Alfred Hermanni

Mrs. O'Hara und Frollein Punkt

 

von Alfred Hermanni                   Alle Rechte vorbehalten                                                                                                     07.08.2022

Ein neuer Morgen. Die ersten Sonnenstrahlen schienen durch das Fenster und ließen Mrs. O'Hara aus ihrem Schlaf erwachen. Sie blinzelte ein paar mal, streckte sich und gähnte noch einmal ausgiebig. Dann stand sie auf und trollte sich in die Küche. Auf dem Weg dorthin kam sie an der Schlafstelle

von Frollein Punkt vorbei. Wie jeden Morgen schlief das Frollein noch und die Missis biss ihr zärtlich ins Hinterbein, was Frollein Punkt erschreckt und von einem kurzen Jaulen begleitet aufspringen ließ. Schwanzwedelnd begrüßten sich beide und machten sich auf den Weg ins Schlafzimmer, um ihr Alpha zu wecken, schließlich knurrte, wie jeden Morgen, ihr Magen und verlangte nach Füllung.

Das Alpha wachte auf und ein paar Minuten später waren sie draußen und ließen erst einmal Druck ab. Ein paar Pfützen später ging es wieder heim, wo das Alpha ihnen ihre Mahlzeit zubereite. Zu trockenen Brocken gepresste Krümel aus irgendeiner angeblich alles Wichtige enthaltenden Masse. Dazu abgestandenes Wasser von gestern.

Anders kannten sie es nicht, seit sie vor sechs Jahren aus dem marokkanischen Hinterland von Alpha aufgelesen und nach Deutschland gebracht wurden.

Sechs Jahre, eine Ewigkeit und so gut wie keine Erinnerung mehr an das Leben dort. Manchmal, in einem Traum, tauchten Erinnerungsfetzen auf,

aber Verknüpfungen zum Hier und Jetzt zu bilden lag beiden Hunden naturgegeben eher fern.

Alpha meinte es natürlich nur gut. Aber dem entsprechenden Hundeverstand war das Alpha leider ein wenig fern.

Das Alpha konnte sich einfach nicht vorstellen, dass eine stinkende, feuchte Masse aus einer Dose einem Hund tatsächlich schmeckt. Stattdessen gab

es diese trockenen, dunkelbraunen Kügelchen, vitaminisiert, mineralisiert, sterilisiert und mit dem Bio- Siegel verpackt.

Da hatte das Alpha doch ein gutes Gewissen, ohne aber dieses Brocken selbst jemals gekostet zu haben.

Mrs. O'Hara glich in ihrer Gestalt einem australischen Dingo, nur etwas kleiner mit ihren 55 cm Schulterhöhe.

Frollein Punkt dagegen hätte man für einen Dalmatiner halten können, doch auch sie war kleiner und mit ihren 45 cm Schulterhöhe beim Spielen und Toben immer unterlegen, es sei denn, die Missis wollte es anders.

Die auf exakt 100 Gramm abgewogene Mahlzeit für Mrs. O'Hara und exakt 90 Gramm für das Frollein, wurde hingebungsvoll in kürzester Zeit vertilgt. In kürzester Zeit war es aber auch vom Magen in den Darm transportiert und das ständige Hungergefühl setzte wieder ein.

Sie kannten es nicht mehr anders und begnügten sich mit der Befriedigung ihres Kau- und Schlucktriebes.

Doch das sollte sich ändern.

 

Das Geräusch, welches Besuch ankündigte, ließ beide Hunde aufhorchen und im Nu waren sie auf den Beinen, um den Besucher zu begutachten.

Ein unbekannter Zweibeiner tauschte mit dem Alpha seltsame Geräusche aus und betrat ihre elegant und stylisch eingerichtete Wohnhöhle.

Eine Weile gaben sie diese seltsamen Laute von sich und machten sich dann auf, um mit ihnen nach draußen zu gehen.

Mehrere Tage nacheinander ging das so und dann kam der Moment, wo der unbekannte Zweibeiner Mrs. O'Hara mitnahm und das Frollein allein mit dem Alpha zu Hause blieb.

Die Missis folgte artig dem Zweibeiner und betrat mit ihm ein unbekanntes, sehr großes Haus. Sie gingen zu einer seltsamen Tür und in eine kleine Kabine hinein, in der die Missis plötzlich ein eigenartiges Gefühl im Magen verspürte.

Sie verließen den Aufzug und gingen in die Höhle des Zweibeiners.

 

Hallo Schatz, schau mal, wen ich mitgebracht habe.“

Einen Hund, würde ich mal vermuten. Sieht zumindest so aus.“

Sehr witzig, ich lache später. Das ist Lina, der Hund von Hanne.“

Lina, Lina!“, rief ich und Lina trabte zu mir. Ich streichelte sie und mir fiel auf, dass sie viele Haare an mir und der Couch ließ.

Die haart aber ganz schön“, bemerkte ich.

Vielleicht sollten wir sie Harald oder besser Haaralda nennen“, schlug mein Schatz vor.

Klingt gut, wie wäre es mit...Mrs. O'Hara?“, war mein Vorschlag.

Missis O'Hara, hört sich auch gut an.“

Oder magere Margarete.“

Häh? Warum magere Margarete?“

Weil man die Rippen zählen kann. Der Hund ist zu dünn.“

Tatsächlich konnte man die Rippen zu gut erkennen, als dass man hätte sagen können, der Hund ist gut genährt.

Ich streichelte die Missis eine Weile, ertastete jede einzelne Rippe nebenbei, bis sie es vorzog in der Diele zu verschwinden, um auf einer bereit gelegten, warmen Decke ein Schläfchen zu halten.

 

Eigenartige Geräusche erfüllten die Missis nach einer Weile mit Neugier und sie trabte in die Küche, wo der große Zweibeiner herum hantierte und allerlei leckere Düfte produzierte.

Ein schmatzendes Geräusch erklang und ein Schwall atemberaubend schön stinkenden Duftes umschmeichelte ihre Nase.

Das Wasser lief ihr plötzlich im Maul zusammen und sie wurde immer aufgeregter.

Dann stellte der große Zweibeiner eine Schale mit feuchter, schmackhafter Masse neben ihre Trinkschale und die Missis begann alles zu verschlingen. Ein köstlicher Duft. Feuchtigkeit, die Assoziationen an Blut erweckte, fleischige Brocken, die man beißen konnte und einen Trieb stillten, den sie so schon lange nicht mehr verspürt hatte. Und sie fühlte sich ...satt. So satt, dass sie nur noch schlafen und dieses Gefühl genießen wollte.

 

 

Am nächsten Tag wurde das Frollein vorgestellt.

Hi, Schatz. Das ist Pünktchen, der andere Hund von Hanne.“

Pünktchen? Ist das der Name oder sammelt der Hund Punkte?“

Nee, einfach nur Pünktchen.“

Pünktchen, Pünktchen!“, rief ich, doch der gepunktete Vierbeiner zeigte keinerlei Reaktion.

Auf Pünktchen würde ich auch nicht hören“, kommentierte ich die Angelegenheit.

So heißt sie aber, sagt Hanne.“

Naja, Lina heißt bei uns die Missis, da könnten wir Pünktchen doch Frollein nennen“, schlug ich vor.

Frollein Punkt. Find ich schön“, meinte mein Schatz

Tja, dann hätten wir hier wohl...darf ich vorstellen: Frollein Punkt. Frollein Punkt, darf ich vorstellen: die Nanny.“

Nachdem wir zu Abend gegessen hatten stellte ich auch Frollein Punkt eine Schale mit Futter neben die Wasserschale und das Frollein verzehrte diese Köstlichkeit mit Heißhunger. Der erste Schritt, um auch die bei ihr gut sichtbaren Rippen verschwinden zu lassen.

Ich bildete mir ein Dankbarkeit in ihren Augen zu sehen, aber wie auch immer, das Frollein war satt.

Im Gegensatz zur Missis, trollte sich Frollein Punkt nicht zur warmen Decke, um ein Schläfchen zu machen, sondern sprang zu mir auf die Couch und ließ sich ausgiebig streicheln. Das gefiel mir.

 

Und so verging fast ein Jahr. Die Nanny pflegte intensiven Kontakt zu den Hunden und gehörte mittlerweile zum Rudel.

Der Sommer nahte und damit auch der geplante Urlaub auf der Insel Föhr in der Nordsee. Denn dort konnten beide Hunde am Strand freien Auslauf ohne Leine genießen.

Hanne hatte in Strandnähe ein Ferienhaus für zwei Wochen gemietet.

Am Tag der Abfahrt war es regnerisch und etwas kühl in Dortmund. Doch die Wetteraussichten für Norddeutschland waren günstig. Ein nahendes Hoch sollte angenehme sommerliche Temperaturen bringen.

Hanne und die Nanny fuhren morgens um 8:00 Uhr los und erreichten das Ferienhaus auf Föhr um 20:00 Uhr. Hanne war eine sehr vorsichtige Fahrerin, fuhr selten schneller als 90 Km/h und machte häufig Pause. Das war auch gut so. Ich hätte die Strecke bis zum Fährhafen Dagebüll in 4- 5 Stunden geschafft. Hauptsächlich auf der Überholspur, mit viel Stress und all dem was auf Deutschlands größter offener Psychiatrie, der Autobahn, den menschlichen Urinstinkten entspringen kann.

Hanne bereitete einen kleinen Imbiss für den Rest des Abends und die Hunde bekamen eine Handvoll brauner Brocken.

 

Die Sonne ging auf. Die Missis erwachte, reckte sich und stand auf. Natürlich schlief das Frollein noch. Ein zärtlicher Biss in ihr Hinterbein und das Frollein war hellwach.

Das Alpha und die Nanny schliefen auch noch, man konnte es deutlich hören.

Ein kleiner Stupser mit der Nase und das Alpha öffnete die Augen.

Was willst du?“, fragte das Alpha müde.

Mrs.O'Hara ging zur Tür, wo Frollein Punkt schon schwanzwedelnd wartete.

Das Alpha öffnete die Tür und beide Hunde rannten hinaus und hinterließen ihre Pfützen. Ein kurzer Pfiff und sie liefen schnurstracks zum Alpha und hofften auf ihr Frühstück.

Als sie ins Haus hinein gingen, schlief die Nanny noch tief und fest.

Das Alpha schüttete ein paar Brocken in den Fressnapf und legte sich wieder ins Bett. Bald fiel auch das Alpha wieder in tiefen Schlaf und stimmte sich in die Schnarchsinfonie der Nanny ein.

Zwei Stunden später kochte das Alpha Kaffee und befreite den Toast aus seiner Verpackung.

Die Nanny frühstückte mit dem Alpha und beide gaben diese merkwürdigen Laute von sich.

Manchmal, wenn einer der Hunde zu aufdringlich bettelte, gab das Alpha sehr laute, zischende Geräusche von sich, die sie erschreckten.

Nach dem Frühstück ging die Nanny hinaus und verbreitete eine stinkende Wolke, die von einem weißen Stäbchen stammte, welches die Nanny anstatt zu fressen, einfach nur einatmete.

Dann ging das Rudel, bestehend aus dem Alpha, der Nanny und den beiden Hunden, zum Strand.

Das Wetter war sonnig und es war angenehm warm. Das Meer rauschte, die Möwen krächzten ihr ständiges: Meins! Meins! Meins! und eine leichte Brise trug vielerlei Düfte mit sich.

Die Hunde wuselten um die Nanny herum, die eifrig Stöckchen oder andere Dinge warf, denen beide Hunde hinterher jagten.

Es wurde ein schöner Tag und zufrieden rollten sich die Hunde am späten Abend zusammen und schliefen ein.

 

Ein leises Klicken ließ die Missis aufwachen. Neugierig spitzte sie die Ohren und lauschte. Die üblichen Schnarchgeräusche der Zweibeiner, das ruhige Atmen der noch schlafenden Frollein Punkt und der tickende Wecker waren zu hören. Dann hörte sie ein leises, weit entferntes Heulen. Neugierig geworden stand sie auf. Das Frollein erwachte und gesellte sich zur Missis, die nun an der Haustür stand. Die Tür war geöffnet. Der Klicklaut zeugte davon, dass sie nicht fest verschlossen war.

Das entfernte Heulen erklang wieder. Die Missis schob ihre Schnauze zwischen Tür und Angel, zwängte sich hindurch und das Frollein folgte.

Es war noch vor Sonnenaufgang, die blaue Stunde hatte eingesetzt, nur wenige Wolken zogen durch das Firmament und die letzten Sterne verblassten

Ein regelmäßig aufblinkendes Licht am Horizont und das sanfte Rauschen des Meeres begleiteten die Hunde auf ihrem Lauf in Richtung des Heulens, welches wieder kurz erklang. Die Missis blieb stehen, lauschte und jagte unvermittelt dem Heulen hinterher. Das Frollein lief ihr nach, sie verließen den Strand und rannten ins Wattenmeer. Der blinkende Lichtpunkt lag in derselben Richtung wie das Heulen. Der Sand wurde immer feuchter, bald schon hatten sie nasse Pfoten, doch getrieben von Neugier lief die Missis immer weiter und das Frollein folgte, wie immer.

Sie rannten weiter und weiter, das Wasser stieg höher und höher, bald schon wurde es immer schwieriger zu laufen, doch die Missis, getrieben von ihrer Neugier, lief weiter und folgte dem, wie von den mystischen Sirenen ausgesendeten Wehklagen einer Heulboje.

Dann, unvermittelt, wurde das Wasser zu tief für die Hunde und sie mussten schwimmen.

Sie ahnten nicht, dass sie sich in größter Lebensgefahr befanden. Die Strömung trug sie mit sich und beide Hunde strampelten schon bald um ihr Leben.

Auch wenn sie in körperlich guter Verfassung waren, lange konnten sie es mit dieser Naturgewalt nicht aufnehmen.

Das Ende war nahe, ihr Tod gewiss.

Sie kämpften um ihr Leben, strampelten unermüdlich gegen das Versinken in den Fluten, als ein leises Tuckern, stetig lauter werdend zu ihnen drang.

Ein kleines Boot näherte sich. Ein Mann packte die Missis und hievte sie an Bord. Dann holte er auch das Frollein aus dem Meer. Beide Hunde schüttelten das Wasser aus ihrem Fell und blickten den Mann dankbar an. Das Frollein konnte mit dem Schwanzwedeln kaum aufhören und auch die Rute der Missis zuckte hin und her.

Na, was hab ich denn hier geangelt? Fische seid ihr aber nicht. Wo kommt ihr denn eigentlich her?“, sagte der Mann und schaute sich die Hunde an.

Ihr tragt keine Halsbänder, da muss ich euch wohl nach Sylt bringen. Ich denke dort kann man euch helfen.“

 

Das Alpha und die Nanny waren verzweifelt. Beide Hunde waren verschwunden. Die Halsbänder hingen mit den Leinen an der Garderobe.

Die Tür stand offen und es war klar, dass die Hunde nach draußen gelaufen waren und jetzt wer weiß wo sein konnten. Zwei Stunden suchten sie in der Umgebung nach Hinweisen, irgendwelchen Spuren, überhaupt irgendetwas, das Hoffnung geben könnte, die beiden Hunde zu finden.

Keine Hinweise, keine Spuren, gar nichts. Die Hunde waren einfach verschwunden.

Möglicherweise waren sie ins Innere der Insel gelaufen, aber die Insel ist zu groß, um sie auf's Geratewohl zu durchstreifen.

Sie fragten jeden der ihnen begegnete nach eventuellen Sichtungen der beiden Hunde.

Leider vergebens, aber eine Frau gab ihnen den Hinweis auf eine Tierstation, eine Wild- und Notaufnahme für Tiere. Sofort zückte Anne ihr Smartphone. Nach kurzer Suche bei Google sprach sie mit einer Mitarbeiterin und erfuhr, dass es keine Notaufnahmen in den letzten zwei Tagen gab.

Was soll ich nur machen? Wo sollen wir suchen? Ich habe Angst um die beiden“, sagte Hanne frustriert und mit tränenerstickter Stimme.

Lass uns zum Polizeirevier in Wyk fahren, vielleicht gibt es von irgendwo eine Meldung“, schlug die Nanny vor.

Sie gingen zum Ferienhaus zurück und stiegen in den Wagen.

Doch auch im Polizeirevier hatten man keine „diesbezüglichen Meldungen von Inzidenzen im zuständigen Bezirk“, wie sich der Diensthabende ausdrückte.

 

Die Dämmerung war vorüber, die Sonne stand eine Handbreite über dem Horizont, als das kleine Boot mit dem Mann und den Hunden langsam in Richtung Sylt tuckerte. Am Hafen in Hörnum angekommen, legte der Mann am Strand neben der Kaimauer an und die Hunde sprangen von Bord. Verdutzt blickte der Mann den beiden Hunden hinterher, die den Strand entlang von ihm fortliefen.

Sie sind gegangen wie sie gekommen sind“, murmelte der Mann und dachte nicht mehr weiter über die Hunde nach.

Zielstrebig rannte die Missis voraus, das Frollein folgte wie immer und sie erreichten das erste Wohnhaus. Erfreulicherweise stand eine Schale mit frischem Wasser neben der Eingangstür. Gierig schlabberten beide Hunde das Wasser zugleich und bis zum zum letzten Tropfen aus dem Napf.

Dann trabten sie weiter zum nächsten Haus, wo eine Überraschung auf sie wartete, ein Fressnapf voll mit... braunen Brocken. Im Nu war der Napf leer. Sie waren zwar noch nicht satt, doch das sollte sich ändern.

Am nächsten Haus stand ein Fressnapf voll mit weichem Dosenfleisch, gemischt mit Haferflocken, klein geschnittenen Möhren und Reis.

Schnell war auch diese Leckerei Geschichte und die Hunde suchten sich ein schattiges Plätzchen, um hier im Hundeparadies ein kleines Nickerchen zu machen.

Doch lange sollte es nicht währen. Ein tiefes Knurren und Grollen weckte sie.

Der Hund des Hauses hatte sie unter der Hollywood Schaukel im Garten entdeckt.

Zu ihrem Glück war es ein Rüde und die Missis nutzte das aus.

Wütend bellte sie zurück und der fremde Rüde zuckte zusammen, zog den Schwanz ein und kuschte.

Schnell liefen die Missis und das Frollein hinaus aus dem Garten, der Rüde folgte zum Glück nicht.

Sie folgten der Straße und fanden an fast jedem Haus eine Schale mit frischem Wasser oder sogar Näpfe mit Futter gefüllt. Wahrlich war diese Insel ein Paradies für Hunde, ein Schlaraffenland. Füllhörner voller Hundeleckereien warteten an fast jedem Hauseingang. Soviel konnten sie kaum fressen, doch die Missis und das Frollein bemühten sich und schlugen sich ihre Bäuche voll. Dann trollten sie sich in Richtung Strand.

Die Suche nach einem schattigen Platz, um zu schlafen war recht einfach. Viele Büsche boten hier ein reichhaltiges Angebot und die Hunde machten davon Gebrauch.

Sie schliefen bis die Sonne hoch am Himmel stand.

Die Missis und das Frollein erwachten und rannten zielstrebig zurück zu den Häusern, wo sie weiteres Futter und Wasser erwartete.

Wären sie Menschen, hätten sie wahrscheinlich gedacht: Hier lässt es sich aushalten.

So erkundeten sie weiter diesen Garten Eden bis die Dämmerung einsetzte und die Sonne unterging.

 

In der Ferne erkannte die Missis ein flackerndes, hellrotes Leuchten. Neugierig lief sie in die Richtung und roch schon bald den Rauch eines Feuers. Mehrere Gestalten tummelten sich um das Feuer und grölten herum, Manche tanzten zu stampfenden, grässlichen Geräuschen, die von den Zweibeinern Musik genannt wurde.

Die lauten Geräusche hielten die beiden Hunde davon ab, sich zu nähern.

Stattdessen blieben sie stehen, bis die Missis begann sich langsam heran zu pirschen.

Plötzlich erklangen Stimmen von der rechte Seite und ein Mann tauchte auf.

Ja, wen haben wir denn da?“, fragte der Mann und ein anderer, der aus den Büschen auftauchte, klopfte seinem Kumpan auf die Schulter und antwortete:

Hundert Euro haben wir da. Schnapp' dir die Hunde, die kann ich auf dem Festland verkaufen, ich kenn' da so ein Versuchslabor. Die geben einen Fuffy pro Köter.“

Es war leicht für die Männer die Hunde anzulocken und ihnen eine Schnur um den Hals zu binden.

Beide wehrten sich heftig, doch die Schnüre schnitten schmerzhaft in den Hals. Doch dann schlug einer der Männer mit einem Stock auf die Hunde ein und sie jaulten gequält auf. Jede Gegenwehr wurde bestraft.

Die üblen Kerle zogen die Missis und Frollein Punkt hinter sich her. Schon bald erreichten sie zwei hinter Büschen versteckte kleine Zelte.

Einer der Kerle schlug einen Erdnagel in den Boden und band die Hunde daran fest.

So, die hätten wir sicher. Hol die Pulle raus, das muss gefeiert werden!“, rief einer der Männer.

Sein Kumpel krabbelte ins Zelt und kam mit einer vollen Flasche Schnaps wieder heraus.

Es dauerte auch nicht allzu lange, bis beide völlig betrunken sich in ihre Zelte begaben und einschliefen.

 

Eines konnten die üblen Kerle nicht ahnen. Sie wurden beobachtet. Eine der Gestalten vom Feuer, war pinkeln gegangen und hatte sich etwas weiter in die Büsche gewagt. Hier beobachtete er wie die Missis und das Frollein entführt und misshandelt wurden. Zurück bei seinen Freunden, allesamt Punker, die am Wochenende auf Sylt nur abfeiern wollten, schilderte er seine Beobachtung.

Sofort waren die Punker sich einig eingreifen zu müssen, um die Hunde zu befreien.

Sie schlichen sich leise an die Zelte heran. Einer band die Hunde los, zwei andere spannten dünne Schnüre vor die Eingänge der Zelte und legten dadurch Stolperfallen.

Mit den Hunden machten sie sich geräuschlos aus dem Staube und verschwanden im Dunkel der Nacht. Dennoch wurde einer der üblen Kerle wach und alarmierte seinen Kumpel. Sie stürmten aus dem Zelt, verfingen sich mit den Füßen in den Schnüren und fielen der Länge nach hin.

Schnell rappelten sie sich auf und wollten sich auf die Verfolgung machen, doch die Schnüre brachten sie wieder ins Stolpern und sie lagen wieder auf dem Boden.

Inzwischen waren die Hunde und ihre Retter wieder am Feuer angelangt, wo die anderen Punker ihre Kumpane freudig und mit viel Gegröle begrüßt wurden.

Die üblen Kerle allerdings mussten noch einiges über sich ergehen lassen.

Mit ihren eigenen Stöcken wurde den Kerlen, unter viel Gespött, der Hintern versohlt. Aber das war noch nicht genug. Einer der Punker fing an und schon bald beteiligten sich alle daran, die gemeinen Tierquäler... zu bepinkeln,

bis sie völlig nass und stinkend davonliefen und in der Dunkelheit verschwanden.

Derweil wärmten sich die Missis und Frollein Punkt am Feuer und ließen sich ausgiebig kraulen.

Bis in den frühen Morgen brannte das Feuer, die Punker schliefen abwechselnd und als die Sonne aufging, liefen die Hunde zum Strand.

Ein Mann ließ gerade sein Boot zu Wasser. Es war derselbe, der sie auf diese Insel brachte.

Als ob sie es dürften, hüpften sie ins Boot und der Mann guckte erst einmal verdutzt auf beide Hunde.

Ach, ihr seid es wieder. Wollt wohl zurück nach Hause? Naja, wenn das so ist, dann geht es jetzt los“, sagte der Mann und ließ den Motor an.

Schon bald erreichten sie Föhr.

Am Fähranleger in Wyk steuerte der Mann sein Boot an den Hundestrand und ließ beide von Bord.

Nicht weit entfernt standen das Alpha und die Nanny am Strand und bekamen davon erst einmal nichts mit. Die Hunde allerdings schon, denn der Wind stand günstig und sie konnten Witterung aufnehmen.

Mit viel Freude und Gebell rannten die Missis und das Frollein auf sie zu.

Völlig überrascht und erfreut realisierten Hanne und die Nanny, dass die lang gesuchten Hund auf einmal wie aus dem Nichts auftauchten und die Suche endlich ein Ende hatte.

Von deren Abenteuer auf Sylt konnten sie natürlich nichts ahnen.

Das wird wohl das Geheimnis von Mrs. O'Hara und Frollein Punkt bleiben.

 

Ende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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