Hans K. Reiter

Tragik von Nichtwissen

Vorweg: Es sind oft die kleinen Dinge, die den Lauf der Geschichte beeinflussen!

 

Als Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an diverse kirchliche Würdenträger verteilte und diese schließlich am Hauptportal der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug, geriet der bis dahin vorgezeichnete Weg der Dinge völlig aus dem Lot und endete schließlich aus katholischer Sicht in einem Desaster. Die Protestanten waren geboren!

Bei genauer Betrachtung jedoch, und dem Detail eine Berechtigung zugestehend, müssen wir einräumen, dass es neben der rein kirchlich-/religiösen eine viel weitreichendere Komponente gibt, der bis zum heutigen Tage allerdings nur wenig, bis gar keine Beachtung gezollt wird.

 

Man mag es glauben oder nicht, die wesentliche Bedeutung liegt nicht in der Motivation des jungen Martin Luther, mit den angestammten Privilegien und Machenschaften der ihm so sehr vertrauten Kirche Schluss zu machen. Nicht die lukrative, anrüchige Geschäftsmethode des Dominikaners Johann Tetzel ist das springende Element. Tetzel, der aus Geldnot den Ablasshandel in die Welt der Sünder entlassen hat und hunderttausende von Gulden scheffelte, wenn nicht gar mehr, war hervorragend ausgestattet mit einer gehörigen Portion gaunerischer Hinterfotzigkeit, ohne die ein solch dreistes Vorhaben nicht zu machen gewesen wäre. Luther ahnte dies sehr wohl, war er doch selbst so manchem Irdischen nicht abgeneigt. Ihn als mönchischen Hallodri zu bezeichnen, könnte nahe an der Wahrheit liegen. Nein, es ist simpel, viel weniger gewichtig, was die Nachwelt unbewusst und unerkannt bewegt und geprägt hat.

 

Es ist die Frage: Wie hat Luther seine Thesen ans Portal geschlagen?
 

Welche Art Nägel hat er verwendet? Waren es am Ende nur Reißzwecke/Reißnägel oder waren diese noch gar nicht erfunden? Richtig, sie waren es nicht! Erst 1879 erhielt August Kirsten aus Lychen als Erfinder ein Patent für eine Reißzwecke. Waren es Schusternägel? Wenn ja, welche genau? Kurze, wie die Schusterbuben, nach denen auch starker Regen benannt ist (heute Starkregen) mit ungewöhnlich großen, schweren Tropfen, die, wenn sie in Lachen/Pfützen prasseln, das angesammelte Wasser hochspritzen lassen. Oder waren es schmale lange Nägel oder kurze dünne?

Niemand hat sich jemals darüber Gedanken gemacht, obwohl diese Kenntnis von eminenter Tragweite gewesen wäre und noch immer ist.

 

Der Buchdruck war bereits erfunden. Hat Luther die gleiche Sorte Papier für seine Thesen verwendet? Was, wenn es geregnet hätte? Plastikschutzhüllen gab es nicht!
 

Bei falscher Wahl der Nägel, um zum Ausgangspunkt zurückzukehren, wäre das Papier ggf. ausgefranst oder bei entsprechendem Zug oder adäquater Spannung gar gerissen.

 

Bei Augenscheinnahme der Nägel, hätte man sie aufgehoben und verwahrt, wäre es mit den heute verfügbaren Methoden ein Leichtes, Rückschlüsse auf das verwendete Schlagwerkzeug zu ziehen. Nicht unwichtig, gar und gar nicht!

Moderne Neurowissenschaftler würden exakt ableiten, in welch körperlich ggf. labilem Zustand der Mönch seinerzeit gewesen war. Was wiederum Vermutungen über dessen Ernährungsgewohnheiten zulassen und nicht zuletzt auch Einblicke in die kognitiven Fähigkeiten eröffnen würde!

 

Stellen wir uns vor, wie Hegels und und Jean-Paul Sartre über die Phänomene dieser besonderen Nägel gebrütet hätten und zu umwälzenden Erkenntnissen gelangt wären. Nägel, die Geschichtsträchtiges unverrückbar für alle Zeit festhalten, müssen phänomenologisch betrachtet zwangsweise abweichende Resultate zu Ihresgleichen aufzeigen, die nichts derlei vorzuweisen haben. Es macht logisch einen Unterschied, einen ganz normalen Nagel in ein Nagelbrett auf dem Münchener Oktoberfest zu schlagen oder eben mit demselben ein wichtiges Dokument an die Rathaustür zu heften. Wir sehen an diesem Beispiel, wie tief die Nagelfrage in die Geschichte der Philosophie eingreift.

 

Hat Luther wütend und voll Zorn zugeschlagen oder bedächtig, mit der Linken den Nagel führend, die Rechte zum Schlag mit dem Hammer erhoben? Hatte er etwa Augustinus im Sinn, dem Erfinder zahlreicher kirchlich-, biblischer (alternativer) Fakten, wie etwa der Erbsünde, die für jeden logisch denkenden Menschen, gleich welcher Herkunft, ein massives Hindernis darstellt und nur von Metaphysikern in unverständlicher Sprache erklärt werden kann. Wozu braucht es eine Sünde, wenn der Mensch als solcher, wie in der Bibel beschrieben, von Gott erschaffen wurde? Wäre es nicht Frevel, Gott an dieser Stelle fehlerhaftes Handwerk zu unterstellen? Wie entscheidend solche Fragen für die Entwicklung der Menschheit waren und sind, ist begründet!

 

Natürlich könnten wir auch bei Einblick in die Luther’sche Schlagtechnik nicht mit letzter Sicherheit auf dessen Gemütszustand beim Thesenanschlag schließen. Jedoch dürfen wir annehmen, dass es hinsichtlich mancher Unerklärlichkeiten im katholischen Verbund zu anderen, weitreichenden Schlussfolgerungen gekommen wäre und es deshalb so etwas wie den Synodalen Weg nicht bräuchte. Dieses Beispiel zeigt einmal mehr die historische Dimension der aufgeworfenen Problematik. Keine Thesen am Portal, kein Synodaler Weg! Der Papst in Rom hat dies bestätigt, indem er erklärte, auf welch synodalem Holzweg sich die Herren Bischöfe und Kardinäle in Deutschland befinden.

 

„Mia san mia!“, möchte ich da rufen, was aber nicht geht, weil dieses Zitat bereits anderweitig im Gebrauch ist.

 

Es liegt auf der Hand, dass bei genauer Kenntnis des Sachverhaltes Generationen von Geisteswissenschaftlern zu anderen Erkenntnissen und Kombinationen ihres Gedankenvermögens hätten gelangen können. Nehmen wir als Beispiel Karl Marx. Mangels des Besitzes der beschriebenen Tatsachen musste Marx seine Thesen vornehmlich auf die englischen Verhältnisse (des industriellen Zeitalters) stützen, was wiederum geprägt und beeinflusst war durch die Informationen seines Lebensfreundes Engels. Aus zweiter Hand, was er bei Kenntnis der Thesen-/Nagelthematik aus erster Hand im eigenen Lande hätte eruieren können. Mathematiker und Physiker hätten ihm anhand der Abflachungen am Nagelkopf erläutert, in welcher Körperhaltung und mit welcher Wucht Luther jene so bedeutsamen Schläge geführt hat. Ein Mann von der Brillanz eines Marx hätte dieses Wissen selbstverständlich in die Welt seiner Wissenschaft insbesondere als Gesellschaftstheoretiker integriert.

 

Nichts von alledem war möglich. Deshalb sind Symbole wie Hammer und Sichel, Pflugschar und Schwerter leicht zu erklären. Sie entstammen dem Unverständnis der Schlagführung eines Martin Luthers, Mönch und Abtrünniger, heute (vermutlich) Separatist genannt, Begründer einer neuen oder sagen wir abweichenden Denkrichtung, deren Ursachen wie ausgeführt niemals wirklich aufgeklärt worden sind.

 

Der geneigte Leser guter Absicht kann unschwer erkennen, welcher Zündstoff in den vorliegenden Ausführungen liegt. Würde nur einer der verwendeten Nägel gefunden, müsste womöglich die Geschichte nach Luther neu geschrieben werden! Es ist nicht auszuschließen, dass dies auch Auswirkung auf andere Religionssoziologien hätte!

 

Wir wissen es nicht, solange das Geheimnis um diese Nägel nicht aufgeklärt ist!

 

Seit jeher, und immer noch, kehrt die Kirche (vorwiegend die katholische, aber nicht nur diese) alle Nägel gleich welcher Art unter den Teppich. Sie tun es, weil sie es nicht anders können. Weil ihr Oberhaupt es tut, weil alle es tun! Weil sie nichts ändern wollen, sondern jene Strukturen erhalten, mit denen es sich so wunderbar und bequem leben lässt.

 

Deshalb fordere ich alle Menschen auf, mit und ohne Metalldetektoren, ihre Energie und Freizeit in das Aufspüren von Nägeln zu legen! Alle Nägel! Und schaut genau hin, ob nicht Luther’sche darunter sind!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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