Katja Baumgärtner

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„Mir ging es schlecht, Mama! Die netten Amis und die Schwarzen. Ich habe sie gelöscht! Das tut doch denen weh. Sie gefielen mir doch auch wie ich denen“

Ihren Bruder Roman klagte Ardriana das gleiche. „Du hast sie auf dem Scheiterhaufen verbrannt, Adriana!“ Er scherzte. Er fand es dennoch auch schade, dass seine Schwester sie gelöscht hatte.

„Ich kann sie nicht mehr anklicken. Ich kenne deren Namen nicht. Versehentlich löschte ich einige ganz aus meiner Liste. Ein alter Schulkamerad sagte bloß nicht ganz löschen. Er merkte zum ersten Mal, dass Adriana unsicher und sensibel war. Nur 2-3 löschte ich versehentlich ganz.“, sprach sich Adriana Mut zu. „Mama sagte noch: „Lösche nicht so voreilig!“ „Ich löschte die zirka 100 innerhalb von 5 Minuten aus meiner Facebookseite.“

„Löschen war doch noch halbwegs in Ordnung, Adriana. Nur nicht ganz eliminieren. Sind nur weg, versuche sie wieder anzuklicken.“ „Ich kenne nicht mal ihren Namen“ „Lass` es! Mache es das nächste Mal einfach besser!“ und Michael beendete das Telefongespräch mit Adriana. Die junge Frau wurde wieder ruhig. Ihre Tabletten wirkten. Sie nahm Abstand von dem Vorfall und klickte hin und wieder ein paar an, wenn sie meinte, sie waren okay.

Sie hatte unter den Facebook Freunden einen netten Zeitgenossen. Er bestätigte immer ihre geposteten kreierten Texte und selbstgemalten Bilder. Er war ein Ami, so nach seinem Namen. Er hieß John Huxley.

 

Adriana wollte als Schriftstellerei Geld verdienen und hatte schon Preise. Es waren aber keine Preise wie sie im Fernsehen vorstellig gemacht wurden. Es waren Newcomer-Preise bei kleineren Verlagen nur.

 

Nach Jahren meldete sich John mit einer Nachricht. Sie habe ihn angeklickt. Er sei ihr dankbar.

Sie gab ihm mit ihrer Freundschaftsbestätigung viel Kraft. Er musste seine Zähne zusammenbeißen, um den Gefängnisaufenthalt zu überleben. Anfangs wurde er gepiesackt, dann wurde es besser. Er beeinflusste die Gefängnisinsassen zum Guten. Er belehrte sie immer des besseren. Sie ließen sich von John lenken und leiten. Er kam unschuldig ins Gefängnis. Man warf ihn Mord vor. Die Geschworen hielten ihn für den Mörder seiner Freundin. Jetzt erst kam ans Tageslicht, dass es ein naher Bekannter war, der seine Freundin damals erstach. Man fand die Leiche jetzt erst. Obwohl John untypisch für ein Mörder war, hielten die Geschworenen daran fest, dass John ein Krimineller war. Er weinte die erste Zeit im Gefängnis nur. Das Eingesperrte und sein Weinen kennzeichneten sein Gesicht. Die Stirn zeigte tiefe horizontale Furchen. Der erst damals 30 jährige Mann raffte sich auf. Er hielt zur Außenwelt Kontakt, wie zu Adriana. Er studierte im Gefängnis dann Germanistik. Er fand Adrianas Texte ziemlich gut. Sie erzählten ihr Leben in Bildern. Die Geschichten ließen ihr mutiges, witziges Wesen und ehrlichen, manchmal naiven Charakter durchschimmern.

 

Er schrieb sie an, sie besuchen zu wollen. Er habe eine Überraschung für die junge Frau vorbereitet.

Adriana schluckte, sie hatte große Angst vor einer Begegnung, und dann noch ein Mörder, wie er schrieb, der doch keiner sei? Sie erschauderte bei dem Gedanken bei so einem Treffen, obwohl sie sich generell mit niemanden treffen wollte, den sie nur per Klick bestätigte und nicht kannte.

Adriana erzählte ihrer Familie davon. „Vielleicht lockt der dich in eine Falle, Adriana!“ und jeder der Familienmitglieder ließ sich was einfallen, dass es zu keiner Begegnung mit diesem fraglichen Mann kommen würde. So schrieb John sie an, er könne ihre Texte wenigstens lektorieren und das alles unentgeltlich. Er habe eine Abfindung für seinen Gefängnisaufenthalt bekommen. Er müsse nicht mehr arbeiten. Immerhin werde er nächstes Jahr 60 werden. Er möchte sich bei ihr bedanken. Viele ließen ihn alleine. Adriana munterte ihn aber auf mit ihren Texten und Bildern.

Das willigte die Frau ein und so schickte sie ihm nach und nach die Texte, die er verbesserte.

Die Texte waren nun um so besser und Adriana schickte sie an große Verlage. Besonders das Geschriebene „Impressionen rund um Weihnachten“ gefiel einem Verlag so gut, dass er mit Kusshand von ihm genommen wurde und gedruckt. Er wurde ein riesengroßer Erfolg.

Nun war Adriana dran. Sie verdiente das erste Geld als Autorin und strahlte nur so über das ganze Gesicht. Sie wollte sich John erkenntlich zeigen und mit ihm ihr erst Verdientes teilen.

Er schrieb ihr einen Brief per Post. Das Briefpapier war unsauber. Es mussten Tränen sein, die die Tinte verschmierte. Dann hörte Adriana nichts mehr von John.

 

Nach einiger Zeit kam ein Brief von seinem Bruder, indem er mitteilte dass John verstorben sei.

Er starb am Kummer im Gefängnis. Er haderte dort immer mit seinem Leben und wollte aufgeben, hätte er nicht immer so wie sie so aufmunterte Begleitung, dass ihm Licht zum Leben im Gefängnis gab. Obwohl er sich später mit den Mitinsassen vertrug, tat das Gefängnisleben ihm nicht gut und sein Herz krümmte sich vor Kummer, zumal auch bald seine Todesstrafe anstand.Sein Magen war mit Krebs durchzogen. Er habe Adriana einen Brief hinterlassen, indem er ihr ihre von ihm verbesserten Texte vermachte und alle samt waren sie korrigiert.

Die 50 jährige fing nun auch vor sich hin an zu weinen. Wer hätte das gedacht, dass er 5 Jahre nach dem Gefängnisaufenthalt sterben würde. Er saß doch fast 30 Jahre.

Vielleicht habe ich ihm unrecht getan meinte sie zu ihrer Mutter. Darauf sang die Mutter und streichelte dabei Adriana. „Es geht alles vorüber, es geht alles vor, nach jedem Dezember folgt wieder ein Mai...“

Adriana schickte seinem Bruder Geld für Blumen für Johns Grab.

 

Adriana wurde als Schriftstellerin sehr bekannt. Kinder hatte sie keine mehr bekommen. Sie war mittlerweile verheiratet. Mit ihrem Mann stand sie nach Jahren an Johns Grab mit einem Wiesenblumenstrauß von ihr selbst gepflückt und zusammengesteckt.

Sie kniete sich ans Grab und bedankte leise sprechend bei John. Auch sie krämte sich damals in der geschlossenen Abteilung, in der sie angebunden wurde und Tage im Kästchen verbrachte. Sie dachte auch an sich, dass alles so gut überstanden zu haben. Das belastete sie jahrelang nach dem Klinikaufenthalt, aber sie schien es gepackt zu haben. Sie stand vom Grab auf, nahm die Hand ihres Mannes und lehnte ihren Kopf an dessen Schulter und sang das Lied ihr gerade durch den Kopf geschossen: „Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, nach jedem Dezember kommt wieder ein Mai.“ Auch sie hatte wie John ein voll leid geprägtes Leben hinter sich. Sie schlenderte die Hand nehmend mit ihren Mann den Kopf lehnend an seinem Arm, den Gräbern entlang. Nachdem sie von John Abschied genommen hatte, drehte sie sich nochmal zu seinem Grab und winkte hinüber.

Die Sonne ging gerade unter und durch die Blätter der Bäume im Hintergrund des Friedhofes leuchteten die Sonnenstrahlen hindurch. Vergissmeinnicht blühten auf Johns Grab und es war Ende Frühjahr.

 

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