Hans K. Reiter

Auf dem Friedhof...und andere skurrile Begebenheiten

Der jüngste Kommentar eines Schreibfreundes, vielleicht sogar ein wenig mehr als das, zeichnet mitverantwortlich für diesen Text.

Dies vorauszuschicken ist von Bedeutung, andernfalls der geneigte Leser fragen möchte, welch skurriles Gedankengut meine Welt formt und ob es, anstelle zu schreiben, für mich nicht bedeutend vorteilhafter wäre, eine Therapie zu beginnen.

 

Sinngemäß schreibt mein Freund Egbert, seine häuslich angetraute weibliche Hälfte des Familien-Konglomerats habe ihn mit ehelicher Regierungsgewalt auf den Friedhof geschickt, um dort zu tun, was er auch, zwar widerwillig, doch gehorsam, weisungsgemäß ausgeführt hätte. Die Ahnen gießen! Ganz ehrlich, wer kommt auf solche Ideen?

„Hä Egbert“, tönt’s von unten, „wenn du’s schon tust, dann nimm eine anständige, standesgemäße Zinkkanne und nicht dieses abgegriffene Etwas aus dunkelgrünem Plastik! Igitt, geht’s so schlecht, dass du deinen Ahnen nicht einmal diese magere Gunst erweisen willst?“

Egbert, sichtlich verdutzt, hat mit allem gerechnet, mit allem, nur damit nicht! Er, der völlig Erschütterungsfreie, sieht sich mit einem Mal abrupt an der Grenze des vom menschlichen Verstande Fassbaren.

 

Und das heißt einiges. Zum Verständnis blende ich eine kurze Sequenz aus Egberts täglichem Lebensrausch ein. Mit dem Omarad, wie er sagt, dem ÖPNV und anderen nicht näher bezeichneten Fortbewegungsmitteln erlebt er tagtäglich den Wahnsinn der öffentlich empfohlenen und zu bevorzugenden Transportmittel.

Die Alten stehen, die Jungen sitzen. Klar, nicht für jeden kann es schließlich einen Sitzplatz geben, schon wegen der Menge. Und so quält er sich, der Leidgeprüfte, durch volltätowierte Arme, Hälse und andere Körperteile, die entweder wegen des Sitzens nicht sichtbar sind oder aus Gründen der sie bedeckenden Bekleidungsreste. Ja, mehr ist dazu leider nicht zu sagen. Löcher, wohin du schaust, Muster, die jeglichen Schweißflecken kaschieren und auch andere Obszönitäten verschwinden lassen. Tarnanzüge! Aber nicht vom Bund. Das Zeug kostet richtig Geld und selbstreden von den namhaftesten Modedesignern entworfen, um anschließend in und um Neapel für ein überschaubares Geld zusammengeschweißt zu werden. Freilich, die Produktion soll (muss) wenig kosten und darf zu keiner Zeit das veranschlagte Budget überschreiten. Aber dort sind die Provis der Modewelt am Werk. Mit Verbindungen nach überall hin in der Welt. Global Business, logisch. Alles muss schnell und billig sein, allerdings, und das ist wichtig(!), es muss etwas hermachen, nach etwas aussehen, sonst kaufen die Tätowierten im ÖVPN es womöglich nicht. Und das wiederum wäre ein Desaster!

Über die diversen Gerüche bei solchen morgendlichen Begegnungen soll an dieser Stelle nicht berichtet werden. Vielleicht eines Tages, wenn Geruchslesen zum Alltag gehört.

Der fremdländisch klingende Sprachenwirrwarr hat Egbert nur Anfangs irritiert. Heute ist es andersherum, vernimmt er ein fränkisches oder sonst wie deutsches Wort. Wobei einschränkend zu betonen ist, dass auch manch einheimische Dialektfärbung fremdländisch klingen mag. Es kommt auf die Ohren an, auf den Empfänger der Frohen Botschaft und nicht auf den Verkünder.

 

Exkursion: Die Frohe Botschaft, sagt der Kardinal in München, verkünde ich sehr gerne. Für alle Schäflein und meint, aber sagt es nicht, für die Schafe da draußen, denen jeder Humbug auf die Nase gebunden werden kann. Und der vergisst, was die Nation jüngst in der SZ und anderen Zeitungen lesen konnte, wie sehr er, der Kardinal, einer des obersten Führungszirkels, doch in die Trierer Vertuschungsgeschichten verstrickt ist. Er, der sich schockiert vom Inhalt der Münchner Studie oder Untersuchung zeigte, hat dafür gesorgt, dass nachgewiesene Täter übelster sexueller Machenschaften, bis hin zur Abtreibung des dabei entstandenen Parrerabkömmlings, sehr schnell wieder in Amt und Würden befanden. Aber da geht es ihm möglicherweise wie dem Herrn Bundeskanzler, der sich an wichtige Einzel-Vorgänge zwar nicht erinnern kann, jedoch daran schon, dass bei cum-ex alles seine Richtigkeit gehabt habe. Merkt der Mensch und hoffentlich wenigstens seine Zuhörer, Wähler und Nichtwähler, welchen Unsinn er da redet?

 

Erst an der Endhaltestelle werden die Sitzplätze frei. Alle, aber nur für kurze Zeit. Die Alten fahren nicht so weit, jetzt noch nicht, vielleicht später einmal. Elegant zieht die Bahn über die Umkehrschleife am Friedhof vorbei. Wer will es dem genannten Personenkreis verdenken, den Tätowiertentransporter ein oder zwei Stationen früher zu verlassen.

Der wahre Sinn des 9-Euro Tickets liegt genau darin, nämlich durch erhöhtes Fahrgastaufkommen die Menschen einander näher zu bringen. Die Nutzer des IC und ICE sind davon ausgenommen. Dank entsprechender Münze im Beutel haben sie sich vom Pöpel losgekauft, wie damals beim Ablasshandel. Und dann kam Luther! Wäre noch schöner, wenn es unter unseresgleichen solchen Unsinn wie Billigtickets gäbe. Irgendwie und irgendwo müssen wir uns doch unterscheiden. Ich meine in der Bahn können bis dato nur Fahrräder mitgenommen werden und solche fahren diese Begnadeten nur am Wochenende in den Bergen mit Boschunterstützung. Vielleicht auch unter der Woche ins Büro, wenn’s gut fürs Image ist oder ein Kamerateam in der Nähe oder ähnliches...

Wir müssen es verstehen. Solange der Exklusiv-Kübel zuhause bleiben muss, weil Bahn IN ist, brauchen wir andere Unterscheidungsmerkmale.

 

Der Fußabdruck meines Freundes ist makellos. Er fährt kein Auto, jedenfalls nicht zum profanen Zweck des Broterwerbs. Allerdings überlegt er nachdrücklich, ob der Gebrauch von U- und S-Bahnen weiterhin angeraten ist. Verursacht er damit nicht maßgeblich die steigenden Strompreise? Ja, an dieser Frage kommt kein Stromkonsument vorbei! Weg mit dem Elektrorasierer muss die Devise lauten, weg mit der Espressomaschine, weg mit dem Kaffeevollautomaten, weg mit der elektrischen Zahnbürste, weg mit dem Handy, weg mit den E-Autos und vielem mehr, alles weg, weg damit! Übrigens: Laptops, PCs und ähnliche Stromfresser sind nur noch zu dulden, wenn unvermeidbar nötig. Als erstes könnten viele unserer Schulen mit gutem Beispiel vorangehen. Unterrichtsschrott bleibt Schrott, auch wenn er über digitale Kanäle geschleust wird.

 

Wir müssen dahin zurück, wo wir herkommen! Wohlstand gute Nacht, aber ein gutes und ruhiges Gewissen! Da ruft die Mamma an und beklagt sich bei der Tochter, dass sie doch ein ganzes Leben gearbeitet habe und jetzt sowas! Mama, sagt da die Tochter, da musst du durch, das bist du uns schuldig!

 

Niemand fragt, auch die Mama nicht, wer ist UNS?

 

Wie generell jede Digitalisierung abzulehnen ist, weil sie immer noch mehr Strom- und sonstige Energiefresser hervorbringt. Dank sei den zahlreichen Politikern jeglichen Geschlechts, die dieses bereits seit Jahren erkannt und für den heutigen Zustand im Land gesorgt haben.

Duschzeiten regulieren, Waschlappen nutzen usw. Durchwegs hilfreiche und praxisnahe Vorschläge aus der Politik. Ich für meinen Teil habe die vorhandenen Waschlappen in zwei Teile zertrennt, wodurch der Wasserverbrauch wegen des geringeren Saugvolumens drastisch reduziert wird. Es sind die kleinen Erfolge, die erheblich zum Erreichen der Ziele beitragen!


Wenn es nur die Sache mit der Umlage nicht gäbe. Das ist eine herbe Entgleisung jeglichen politischen Sachverstandes, könnte man meinen. Nein, ist es nicht! Manche sprechen schon von Verteilung von unten nach oben. Nonsens! Es ist nur konsequent zu Ende gedacht, was aus der Misere führen wird. Wird das verfügbare Geld durch Umlage und steigende Preise der Masse (Bevölkerung ist gemeint) geringer, werden sie immer weniger Energie verbrauchen, weil unbezahlbar. Dies ist so lange zu betreiben, bis die Schwelle der Preisobergrenze erreicht ist, dem sogenannten Kipppunkt. Ab diesem Punkt fallen die Preise, weil die Energieunternehmen sonst immer weniger verkaufen würden und selbiges Verhalten die Gewinne in den Ruin trieben.

Host mi?

Die Umlage ist die volkswirtschaftliche Rettung!

 

Sollte es anders kommen, dann, weil Dinge eingetreten sind, die halt nicht vorherzusehen waren, gell?

 

Freilich, der Staat, also wieder wir, weil unsere Steuern verwendet würden, könnte nach Prüfung (fällt beim Umlagesystem völlig weg) die notleidenden Unternehmen mittels Kredite und Bürgschaften stützen (und kontrollieren), die eines Tages bei wiederkehrenden Gewinnen zurückzahlen müssen. Der Staat wäre adäquater Macht pol, im Gegensatz zum umlagegebeutelten Bürger jeglichen Geschlechts.

 

Ich weiß nicht, was mir sonst noch so einfällt. Es bleibt nichts anders, als meinen Freund zu fragen, wie er es nach dem Ahnengießen und der sonst ehelich beanspruchten und reglementierten Freizeitgestaltung sieht.

 

Das will ich tun und mich ggf. nochmals melden.

 

Seid mir gegrüßt meine Freunde und Nichtfreunde. Macht nichts, jeder hat sein Päckchen zu tragen.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.08.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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