Francois Loeb

INS LOCH GEFALLEN

Schon einmal gesrolpert und ins Loch gefallen? Wie es einem dann geht zu lesen in der Wochengeschichte aus meiner Feder:

„Schlimme Erlebnisse muss jeder durchmachen“, berichtet mein Stammtisch Nachbar. Wir sitzen nur zu zweit am runden Tisch, der für uns die Kegel Freundschaftsrunde auf immer und ewig reserviert ist. Wehe, wenn ein Fremder oder gar ein Dorfbekannter, der in die Kategorie unbekannt ‚befördert’ wurde, sich erdreiste hier Platz zu nehmen. Mit Vehemenz würde dieser für uns Namenlose nicht weggepustet, sondern mit Keglerschwung an ein für unsereinen Plebstisch genanntes Gäste-Tischmöbel expediert. Schliesslich muss die nicht geringe Jahresgebühr, die wir zu entrichten haben, seine Nebenvorteile besitzen. Doch zurück zum Stammtisch an dem wir gemeinsam aber der Abwesenheit weiter Keglerbrüder auch einsam sitzen. Ich nicke dem Keglerfreund betreffend der schlimmen Erlebnisse ermunternd zu. Denn selbstverständlich habe ich ebenfalls solche durchmachen müssen, möchte aber an diesem überheissen Sommernachmittag auch unterhalten werden. Warte also gespannt auf die Fortsetzung der schlimmen Nachbarsabenteuer. Ermuntere ihn nochmals mit weiteren Kopfnickereien und einem tiefen Mitgefühl signalisierendem Seufzer aus meiner unterster Lungenschublade zu berichten. Erleichtert stelle ich fest, dass die Wirkung ohne Nebenwirkungen wirkt und die Erzählflut meines Nachbars nicht verwirkt.
Er holt tief Luft und beginnt, ich fühle, dass sein Herz bei den Worten oszillierend mitschwingt:
„Ja, ja, ich bin zwar schon oft gefallen, wie du bestimmt auch“, ich nicke zustimmend, „aber so tief noch nie. Es war am vergangenen Dienstag. Um von zu Hause, du weisst, ich wohne ziemlich abgelegen und besitze keinen fahrenden Untersatz, musste ich zum Einkaufen in den Supermarkt im Nachbardorf. Nahm wie gewohnt die Abkürzung durch den Wald. Aus Sicherheitsgründen habe ich stets auf meinem Smartphone den Ortungsdienst eingeschaltet, man kann ja nie wissen, und gefunden möchte ich in jedem Fall werden. Der Rucksack noch leicht und unbelastet wandere ich bergauf, da schnarrt das iPhone laut und heftig. Habe es ja so eingestellt. Welche Überraschung eine alte Bekannte am anderen Ende der Strippe. Was freue ich mich über den Anruf. Hatte jahrelang nichts mehr von ihr, in die ich einst so verliebt war, gehört. Leider, und das fiel mir sofort auf, rief sie mich mit anonymer Rufnummer, bestimmt hatte sie es so eingestellt um mir ihre Nummer nicht zu verraten, an. Ich ermahnte mich trotz des schneller schlagenden Herzens besonders auf das Gelände des kaum ersichtlichen Pfads der Abkürzung zu achten, denn ein Fall in diesem Glücksfall hätte ich mir ewig vorgeworfen. Und da geschah es! Du kannst Dir nicht vorstellen, wie das mich schmerzte, noch heute und jetzt unheimlich bedrückt. Ich fiel, nein, nicht wie du es dir vorstellst, in eine Grube. Nein, viel schlimmer, ich fiel in ein Funkloch. Die Verbindung war unterbrochen. Kein erneutes Schnarren des Kommunikationsgeräts. Ich hoffe bis jetzt auf einen weiteren Anruf von ihr. Vergeblich. Kann ihr einfach nicht vergeben, dass sie mir ihre Nummer, die bestimmt vergeben ist, auf gar keinen Fall gönnt, ja mir aus beleidigter alter Liebe gar vergönnt …“




Und als Bonus ein weiterer DREISATZROMAN aus meiner Feder:

A L T E L I E B E



Sie wallt die
Alte Liebe
Bewegt stets
Noch immer
Das Herz.

Verursacht
Dann Schmerz
Wenn pocht
Sachte an das
Seelentor.

Doch dann
Erinnerung
Flutet ein
Erfüllt hell
Scheinend
Mein Sein.


Herzlichst
François
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.09.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Trilettantia ist der Titel einer Erzählung, deren Handlung Ende des 22. Jahrhunderts spielt. Trilettantia ist keine SF-Erzählung, was sie vielleicht auf den ersten Blick zu sein scheint. Was in Trilettantia in der Zukunft spielt, ist die Gegenwart, die beleuchtet wird aus einer Perspektive, die unsere heutige Wirklichkeit überwunden zu haben scheint – jedenfalls ihrem Anspruch nach. Denn selbstverständlich geht der aufgeklärte Mensch des 22. Jahrhunderts davon aus, dass in 200 Jahren die Welt – bzw. das, was wir dann darunter verstehen werden – vernünftiger geworden ist, die Vernunft wieder ein Stückchen mehr zu sich selbst gekommen ist. Aus dieser Perspektive werden uns Strukturen und Charaktere des begonnenen 21. Jahrhunderts deutlich als Atavismen erscheinen. Nun ja: jedenfalls vielleicht...

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