Sieglinde Komplikationen auf. Die Ärzte hatten alles Mögliche versucht, jedoch starb Sieglinde in der Nacht noch, an den Folgen der Geburt.
Am nächsten Morgen kam Thomas ganz verstört und traurig in die Klinik. Ihr Glück war doch perfekt, warum musste Sieglinde sterben. Thomas bat um die Erlaubnis, seine Tochter sehen zu dürfen und erzählte ihr, was geschehen war. Er war sich sicher, dass die Kleine das verstehen würde, oder es eventuell nur spüren könne. Er gab ihr das Versprechen, dass er ein guter Vater für sie sein werde und alles Menschenmögliche für sie tun würde, damit sie ein glückliches und zufriedenes Leben bei ihm hätte.
Und so geschah es auch. Das kleine blond gelockte Mädchen, mit ihren blauen Augen und einer zarten Pfirsichhaut, wurde mit viel Vaterliebe erzogen und es hatte ihr an Nichts gefehlt. Als Marion zwanzig Jahre alt war, lernte sie einen lieben Mann kennen, dem sie kurze Zeit darauf, das Jawort gab. Ihr Vater war glücklich, denn er mochte ihren Mann auch sehr gerne.
Wenige Wochen später wurde bei ihrem Vater eine schlimme Krankheit festgestellt und der Arzt bat Marion ins Krankenhaus, um ihr mitzuteilen, dass ihr Vater nur noch kurze Zeit zu leben hat. Marion brach in Tränen aus, ihr Vater, der ein Gott für sie war, sollte sie jetzt schon verlassen. Nach zwei Monaten verstarb ihr Vater.
Marion war so traurig, und wollte ihrem Vater noch etwas Besonderes für die Ewigkeit mitgeben. Auf seinen Sarg legte sie ein vierblättriges Kleeblatt, welches sie vor einiger Zeit beim Spazierengehen gefunden hatte. Der Schmerz saß tief und Marion war wochenlang nicht ansprechbar. Tagtäglich ging Marion auf den Friedhof, betete, sprach mit ihren Eltern und legte eine rote Rose nieder. Sie hatte sich nichts mehr gewünscht, als wieder bei ihrem Vater zu sein und ihrer Mutter, die sie leider nie kennenlernen durfte. Ihr Mann, der anscheinend so lieb zu ihr war, entpuppte sich zu einem Tyrann. Er machte ihr das Leben schwer, war nie daheim, immer nur mit Freunden unterwegs und wenn er nach Hause kam, schrie er sie nur noch an und schikanierte sie.
Marion wurde immer schwächer. Sie nahm nichts mehr zu sich und in einer Nacht hatte sie sich dann dazu entschlossen, sich am nächsten Tag das Leben zu nehmen. Als sie am Morgen aufstand, lag ein vierblättriges Kleeblatt auf ihrem Nachttisch. Marion wusste, dass das Universum ihr das geschickt hatte, um ihr mitzuteilen, dass ihre Eltern, auch wenn sie nicht mehr auf Erden sind, noch immer über sie wachen. Von dem Tag an sammelte sie wieder Kräfte und rappelte sich wieder auf. Sie ließ sich scheiden und lernte nach ein paar Jahren einen sehr, sehr lieben Mann kennen, mit dem sie ihr Leben teilte.
Sie bekamen ein kleines Mädchen, welches sie Sieglinde nannten und alle drei waren glücklich bis an ihr Lebensende.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.08.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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