Andreas Rüdig

Totenhand

Razzia im niederrheinischen Neukirchen-Vluyn: Die Polizei hat Christfrieds Geschenkartikelläaden durchsucht. Offizieller Grund: "Uns war angetragen worden, daß es dort unversteuerte Zigraretten, Zigarren sowie andere Tabakwaren geben würde," wie ein Polzeisprechwe berichtet.

"Das glauben die doch selbst nicht," empört sich der Kaufmann, der - wie es der Name schon erahnen läßt - aus einer altehrwürdigen Pfarrerfamilie stammt. "Ich verkaufe Geschenkartikel, die man bei kirchlcihen Veranstaltungen nutzen kann, Geburtstagen, Namenstagen, Taufen, Trauungen, Beerdigungen - Sie wissen schon. Was soll ich da mit Tabak?"

Natürlich sei der Grund vorgeschoben, wie unter der Hand aus Polizeikreisen zu hören ist. Inoffiziell  sei schon länge bekannt, daß Christifried mehr mache als einen Geschenkartikelhandel. "Davon allein kann man in unseren heutigen Tagen nicht leben," gesteht selbst der regionale Einzelhandelsverband.

"Der Handel mit den Tabakprodukten findet in einem Hinterzimmer statt," erstattet die Polizei nach der Auswertung der Razzia Bericht. 

"Christifried stammt aus einer streng abergläubischen Pfarrersfamilie," wie die örtliche Kirchengemeinde betont. "Die Leute haben lieber über Alchemie oder Hexenzauber als über biblische Themen gespredigt. Wir mußten ihnen am Ende Rede- und Predigtverbot erteilen."

Doch was hat das alles mit Christfried zu tun? "Mit ihm persönlcih eher indirekt etwas," mußte Sebastian Satansbraten, der Polizeisprecher auf Anfrage hin die polizeiliche Pressemitteilung spezifizieren. "Es geht um seinen Bruder Gotthard Ephraim. Der organisiert im Kellegeschoß des Geschäftshauses einen schwunghaften Handel mit Glücksbringern."

Besonders makaber dabei: Es geht dabei nicht um Gelücksschwinem Schornsteinfeger oder vierblättrige Kleeblätter. "Hände und Finger von Hingerichteten haben als heidnisches Symbol des Sühneopfers auch glücksbringende sowie schützende Eigenschaften," berichtet Dankmar, der örtliche Sektenbeauftragte.
 

Gotthard habe die größte Sammlung an "Glücksbringern" niederrheinweit, die man kaufen könnte. "Und wir reden hier nicht nur über getragene Bekleidung von Schornsteinfegern. Es ist soweit gegangen, daß Gotthard in Beerdigungsinstitute und Krematorien eingestiegen ist, um sich dort Totenhände von frisch Verstorbenen zu besorgen, und das nicht nur von Schornsteinfegern."

"Igitt, das ist ja furchtbar," mögen Sie, liebe Leser, nun denken. "Wer kauft denn so etwas?"

Der seltsamste Fall sei der einer Versicherungsgesellschaft, ist den Polizeiakten zu entnehmen. Die Allgemeine Privatversichernug Ostwürttembergs habe den Meisterdieb Adolf Schlangenschrei engagiert, um frische Totenhände zu besorgen. Begründung: Sie halten als Glücksbringer Diebe ab. Im Zweifelsfall komme es zwar zu Wohnungseinbrüchen, Taschen- oder Ladendiebstählen; Liefe man mit den Totenhänden hinterher offen durch die Straßen, würden sie automatisch auf alle Diebe und Räuber zeigen, die noch  frei herumlaufen.

Und - sind die Polizeisten denn auch fündig geworden? "Ja, natürlich,"  lächelt der  Polizeisprecher. "Wir brauchten dafür noch nicht einmal Zaubertränke. Die Nase eines Polizeihundes reicht da  völlig aus."

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