Ernst Wetzel

Eine kleine Landratte zu Besuch in einer Großstadt

Im Frühjahr, zu seinem 6. Geburtstag, versprachen wir L… bei schönem Sommerwetter ihn aus dem
schönen platten Niederrhein nach Duisburg abzuholen und von uns aus (dem Duisburger Norden,
fast schon Dinslaken) mit der Straßenbahn nach Duisburg zu fahren, den Zoo zu besuchen
und danach in Stadtmitte beim Eiscafe Panciera ein Eis zu essen.
Das vernahm er freudig auf den Füßen hüpfend. War er doch noch nie Straßenbahn in einer Großstadt
gefahren, was er immer mal wollte, und bislang war er ja auch „nur“ im Krefelder Zoo.
Und mit Tante P.. und Onkel Ernst‘ Begleitung wird das sicher ein spannender abwechslungsreicher Tag.

  
So planten wir im Juni mit einer Woche Vorlauf, die Wetterfront abklärend,
unser Versprechen auch einzulösen und besprachen das mit L…‘s Eltern.
   
Am Abholtag in Hinsbeck empfing mich L… schon aufgeregt an der Hauseingangstür.
Ich sprach mich mit Mama ab, wir werden uns aus Duisburg melden und auch den
Wiedereintreffzeitpunkt am späten Nachmittag gesondert ausmachen.
Es sollte jetzt ja keine Zeit verloren gehen.
So stiegen wir schnell ins Auto und fuhren zu zweit nach Duisburg-Röttgersbach zurück.
Dort bereitete Tante P… in der Zwischenzeit die nötigen „Fressalien“ und Getränke für den Zoo-
und Stadtbesuch vor, die sie in meinen Rucksack gepackt mir nach dem Heimkommen übergab.
 So ging es nun zu dritt los den kurzen Weg zu Fuß zur Straßenbahnendhaltestelle „Obermarxloh
Schleife“ der Straßenbahnlinie 901.
Da konnte L… für uns drei erst einmal das Familientagesticket auf dem Display auswählen und ordern.
Zum Abfahrtzeitpunkt fuhr die Straßenbahn aus dem Wartebogen bis zur Fahrgasteinstiegszone vor.
Es war das originäre metallreibende qietschende Straßenbahngeräusch.
Nach dem Halt öffneten sich die zweiflügeligen Türen klappernd.
Wir stiegen ein und setzten uns – noch frei auswählend; es war ja hier Linienstart – in einen Vierersitz-
bereich. Die Türen schlossen, begleitet von einem stereotypen rhythmischen Piepton, klappernd und
robust einrastend.
 Ein aufregender Tag konnte beginnen … .
L... vernahm den Straßenbahnlärm sehr bewusst, auch das gelegentliche ihn ebenso synchron durch-
schüttelnde Ruckeln bei Kurvenfahrten und das Läuten des Zugführers, wenn mal wieder ein Fußgänger
noch schnell die Fahrbahn überqueren wollte bzw. ein abbiegendes Auto die Schienen blockierte.
Ein- und Aussteigen wurden als wiederkehrende Unterbrechungen wahrgenommen, ebenso,
dass einige einsteigende Fahrgäste ihre Fahrkarte noch - mit Klingelton bestätigt – am Stempel-
automaten entwerten lassen müssen, weil sie u.a. zehn Fahrkarten günstiger gekauft haben,
die sie ja nicht alle an einem Tag „verbrauchen“.
Auf unserem Ticket war ja – ihn darauf zeigend - schon das Datum mit Uhrzeit eingedruckt,
weshalb das Abstempeln unserer Fahrkarte nicht nötig war.

Am Pollmann-Kreuz wurde es umtriebiger: Wir mussten mit unserer 901 warten, weil die aus Dinslaken
kommende Straßenbahn 903 uns kreuzte und direkt danach anhielt.
Fahrgäste stiegen zuerst aus, danach andere ein und überquerten erlaubterweise vor uns unsere Fahr-
bahn. Wir mussten ja ampelgesteuert warten und die Fußgänger hatten „grün“.

Hinter dem Pollmann-Kreuz überfuhren wir etwas überhöht mit unserer 901 die Güterzug-Gleise der
Deutschen Bahn in der Nähe des Werksgeländes der ThyssenKruppStahl AG.
L… konnte auf mehrere Hundert Meter lange dort abgestellte Waggonreihen blicken, die mit soge-
nannten „Coils“ (flachgewalzte Blechrollen) beladen waren und auf ihren Weitertransport warteten.

Auf der anderen Seite konnten wir auf das große Werksgelände von Thyssen sehen, die z. T.
verrosteten Anlagen, die Kokerei, den entfernt liegenden Hochofen Schwelgern.
Selbst eine eigene Gütereisenbahn unterhält Thyssen auf seinem riesengroßen Industriegelände.
Die Waggons transportierten jeweils Torpedopfannen mit Roheisen darin oder Pfannen mit Hochofen-
schlacke.
Solche Größenordnungen waren L… - vom Niederrhein her kommend - beeindruckend.
Er kannte daheim ja nur Gärtnereien, Gemüseanbau, Handwerk und Handel.
 
Das nächste Staunen rief das Hochhaus Thyssen-Verwaltung hervor.
Für ihn war es ein „Wolkenkratzer“; solch einen hatte er bislang noch nie real gesehen.
Dazu im Kontrast zum alten 1903/04 im Stil des Historismus erbauten Thyssen-Verwaltungs-
gebäudes aus rotem Backstein, auf einem Natursteinsockel gemauert, welches sich uns 300 Meter
zuvor zeigte; alt und neu im architektonischen Gegensatz … .

Ich wies ihn auch darauf hin, dass das große Werksgelände viele Eingänge hat, die „Tore“ genannt
werden – mit dem Fingerzeig auf das „Tor 1“ gegenüber -, damit Mitarbeiter, Lieferanten und
Transporteure die Betriebe zielgenau erreichen können.

In Duisburg-Beeck fuhren wir an der sehr bekannten König-Brauerei vorbei.
Hier wird das „König-Pilsener“ gebraut, ein deutschlandweit bekanntes Premium-Bier,
das auch Papa schon mal gelegentlich trinkt, auch in der alkoholfreien Version.

Wir durchfuhren den Ortsteil Duisburg-Laar, durchschlängelten anschließend Duisburg-Ruhrort,
wo uns auffiel, wie eng die Häuserzeilen an den Straßenbahngleisen liegen.
Es ruckelte z. T. mächtig; ob die Häuser auf Dauer Schaden nehmen (?).
Aber die Bahn fuhr ja relativ langsam durch den Stadtteil.

Ein interessanter Halt war die Haltestelle „Tausendfensterhaus“ direkt neben demselben.
Man konnte in Ruhe das 1922 als Verwaltungsgebäude gebaute Haus mit den vielen prägenden gleich-
förmigen Fensterreihen blicken. Es hat zwar viele Fenster, insgesamt 510, wird aber nur mit Spitznamen
so von den Duisburgern bezeichnet.

Anschließend überquerten wir auf zwei Brücken aus genieteten Stahlträgern, den Vincke-Kanal, das aber
recht langsam, um die Schwingungen der Brücken zu begrenzen, denn die 901 fährt doch recht holprig
und auch laut darüber, und dazu neben uns links und rechts fahrend die vielen schwer beladenen LKW‘s.
Der Blick auf die Hallen am Kanal deutet an, Duisburg ist Europas größter Binnenhafen, in dem eine
große Menge Waren angeliefert und vertrieben werden.

Direkt danach ging es in den doppelspurigen großen Kaßlerfelder Kreisverkehr.
Der Zugführer ließ die Glocke sicherheitshalber lang anhaltend läuten, denn wir fuhren schnurstracks
geradeaus in den Kreisverkehr hinein.
Das war spannend, denn die Straßenbahn kann ja im kritischen Fall nicht ausweichen.
Alle fuhren diesmal sehr diszipliniert; es passierte nichts.

Nach weiteren vier Haltestellen überfuhren wir sehr langsam die Schwanentorbrücke, deren Schleusen,
wenn sie bei Hochwasser heruntergelassen werden, die Stadt vor dem Rheinhochwasser schützen.
Weiter fahrend erblickten wir das 1897-1902 im Stil des Historismus erbaute Duisburger Rathaus.
Wir konnten es nicht lange in Augenschein nehmen, denn wir fuhren – angekündigt durch Einschalten
der Innenbeleuchtung in der Straßenbahn 901 – in ein „schwarzes Loch“ und aus der Straßenbahn wurde
eine etwa 1,6 km lange „U-Bahn“, die dann erstmals im Tunnel an der darin beleuchteten Haltestelle
„Rathaus“ hielt.
Für L… ein sonderbares „Tunnelröhrengeräusch“ mit noch folgenden zwei weiteren Haltestellen
 bzw. Verdunkelungs- und Erhellungsphasen… .

Erst im Ortsteil Duisburg-Duissern erblickt die Bahn wieder Tageslicht und wurde dann wieder zur
Straßenbahn 901 mit der Haltestelle „Lutherplatz“.
An der Haltestelle „Zoo/Uni“ verließen wir die Straßenbahn und besuchten mit einem gekauften Familien-
ticket (2 Erwachsene, ein Kind) den Duisburger Zoo.

Wir traten durch den Haupteingang in das Zoogelände ein, hielten uns gleich links zur begehbaren
Lemureninsel, wo quirlige Kattas, Schwarzweiße Varis und Mohrenmakis frei herumliefen.
Auf der gegenüberliegenden Seite empfingen uns Giraffen und Elefanten.
Weiter gehend linksseitig sahen wir die Flamingos und Pelikane.
Im verdunkelten „Haus der tausend Fische“ konnten wir farbenprächtige Fische – von ganz klein
bis groß -, Seepferdchen, Seesterne und Anemonen in verschiedenen Aquarien bewundern.

Nachdem wir wieder Tageslicht erblickten, gingen wir weiter zum Raubkatzengehege mit afrikanischen
Löwen und sibirischen Tigern.
Nun schlenderten wir in einem Bogen zu den Trampeltieren, den Ameisenbären und dahinter weiter
nördlich zu den Kängeruh‘s.
Bei den quirligen Erdmännchen hielten wir uns länger auf. Sie leben in Erdlöchern, verstecken sich also
darin. Einige aber kontrollieren neugierig, auf ihren Hinterbeinen gerade aufgerichtet sitzend, die Vorder-
pfoten runterhängend, was draußen so passiert.
Gefahr signalisieren sie den anderen durch ihr charakteristisches Bellen, was im Zoo ja eher nicht
gegeben ist.

Zweihundert Meter gegenüber besuchten wir ein Highlight des Zoo’s - das Koala-Gehege.
Der Duisburger Zoo ist sehr erfolgreiches Kompetenzzentrum bei der Aufzucht der Koalas in Europa.
Hier sind schon viele kleine Koala’s geboren worden. Wir traten weisungsgemäß leise in die begehbare
Großvoliere und konnten auf Augenhöhe den Tieren begegnen, die z. T. schläfrig oder Eukalyptus
malmend essend in den installierten Baumkronen saßen.
Man möchte sie „knuddeln“ … .

Anschließend ging es zu den Zebras, Rentieren und Polarwölfen.
In den Streichelzoo ganz im Norden des Zoogeländes konnten wir sogar eintreten und Schafe
und Ziegen streicheln.
   
Am Robbenkiosk wuschen wir uns die Hände und nahmen uns die Mittagsmahlzeit.
Onkel Ernst öffnete seinen Rucksack und tischte Kekse, Müsliriegel, Apfelstücke und Kohlrabi- und
Paprikastücke aus Tupperdosen sowie was zu trinken auf. Genug, um satt zu werden und genug Zeit,
mal zu schaukeln, und genug Zeit bis zur Robbenfütterung um 14 Uhr … .
 
Am Seelöwenbecken sammelten sich allmählich die Familien mit ihren Kindern, die erwartungsvoll
die offizielle Fütterung miterleben wollten.
Die Türe in der Hinterwand des Beckens öffnete sich, es trat eine Tierpflegerin mit einem silberfarbenem
Metalleimer ans Becken und schon war im und am Becken richtig was los.
Die Robben wussten, jetzt gibt’s wieder leckeren Fisch zu fangen und zu essen, für sie eine echte Ab-
wechslung im stereotypen Zooleben, weshalb sie gerne auch zu konditionerten Dressureinlagen bereit sind.
Die Zuschauer sahen, wie wendig die Robben schwimmen können. Die Pflegerin achtete schon darauf,
dass alle etwas abbekamen, durch platziertes Werfen der Fische ins Becken oder durch Abholenlassen
derselben bei ihr.
Nebenbei bekamen wir Zuschauer noch Wissenswertes zu den Meeressäugern eingestreut.
Jedenfalls hat diese Show nicht nur uns gefallen.
Im Becken nebenan besuchten wir dann noch die niedlichen Brillenpinguine.

L… fragte nun, wo denn hier die Affen seien.
Das war der Impuls für uns drei, uns in die zweite kleinere Zoohälfte zu begeben, wozu wir die beide
Hälften verbindende Zoobrücke über die Autobahn A3 überqueren mussten, die aber schön begrünt war.
Auf der Brücke stehend und den Blick auf die Autobahn lenkend konnte unsere Landratte wieder „Groß-
stadt“ erleben: Der zum Kaiserbergkreuz hinführende Autoverkehr stand auf einer Fahrbahn im Stau
und auf den zwei anderen Fahrbahnen war der Verkehr recht langsam.
Auf der Gegenrichtung in Richtung Köln sahen wir auf allen drei Fahrspuren dichten und zähen Verkehr.
Drüben angekommen, an den Weißstörchen vorbei gehend, gelangten wir ins Affenhaus, dem sog.
Äquatorium, wo wir Gorillas, Orang-Utans, Menschenaffen, Bartaffen und Baumstummelaffen begegneten.
Aus Zeitgründen hatten wir das Delphinarium gar nicht erst gebucht, sind nur noch – den Zoobesuch
ausklingend - durch den chinesischen Garten gegangen, der ein Geschenk der chinesischen Partnerstadt
Wuhan an die Stadt Duisburg ist.

Es war ja schließlich noch Eisessen in Duisburg-Stadtmitte versprochen … .

Wir verließen also nach 4 Stunden zügig den Zoo durch dessen Haupteingang, um an der Straßenbahn-
Haltestelle „Zoo/Uni“ in die 901 Richtung Stadtmitte einzusteigen.
Weit Richtung Mülheim blickend konnten wir die Straßenbahn kommen sehen, die mit dem typischen
Straßenbahngeräusch polternd an der Haltestelle eintraf.
Die Türen öffneten sich klappernd. Es stiegen kaum Fahrgäste aus, eher sehr viele ein, die wohl,
wie auch wir, den Zoo besuchten und nun die Heimreise antraten.
Es gab noch genug freie Sitzplätze, so dass L… wieder in Ruhe das Fahrgeschehen verfolgen konnte.
Nach der Haltestelle „Lutherplatz“ wurde wieder automatisch die Innenbeleuchtung der Bahn einge-
schaltet und wir fuhren in ein dunkles Loch; aus der Straßenbahn wurde wieder „U-Bahn“ … .
Wir vernahmen akustisch ein anderes Fahrgeräusch, ein polterndes Tunnelgeräusch, das für L…
immer noch was Besonderes war.
Die dunkle Tunnelfahrt wurde durch die wahrgenommene Beleuchtung und den Halt an den Haltestellen
„Duisburg Hbf“ und „König-Heinrich-Platz“ unterbrochen.
Hier in Stadtmitte stiegen wir aus. L… verfolgte noch unsere wegfahrende Bahn, die allmählich mit
schwächer werdenden roten Rückleuchten im dunklen Nichts der Röhre verschwand.
Er schaute sich um und war erstaunt über die Größenordnung der im Untergrund befindlichen U-Bahn-
Station.
Wir konnten nun über eine recht lange steile Rolltreppe, schätzungsweise 30 m lang, ans Tageslicht
gelangen. Ein faszinierendes Erlebnis, das auch Aufmerksamkeit erforderte, wollte er beim ihrem
Betreten und Verlassen derselben nicht stolpern.
Aber Onkel Ernst war ja auch noch da … .
Mit Neugierde fuhren wir beide noch einmal die lange Treppe runter und wieder rauf, dabei die Um-
gebung durch Rauf- und Runterblicken erschließend.
An der Austrittsstelle auf der Königstraße empfing uns ein berühmter Brunnen, der Lifesaver-Brunnen
von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely (1989-1993).
Letzterer hat die sich drehende Sockelkonstruktion geschaffen, sodass sich die von der Künstlerin
geschaffene voluminöse Polyesterfigur mit ihren farbigen Ornamenten langsam dreht.
Wir konnten uns einigen, es ist ein großer Vogel mit ausgeweiteten Flügeln, auf kräftigen Krallen
aufrecht stehend, an dem sich bauchseits eine Frau klammert.
Vielleicht möchte sie gerettet werden, denn sie klammert sich eng an ihn.
Aus kleinen Fontänen oben aus den Schwingen sprühte Wasser (s. Bild unten).

Blickte L… auf die „Bankseite“, beeindruckten ihn die Hochhäuser der Deutschen Bank, der (eh.)
Dresdner Bank, wo jetzt Penny eingepachtet ist, und - entfernter zu sehen - der Sparkasse.
Er war in einer „Großstadt“.

Nun hieß es Platz zu nehmen am Tisch beim „Eiscafe‘ Panciera“.
L… durfte von der Karte wählen – was Besonderes. Es sollte ein Spagetti-Eis für ihn sein,
Tante P… und Onkel Ernst entschieden sich für einen Amarena-Eisbecher.

Nun gingen wir die Königstraße, Duisburg’s Boulevard – entlang in Richtung Hauptbahnhof, um L…
noch ein wenig Großstadtluft schnuppern zu lassen.
Wir spazierten zwischen den noch relativ jungen Baumreihen, ihm erklärend, wir gingen gerade etwa
30 Meter über den unter uns liegenden U-Bahn-Gleisen entlang auf denen wir hierher gefahren sind.
Es ist auch Duisburg’s sogenannte „Brunnenmeile“, denn verschiedene Skulpturen-Brunnen hat man
in Abständen auf dem U-Bahn-Deckel gesetzt, um die Einkaufsstraße noch attraktiver zu gestalten.
Am König-Heinrichplatz genossen wir den Blick vom „Düsenbrunnen“ (2008 errichtet) über die Rasen-
flächen zum entfernt liegenden Theater der Stadt Duisburg, 1911-13 im klassizistischen Stil erbaut.
Unter diesen Rasenflächen befindet sich ein Parkhaus.
Um L… Großstadtluft zu vermitteln, schkenderten wir durch die neu erbauten Shoppingcenter „Forum“
und „CityPalais“; für einen Niederrheiner beeindruckend.
300 Meter weiter gelangten wir an den Averdunkplatz, der mit einem Skulpturen-Brunnen aus rost-
freiem Stahl – Duisburg ist ja mit Thyssen, Krupp und Mannesmann auch Stahlstadt – bestückt ist,
entworfen 1983 von Andre‘ Volten.
Er hat keinen Namen, aber im Duisburger Volksmund wird er „Waschmaschine“ genannt.
Beeindruckender für L… hingegen war der Blick auf den „Wolkenkratzer“, den er respektvoll auf der
hinteren Stirnseite des Platzes betrachtete. Es ist ein Glasgebäude mit 23 Stockwerken und 56 m
Höhe, früher Calderoni-Haus, heute RuhrTower Duisburg genannt.
Ich erzählte ihm, ganz oben war früher mal ein chinesisches Restaurant, zu dem man mit dem Aufzug
hinauf fahren konnte. Tante P… und Onkel Ernst haben schon mal das Essen dort und natürlich
auch den Blick auf Duisburg damals genossen.

Nach 1½ Stunden Schnuppern von Großstadtluft in Duisburg-Stadtmitte gingen wir zurück zum König-
Heinrich-Platz, um diesmal mit dem Fahrstuhl in die gut 30 Meter Tiefe zu fahren.
Im eingeglasten Fahrstuhl beobachtete L... mit Neugierde, was bei der Fahrt hinunter so abging.
Unten auf der Ebene für unsere 901 verließen wir den Fahrstuhl und warteten auf die Ankunft derselben
in Richtung „Obermarxloh Schleife“, deren Ankunft uns auf einer LED-Anzeige und dann mit einer Laut-
sprecherdurchsage angekündigt wurde. Ein donnerndes Poltern aus der dunklen Röhre und das Sicht-
barwerden der immer größer werdenden gelbfarbenen Vorderleuchten ließ uns wachsam werden.
Die 901 fuhr ein, öffnete robust-klappernd die Türen. Die Bahn spuckte erst mal viele Fahrgäste aus,
bevor wir eintraten und in ihr Platz nahmen.
Nach dem stereotypen rhythmischen Piepen schlossen die Türen wieder, hielten noch einmal an der
Haltestelle „Rathaus“ als U-Bahn, bevor wir wieder das Tageslicht erblickten und die Rückfahrt als
Straßenbahn 901 über dieselben Haltestellen der Hinfahrt, nur in umgekehrter Reihenfolge,
bis zur Endschleife fortsetzten.

Wir bemerkten auf dem kurzen Heimweg zu Fuß zu dritt, L… war nach den neun Stunden Großstadt-
besuch ein wenig müde geworden. Tante P… stellte schnell ein Lunch-Paket für unterwegs zusammen
und Onkel Ernst fuhr ihn wieder in seine Heimat zum linken Niederrhein.
Mit Übernachten bei uns tat er sich noch schwer; Heimweh ergriff ihn dann schon mal.
     
Ich hatte nach dem Eintreffen zu Hause bei seinen Eltern schon das Gefühl, wir haben ihn
einen schönen erlebnisreichen Tag geschenkt, denn von Müdigkeit war keine Spur.
Mit aufflammenden Erzähleifer berichtete er vom Tag.
Ich verabschiedete mich und dachte auf meiner Heimfahrt so:
Was wird unser Neffe L… heute Abend wohl träumen … (?).

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.08.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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