Bernhard Pappe

Der ist doch nicht ganz „echt“! (Eine kurze Kurzgeschichte)


Ich ging einfach so die Straße hinunter, als es hinter mir einen Aufschrei gab. Instinktiv wandte ich mich um und erblickte hinter mir einen Mann mit einer papiernen Einkaufstüte, der kurz innehielt, dessen rechter Arm leicht zuckte. Hatte er den Schrei abgegeben? Dahinter liefen Passanten, denen Erschrecken, aber auch Verständnislosigkeit ins Gesicht geschrieben standen.

Vielleicht dachten sie: Der ist nicht ganz bei sich, der ist nicht ganz „echt“ – ein schnelles, volkstümliches Urteil. Was ist denn „echt“? Gilt das nur für einen Diamant mit lupenreinem Schliff oder eine schwere Goldkette oder irgendeine Antiquität? Ist nicht jeder Mensch „echt“ auf seine Weise?

Ich erinnerte mich, dem Mann gestern schon einmal begegnet zu sein, vielleicht sogar mit der gleichen Papiertüte in den Händen. In meiner Erinnerung kämpfte er mit einer ungewollten Geste seiner Arme. Trigger lösten bei ihm Tics aus, die der Mann nicht unterbinden konnte. Vielleicht wollte er es auch gar nicht.

Die Tics, sie sind seine „Echtheit“, mit der die Passanten, die ihm auf seinen Wegen begegnen, gewiss nicht tauschen würden. Ich stelle mir vor, dass ich dem Mann eines Tages wiederbegegne und ihm diese Geschichte erzähle. Was würde passieren? Ein Aufschrei, durch ihn, durch mich?

 

© BPa / 09-2022

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.09.2022. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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