Günter Weschke

Auf der Alm

Auf der Alm


Aufgewachsen bin ich auf der -Wildgruber Alm -, etwa 1700 Meter hoch gelegen, also oberhalb des schönen Tals der wilden Griesach. Hier oben verbrachte ich eine herrliche Kindheit.

In unserem Stall standen einige Kühe, ein Esel, der manchmal auf den Namen -Emil- hörte, ein Schwein, eine handvoll Ziegen, Hühner zwei Gänse, dazu gab es einen Hasenstall und eine schwarze Katze. Meine Eltern nahmen mich im Sommer immer mit auf die Wiesen, sie mussten Heu machen, die Winter hier oben sind meist viel länger, als sie es unten im Dorf sind.
Wenn es ans Heumachen ging, saß ich auf einer Decke inmitten tausender duftender Blumen, diesen Duft habe ich heute noch in der Nase. Ich sah den Käferlein und den Bienen zu, freute mich, wenn der Wind in die Pusteblumen fuhr und sah den kleinen Schirmchen mit den Samenkapseln nach. Kinder, mit denen ich hätte Spielen können, gab es hier oben keine, aber kam einmal ein Besuch mit Kindern, spielten wir meist in der Scheune, neckten Emil oder spielten Verstecken.

Auf einer Alm muss man sich natürlich selbst versorgen, Mutter hatte einen Gemüse und Kräutergarten angelegt, Salat, Tomaten, kleine Gurken, aber auch kleine Kartoffeln und Möhren wuchsen hier. Andere wichtige Nahrungsmittel wurden uns im Sommer, wenn es schneefrei war, auf die Alm gebracht. Da die Winter in den Bergen meist sehr lang schneereich und kalt sind, muss man sich schon im frühen Sommer, hinunter bis an den Waldrand begeben um dort Tannenzapfen, Eicheln und Äste Sammeln. Das Hinaufschleppen war schon recht schwierig.
Aber nette Nachbarn brachten uns auch per Traktor, Holzstämme, sie wurden hinter der Scheune gelagert. Wenn Vater dann Zeit hatte, musste die Motorsäge viel Leisten und das geschnittene Holz wurde dann gestapelt und mit Planen abgedeckt. Hier fing unsere Katze auch im Winter viele Mäuse.

Gegen die kalten Winter war unser Haus gut gerüstet, die Tür und die Fenster waren dicht, ließen keine kalte Luft hinein strömen, der mächtige Kachelofen verströmte eine angenehme Wärme, so das man sich im ganzem Haus wohlfühlte,

Im Winter ging dann Vater seiner Lieblingsbeschäftigung nach, es wurde Schnaps gebrannt, meist aus den Tannenzapfen, die ergaben einen klaren, Hochprozentigen, mit echtem Tannen Geschmack. Aber es wurden auch aus Früchten, Beeren , Vogelbeeren, Schnaps gebrannt. Hier oben wurden die “Brenndüfte” vom Wind verweht, niemand bemerkte etwas davon.

Zwei oder dreimal im Jahr, kam ja der Gendarm aus der Kreisstadt zu uns rauf, mit knatterndem Motor eines alten Motorrades, schaffte er den Anstieg tatsächlich.
Er war hier oben gern gesehen, Vater verstand sich mit ihm gut, zum Abschied gab er immer zwei Flaschen vom -Besten- mit.

Oh ja, meine Kindheit auf der Alm war besonders schön.

Später, als es dann in die Schule ging, wurde es schon etwas beschwerlicher, der Schulweg, zum Schuldorf, war lang, im Sommer etwas eine Stunde, aber im Winter dauerte es oft mehr als zwei Stunden. In der - Zwergenschule - gab es nur eine Klasse, Buben und Mädchen von sechs bis zehn Jahren saßen in einem Raum.

Heute sitze ich auf der Bank vor dem Haus, blicke in die Ferne und denke oft an meine Kindheit hier oben zurück. Die Alm meiner Eltern habe ich übernommen, heute ist sie ein gern angesteuertes Wanderziel, Wandergruppen, aber auch einzelne Tourengeher, sitzen gern auf der Terrasse, genießen eine deftige Mahlzeit, dazu ein gutes, kühles Bier und lassen so manch schöne Stunde hier oben ausklingen. Übernachten kann man in der Scheune, auf duftenden Strohsäcken.

Die Welt ist wunderschön, am schönsten aber hier auf meiner Alm.

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