Andreas Rüdig

Die Entscheidungsschlacht

Deutschland, das gute alte Germanien, wird der Ort der Entscheidungsschlacht sein. Dies ist nicht etwa eine Mär von Verschwörungstheoretikern oder eine Narrativwelt der Prä-Astronautik, die das Ende unserer Tage bedeutet. „Die Zeichen sind doch viel handfester,“ stellt Balduin, seines Zeichens Exobiologie, fest.

„Schauen Sie sich doch nur die Berichterstattung in den Tageszeitungen an. Überall werden Sie Berichte finden, die auf Reptiloide, Flugmonster und andere außerirdische Lebensformen hindeuten. Und wir sind blind: Wir reinrassigen Menschen erkennen nicht die Zeichen der Zeit.“

Doch halt – Behauptungen kann man viele aufstellen, insbesondere dann, wenn man eine lebhafte Phantasie oder einen über den Durst getrunken hat. Beweise – wo sind sie? Beweise müssen her.

„Nichts leichter als das,“ entgegnet Balduin und greift in ein Regal hinter sich im Büro. Er holt einen Aktenordner hervor, in dem diverse Artikel aus Tageszeitungen aller Art abgeheftet sind.

„Schauen Sie mal hier: `Heuschreckenplage auf den Weizenfeldern von Westfalen´ steht hier. Das ist wie in der Bibel, wie eine der7 Plagen, die das alte Ägypten überfallen, weil die antiken Ägypter nicht die Israeliten in ihre Heimat zurückkehren ließen.“

Dann blättert er eine Seite um. „Lesen Sie doch bitte mal diesen Artikel. Es geht um den Langschnäbeligen Wein-Rosinenkacker. Er frißt ganze Landstriche an der Mosel leer. Die Winzer sind schon ganz verzweifelt, weil sie keinen Wein mehr keltern können.“

Ah ja, das ist ja interessant. Und wieso ist sich Balduin so sicher, daß diese Tiere extraterristisch sind und nur noch niemand erkannt hat, daß sie es sind und wir auf die Endzeit irdischen Lebens zusteuern?

Für Balduin ist das offensichtlich. Schuld sind seiner Meinung nach nur die Regierungen. „Schauen Sie sich doch nur unseren Regierungschef an. Er ist ein Glatzkopf. Er hat eine trockene, schuppige Haut, bei der auch Feuchtigkeitscreme nichts mehr hilft, Und schauen Sie sich mal seine Augen an. Wenn das keine Katzenaugen sind, je nach Tageszeit sogar Schlangenaugen.“

Er habe sich auch Gen-Material besorgt und es analysiert. „Die DNS enthält Spuren außerirdischer Substanzen, die es in rein terristischen Lebensformen nicht gibt,“ berichtet der Exobiologe. Audium, Hamburgium, Xavum und Darum seien Beispiele dafür. Sind das aber nicht radioaktive Stoffe, die künstlich erzeug werden? „Ach, kommen Sie mir doch nicht mit solchen Spitzfindigkeiten. Die Stoffe gibt es bei uns nicht. Das muß als Begründung reichen.“

Erdmann-Leberecht ist ETA – nein, nicht die aufgelöste baskische Terrororganisation, sondern Exobiologischer Technischer Angestellter.

Zusammen mit seinen Kollegen an der Universität für Alternativweltforschung Fachbereich Exobiologie hat er Aufnahmegeräte entwickelt, mit der die geheime Lautsprache der westfälischen Heuschrecken auf Tonband aufgenommen und digitalisiert werden konnten. „Es gibt offiziell unbekannte Pläne, daß die Heuschrecken ganz Europa erobern und letztendlich untertan machen wollen,“ ist sich der exotische Forscher sicher.

Seine Thes „Zuerst sollen Land- und Forstwirtschaft ruiniert werden. Sind die Lebensmittel aufgebraucht, fallen die Menschen übereinander her und bringen sich gegenseitig zur Strecke. Wer das überlebt, ist körperlich geschwächt. Die Fleischfressenden Erdmaul-Schmetterlinge haben dann leichtes Spiel und befördern die letzten Menschen in Europa ins Jenseits.“

Die Fleischfressenden Erdmaul-Schmetterlinge? Da habe ich ja noch nie von gehört. Die gibt es doch nicht. So werden Sie, liebe Leser, jetzt sagen. „Doch, die gibt es,“ klärt Balduin den Sachverhalt auf. Sie wurden durch Genmanipulationen gezielt auf den Kanalinseln Isle of Man und Isle of Wright gezielt als biologische Abwehrwaffen gedacht, sollte jemand versuchen, - wie schon 1066 – den Kanal zu überqueren und die britischen Inseln zu erobern.“

Also bitte. Biologische Kriegsführung – in unseren Tagen. Das gibt es nicht. Das ist doch verboten. Meinen zumindest die Gegenargumente.

Und dennoch sei es unsere einzige Hoffnung, blickt Exomediziner Baldur in die Zukunft. „Es gibt den Subcutanen Fettbackenkäfer. Bei Affen gilt er als ungefährlicher Mitbewohner im Affenkörper. Der Käfer kann auch für kurze Zeit in einem Humanoiden überleben.“

Auf andere Tiere übertragen löst er dort schwere Krankheiten aus, die die jeweilige betroffene Population auslöscht. „Die wenigen Menschen, die die Biokalypse bis dahin überstanden haben, werden so von ihren Peinigern befreit, können unbeschwert aufleben, sich fortpflanzen und zum Erhalt der Menschenart beitragen.“

Ob es tatsächlich auch so kommen wird, kann natürlich niemand vorhersagen. Die Ereignisse liegen schließlich in der Zukunft. Die Geschichtsbücher der Zukunft werden zeigen, wie es tatsächlich gelaufen ist…

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.08.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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